Das Lächeln der Fortuna – Robin Teil 3 – Die Rückkehr



Robin hat es geschafft, seine Reputation in der Welt des Adels wiederherzustellen und wurde als neuer Earl of Burton ernannt – gegen seinen Willen. Denn das neue Amt bürdet ihm auch viele Pflichten auf, sodass er auch die höheren Steuerabgaben aufgrund des Hundertjährigen Kriegs durchsetzen muss. Während sich ein wahrer Ansturm der Bevölkerung anbahnt, muss Robin auch privat immer wieder die Wogen glätten…

Mit „Die Rückkehr“ wird das dreiteilige Hörspiel auf Grundlage von Rebecca Gablés Roman „Das Lächeln der Fortuna“ abgeschlossen, wobei auch hier wieder über 15 Stunden Laufzeit sehr gut produziertes Hörspiel geboten werden. Ohne Vorkenntnis aus den vorigen Teilen wird man natürlich kaum etwas verstehen, dazu sind die Zusammenhänge viel zu komplex und vielschichtig, warum wer wir handelt erschließt sich oft nur im Zusammenhang – aber genau das macht dann eben auch den Reiz aus. Und so fiebert der Hörer sofort den neuen Entwicklungen entgegen, denen Robin nun als Earl of Burton entgegensieht. Und dabei ist der Blick wieder auf verschiedene Bereiche seines Lebens gerichtet und mit unterschiedlichen Themen und Stimmungen belegt. Im privaten Bereich um Robins Liebesleben gibt es noch einige Turbulenzen, sein Familienleben wird mit einigen neuen Aspekten angereichert, was mal emotional, mal spannend, mal ernst geraten ist. Ich mag, wie sich auch hier in vielen Details der mittelalterliche Geist einfindet, wie die Personen miteinander umgehen und wie sie sich gesellschaftlich verhalten (müssen) ist gekonnt eingebunden. Und auch die politische Ebene wird gekonnt aufbereitet und stellt Robin vor neue Herausforderungen. Gerade in Betracht auf die Entwicklung des gesamten Romans kann dieser abschließende Teil überzeugen: Vom armen, mittellosen Jungen über den hart arbeitenden Ritter bis schließlich zum Earl hat er dennoch immer mit harten Herausforderungen zu kämpfen – nur eben an anderen Stellen. Sehr gelungen auch hier, wie geschichtliche Ereignisse eingeordnet und in einen Kontext gesetzt werden, wie man den Hundertjährigen Krieg nicht nur an der Front, sondern auch in den Auswirkungen auf die Bevölkerung erleben kann. Dabei sind mehr denn je reale historische Persönlichkeiten eingebunden, die in die fiktive Geschichte von Robin gesetzt wurden – wahrscheinlich nicht vollkommen den Tatsachen entsprechend, aber doch hervorragend recherchiert. Toll, wie am Ende alles zusammengreift und die Handlung gekonnt abgeschlossen wird, aber dennoch die Grundlagen für eine Fortsetzung geschaffen werden, die als Buch bereits existiert. Wünschenswert wäre es, wenn auch diese als Hörspiel umgesetzt werden, denn das ist hier hervorragend gelungen.

Das liegt auch an der schier unzähligen Flut an Sprechern, die sehr gekonnt agieren – einen Ausreißer nach unten sucht man vergeblich, viele hinterlassen einen positiven Eindruck. Allen voran natürlich Roman Roth in der Rolle des Robin, der die Entwicklung seines Charakters viel Raum gibt und der mit feinen stimmlichen Nuancen eine große Bandbreite anbietet und dennoch immer vollkommen in seiner Rolle bleibt. Auch die wunderbare Yara Blümel hat mir als Blanche äußerst gut gefallen, bringt mit ihrer zarten Stimme eine gewisse Sinnlichkeit mit ein, bringt aber ebenso das harte Leben des Mittelalters gekonnt auf den Punkt. Julien Hagege ergänzt das Ensemble als Edward mit seiner typisch sehr präsenten und markanten Stimme, bringt aber viele bislang unbekannte Facetten mit ein und spricht durchgängig sehr lebendig und treffend. Weitere Rollen haben beispielsweise Ulrich Blöcher, Simon Derksen und Jeremias Koschorz.

Die akustische Umsetzung ist auch in diesem Teil bestechend, was an der eher dezenten, aber dennoch sehr vielfältigen und atmosphärischen Umsetzung liegt. Die Geräusche protzen nicht mit zu viel Lautstärke oder Varianz, sondern bringt die Handlungen der Charaktere oder passende Hintergründe sehr gekonnt ein, ohne von den Dialogen im Mittelpunkt abzulenken. Und die Musik hat ihren mittelalterlichen Flair behalten, wird an den passenden Stellen aber auch etwas dramatischer als noch in den ersten beiden Teilen. Sehr gelungen, wie das alles zusammenspielt und sowohl die Handlung als auch den geschichtlichen Kontext unterstreicht.

Das Titelbild hat auch hier keine Varianz erfahren, auch hier ist das Buchcover mit seinem braunen Hintergrund und der Darstellung eines mittelalterlichen Schicksalsrades zu sehen, lediglich der unten recht klein aufgedruckte Titel unterschiedet das Bild von seinen Vorgängern. Im Inneren wurde die Liste der Sprecher etwas kleiner aufgedruckt, um mehr Platz zu haben, dennoch wurden viele Sprecher in Nebenrollen ohne Nennung der Figur aufgelistet – und es sind so viele, dass dies sogar an zwei verschiedenen Stellen geschehen ist.

Fazit: Der Abschluss des Romans steigert sich in Sachen Dramatik noch einmal deutlich, bleibt aber fest in der damaligen Zeit verankert und setzt die Handlung spannend und authentisch fort. Wie immer ist die Verbindung von Robins Schicksal und geschichtlichen Fakten hervorragend gelungen, das Erleben der damaligen Zeit wird dadurch sehr eingängig. Mir gefällt, wie die Handlung noch einmal einige unerwartete Wendungen nimmt und einen sehr runden Eindruck hinterlässt. Ein wahres Mammut-Projekt (auch für den Hörer), dessen Ergebnis sich aber sehr lohnt.

VÖ: 28. Februar 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785781852

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