Midnight Tales - 8. Mehr Sein als Schein



Die beiden Punks Zippy und Pinhead wollen sich ein Zimmer in einem heruntergekommenen Hotel mieten. Doch der Nachtportier erkennt die junge Frau, die halb bewusstlos in ihrer Begleitung ist - es ist seine eigene Enkelin. Dabei treibt sich draußen ein skrupelloser Killer sein Unwesen, was die Ereignisse der Nacht noch unheilvoll beeinflusst...

Auch "Mehr Sein als Schein", die achte Episode der Contendo-Hörspielreihe "Midnight Tales", ist gemeinsam mit seinen Vorgängern gleichzeitig zum Start der Serie erschienen, und auch hier wird wieder eine ganz neue Szenerie geschaffen, die eine neue Facette des Genres Grusel beleuchtet. Waren in den vorigen Episoden trickreiche oder nachdenkliche Geschichten zu hören, geht es hier recht brachial zu. Das Thema wird nicht bei jedem auf Begeisterung stoßen, es geht um brutale Gewalt gegen Frauen, was sehr explizit beschrieben wird - zwar nicht bis zum Äußersten gehend, aber dennoch ein paar Grenzen überschreitend. Gibt es während der ersten Szene noch ein paar undurchsichtige Momente gibt, ist das zweite Drittel der Handlung sehr auf dieses Thema konzentriert. Am Schluss gibt es dann eine Wendung (wie immer bei der Serie), die man allerdings bereits einige Zeit vorher erahnen konnte, wenn man einige der vorigen Kommentare richtig zu deuten weiß. Gut gefällt mir zwar die Rolle der entführten Trina, die ganz anders reagiert als man es erwarten würde, einigen Momenten kann man auch eine gewisse Faszination nicht absprechen. Doch insgesamt wirkt die Handlung auf mich leider etwas platt.

Konrad Bösherz und Patrick Mölleken machen als Punkerduo Zippy und Pinhead einen sehr guten Eindruck, klingen bedrohlich, skrupellos und kühl, was die Atmosphäre der Handlung entscheidend prägt, beide sprechen sehr pointiert und betont. Werner Wilkening ist als Nachtportier des Hotels zu hören, seine tiefe und markante Stimme passt sehr gut zu der Figur, er reagiert sehr stimmig auf jede Situation und zeigt dabei viele Facetten. Luisa Wietzorek überzeugt in der Rolle Trina mit viel Ausdruck in der Stimme, sie bringt eine ungewöhnliche Atmosphäre mit ein und sorgt für überraschende Momente. Kirstin Hesse, Matthias Scherwenikas und Peter Flechtner sind jeweils nur kurz zu hören.

Akustisch ist die Episode insgesamt stimmig umgesetzt, die Szenen werden passend untermalt und mit vielen Geräuschen versehen. Doch beim Finale, aber auch zwischendurch, verlässt sich die Szenerie zu oft auf brachial wirkende Geräusche, ohne dass diese erklärt werden würden. Das lässt zwar einige unheimliche Momente entstehen, ist aber zu häufig zu lang geraten und wirkt dann eher unkoordiniert. Die Dynamik der Handlung wird aber gut nachgezeichnet.

Als Titelbild wurde der Flur des Hotels gewählt - schlicht, düster, heruntergekommen. Die kühle Beleuchtung der Neonröhren ergibt einen guten Kontrast zur ansonsten roten Farbgebung. Der Zeichenstil wirkt aber wie bei den Vorgängerepisoden recht billig und kann trotz gelungener Perspektive zumindest mich nicht überzeugen.

Fazit: "Mehr Sein als Schein" startet und endet recht reizvoll, die Handlung dazwischen ist aber recht platt geraten und ist mit dem Thema Gewalt gegen Frauen für meinen Geschmack zu explizit geraten. Leider ist hier eine eher schwache Episode der Reihe entstanden, die deutlich bessere Ideen geboten hat.

VÖ: 3. April 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621006

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