Rulantica - 1. Die verborgene Insel



Aquina, eine Meerjungfrauenmädchen, träumt davon, nicht mehr nur ihre Heimatstadt und die nähere Umgebung zu kennen, sondern auch die Menschenwelt zu erkunden. Das bringt ihr immer wieder Ärger mit ihrer strengen Mutter ein, was ihre Neugier aber nicht mindern kann - besonders, als sie erfährt, dass sie einen menschlichen Zwillingsbruder hat, der an Land lebt und ebenfalls nichts von ihrer Existenz weiß...

Mit "Rulantica" ist bei Europa der Start einer neuen Hörspielserie erschienen, der auf der Buchreihe von Michaela Hanauer basiert. Und darin werden gleich mehrere Thematiken gekonnt zusammengeführt. Einerseits ist die Meerjungfrauen-Szenerie momentan nicht nur im Trend, sondern hier auch sehr lebendig und fantasievoll umgesetzt. Die Unterwasserwelt wird mit vielen Details angereichert, was nicht nur die Bewohner und deren Umgebung betrifft, sondern auch ihre Gesellschaft mit ihren ganz eigenen Regeln und Gegebenheiten. Manchmal ist das für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten, zu viele Kleinigkeiten stören gerade zu Beginn den Fortlauf der Handlung und lassen einige Szenen zu langwierig wirken. Dazu wird die Abenteuergeschichte um Aquina und ihren Zwillingsbruder kombiniert, wobei zu Beginn viele typische Probleme von Jugendlichen aufgegriffen - strenge Eltern, Probleme mit den Lehrern, Freiheitsdrang, aber auch ureigene Ängste oder die Situation als Waisenkind. Später werden viele weitere spannende Szenen eingebaut und immer weiter verdichtet, sodass eine lebendige Geschichte entstanden ist. Angereichert ist das Ganze mit vielen Elementen aus der nordischen Götterwelt, die auch höchstselbst in Erscheinung treten und die Handlung beeinflussen. Das sehr atmosphärische Intro, aber auch viele weitere Momente werden dadurch sehr eingängig umgesetzt. Vorkenntnisse der germanischen Mythologie sind nicht notwendig, da die Zusammenhänge gut erklärt werden. Die Freiheiten der Neuinterpretation wurde zwar gelungen genutzt, bei einigen Details habe ich aber nicht verstanden, warum diese verändert wurden - beispielsweise dass die Raben Hugin und Munin nicht Odins Tiere sind, sondern die von seinem Sohn Vidar. Idee, Verlauf und Stimmung gefallen mir sehr gut, manches Mal wirkt das Ganze aber auch recht überfrachtet und unübersichtlich.

Die Besetzung der Rollen ist insgesamt gelungen und mit einigen prominenten Stimmen bestückt, doch manchen Sprechern fehlt etwas die Erfahrung, sie klingen dann etwas hölzern und abgelesen. Nicole Silbermann ist in der Hauptrolle der Aquina zu hören und bringt die lebendige Neugier des Meermädchens gut zur Geltung, wirkt aber in manchen Szenen und vor allem in ihren Erzähltexten etwas steif und könnte die Rolle dann mit etwas mehr Natürlichkeit umsetzen. Nils Rech sorgt als Loki für eine interessante Figur, die er mit tiefer Stimme und grollendem Unterton sehr intensiv umsetzt, aber nie wirklich bösartig wirkt - sehr gelungen, um keinen platten Gegenspieler, sondern eine vielschichtige Figur zu schaffen. Erzähler Friedhelm Ptok, der die geheimnisvolle Stimmung sehr gekonnt aufgreift, führt mit seiner angenehmen Stimme gelungen durch die Handlung und verleiht seinen Texten viel Lebendigkeit. Weitere Sprecher sind Sebastian Fitzner, Thomas Schmuckert und Sascha Rotermund.

Für die Umsetzung des Romans zeichnen sich Christian Hagitte und Simon Berteling verantwortlich - und halten das, was die beiden Namen versprechen: Die Musik ist sehr stimmungsvoll und atmosphärisch geraten, sie umgibt einen Großteil der Dialoge mit hübschen Melodien, die gut auf die verschiedenen Szenerien eingehen und ihnen einen passenden Ausdruck verleihen. Aber auch die Geräusche sind sehr treffend und vielfältig eingefügt, sie sorgen für einen sehr dichten Eindruck der Handlung und lassen diese lebendig und eingängig wirken - sehr gelungen.

Natürlich wurde das Titelbild der Romanvorlage auch für das Hörspiel verwendet, wobei das phantasievolle und detailreiche Bild sehr gut zur Geltung kommt. Die Hauptfiguren der Handlung, aber auch die wunderschöne Landschaft über und unter dem Wasserspiegel oder der Schriftzug mit dem abenteuerlichen Touch kommen dabei sehr gut zur Geltung. Natürlich gibt es eine hübsche Gestaltung im Inneren mit einer Übersicht der Beteiligten, aber auch weitere Zeichnungen und kleine Infos zu Aquina, Mats und Snorri.

Fazit: "Die verborgene Insel" ist ein gelungener Einstieg in die neue Abenteuerserie, wobei viele Themen gut auf die Zielgruppe der jugendlichen Hörer zugeschnitten sind. Meerjungfrauen, nordische Mythologie und typische Teenager-Probleme sind gelungen kombiniert und mit einer spannenden Handlung versehen, aber auch mit zu vielen Details überfrachtet. Das funktioniert als Buch sicher gut, ist aber als Hörspiel zu unübersichtlich und stellenweise langatmig geraten. Dennoch: Die erste Folge von "Rulantica" ist hörenswert geraten.

VÖ: 3. April 2020
Label: Europa
Bestellnummer: 4050003718651

Datenschutzerklärung