Insel-Krimi – 12. Nebel über Neuwerk



Gemeinsam mit seinen Schülern reist der erfolgreiche Schriftsteller Maximilian Ackermann auf die beschauliche Insel Neuwerk, um dort einen Schreibworkshop abzuhalten. Dort lernen die vier auch Hobbymalerin Sophie Schuster kennen, die schon bald ins Visier der Schriftsteller gerät, die allesamt Kriminalromane schreiben und einen Fall wittern. Denn im Beisein vom ebenfalls anwesenden Leon Keller verhält sie sich ziemlich auffällig – und dann wird auch noch eine Leiche gefunden…

Neuwerk ist jetzt nicht gerade die bekannteste deutsche Insel, das recht kleine Eiland hat es dennoch in die Reihe „Insel-Krimi“ von Contendo Media geschafft, die zwölfte Folge spielt in dem Hamburger Stadtteil im Wattenmeer. Schön, dass auch in die Handlung einige wissenswerte Fakten über die gerade einmal 3,3 Quadratkilometer kleine Insel eingebunden sind und die Stimmung dadurch noch präsenter wirkt. Sei es die Anreise, die Geografie, aber auch ein gelungener Eindruck einiger bestimmter Ortschaften, das passt alles gut zusammen, drängt sich aber eben auch nicht auf. Die Handlung präsentiert wieder eine ganz neue Zusammenstellung an Charakteren, von in früheren eingeführten Personen ist nur eine einzige eingebunden, was in einer kleinen Rückblende erwähnt wird. Die Vorstellung wirkt anfangs etwas holprig, in einem recht konstruiert wirkenden Dialog werden zahlreiche Fakten über die Anwesenden erwähnt, was stellenweise einen eher erzwungenen Eindruck macht. Dabei fällt es auch dem Hörer nicht ganz leicht, zunächst zuzuordnen, auf welchen Figuren jetzt der Fokus liegt und wer welche Rolle in dem Fall annimmt. Erst im Laufe der Zeit werden die Zusammenhänge klarer, spätestens mit dem Todesfall ist die Richtung dann deutlich erkennbar und die Handlung wird spürbar stärker – auch weil zahlreiche verschiedene Figuren als Täter in Frage kommen und der Hörer immer wieder unterschiedliche Motive zu erahnen glaubt. Das ist unterhaltsam aufbereitet, am Ende zeichnet sich dann aber ein Weg ab, den man aufgrund eines frühen Kommentars auf dem Plan haben konnte, der ein wenig zu auffällig platziert wurde – aber auch nur, wenn man genau zuhört. So ist insgesamt eine solide Folge der Serie entstanden, die zwar etwas holprig startet, später aber unterhaltsam und etwas temporeicher als die früheren Episoden wird.

Yvonne Greitzke ist in der Rolle der Hobbymalerin Sophie Schuster zu hören und bringt mit ihrer klaren Stimme und authentischem Ausdruck eine interessante Figur mit ein, sie spricht die Rolle facettenreich und kann besonders spannende oder intensive Momente gekonnt betonen, ohne übertrieben zu wirken. Um die Rolle der Lea Zimmer schafft Angela Quast eine geheimnisvolle und etwas düstere Aura, bringt den Schmerz der Autorin, aber auch ihre unterdrückte Wut und andere Gefühle werden von ihr glaubhaft gesprochen. Michael Bideller ist als Maximilian Ackermann zu hören, auch er passt sehr gut in die Atmosphäre der Handlung und bringt den Mentor der Schriftstellergruppe in einigen Szenen sehr markant zur Geltung, kann sich aber auch zurücknehmen und anderen die große Bühne überlassen. Weitere Sprecher sind Jacob Weigert, Julian Casper und Bodo Wolf.

Natürlich gibt es auch bei „Nebel über Neuwerk“ eine stimmige Geräuschkulisse, die die Szenen glaubhaft untermalt und ihnen eine glaubhafte Färbung verleiht, allerdings auch etwas weniger präsent wirkt als sonst. Ähnliches gilt für die Musik, die die Stimmung der Szenerie eher aus dem Hintergrund beeinflusst und dennoch passend eingebunden wurde.

Klar, dass bei diesem Titel kein heller Sonnenschein auf dem Cover zu sehen ist – die nebelverhangene Insel mit ihren gedeckten Farben passt dann aber auch deutlich besser zu der Atmosphäre der Handlung und wird durch den schlichten Schriftzug und den schwarzen Rahmen wie immer stimmig ergänzt. Das Innere bietet wie immer eine übersichtliche Aufzählung der Mitwirkenden, weitere Informationen sind allerdings nicht vorhanden.

Fazit: Etwas weniger Lokalkolorit als sonst, die nur wenige der Personen Einheimische auf der Insel Neuwerk sind, dafür aber mit einer präsenten Kulisse versehen konzentriert sich der Fall zunächst auf die Vorstellung der Charaktere und ihrer Beziehungen, was etwas aufgesetzt wirkt. Später entwickelt sich aber ein durchaus interessanter Krimi mit der klassischen Suche nach dem Täter, wobei gleich mehrere Verdächtige für angenehme Verwirrung sorgen. Eine solide Episode der Serie.

VÖ: 27. März 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967620054

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