Der Räuber Hotzenplotz



Die Großmutter liebt ihre Kaffeemühle, weil sie eine so schöne Melodie spielt, doch der gefürchtete Räuber Hotzenplotz stiehlt sie eines Tages. Natürlich wollen Kasperl und Seppl diese Ungerechtigkeit nicht hinnehmen und machen sich auf Räuberjagd. Dabei haben sie allerdings nicht mit der Gewieftheit von Hotzenplotz gerechnet und tappen unversehens in seine Falle…

Ganze Generationen sind mit den Geschichten von Otfried Preußler aufgewachsen, besonders der Räuber Hotzenplotz ist dabei im kollektiven Gedächtnis geblieben. Und auch wenn es bereits einige Hörspielumsetzungen der Geschichten gibt, hat das Hamburger Label Silberfisch eine brandneu produzierte Version auf den Markt gebracht – natürlich aufgeteilt in die drei Bücher des Autoren. Dieser erste Teil zeigt, warum die Handlung um die klassischen Figuren des Puppentheaters auch heute noch begeistert: Weil sie so zeitlos ist und Kindern aufregende Unterhaltung und Spannung bietet, sie dabei aber nie wirklich überfordert. Genau dieser Aspekt wird dann auch durch die Umsetzung gekonnt unterstrichen, die Atmosphäre ist recht heiter und nur selten düster. Das nimmt dem Hörspiel die Schärfe und lässt sie auch für jüngere Kinder geeignet erscheinen, nimmt aber auch ein wenig Energie aus der Handlung. Die Darstellung der so markanten Figuren ist aber sehr gelungen und präsent umgesetzt, ebenso wie die Szenerie schnell überzeugt und den Hörer in die Handlung hineinzieht. Die Laufzeit von 111 Minuten ist der Vorlage sehr angemessen, das Tempo ist angenehm, sodass eine kurzweilige Atmosphäre entsteht und den einzelnen Elementen dennoch genügend Raum gegeben wird, um sich zu entfalten. Eine gelungene Umsetzung des Kinderbuchklassikers, die dann doch einige andere Aspekte betont und überzeugende Varianz zu den anderen Umsetzungen schafft, sodass die lebendige und spannende Geschichte gut zur Geltung kommt.

Dafür sorgen natürlich auch die hervorragenden Sprecher, die ihren Figuren viel Leben einhauchen. In der Titelrolle ist Charlie Hübner zu hören, der seiner Stimme einen sehr rauen Klang verleiht und einige polternde Auftritte hat, aber nie zu beängstigend wirkt und an manchen Stellen die sympathischen Seiten der Figur betont. Jens Wawrczeck ist als Zauberer Petrosilius Zwackelmann zu hören, nimmt der Figur aber die Bedrohlichkeit und ersetzt die machtvolle Aura durch eine Art tobendes Rumpelstielzchen, was eine gelungene Neuinterpretation der Rolle darstellt. Erzähler ist der wundervolle Felix von Mannteuffel, der mit seiner ruhigen und markanten Art gekonnt durch die Handlung führt und dabei eine sehr angenehme Aura verbreitet. Weitere Sprecher sind Tim Kreuer, Julian Greis und Hedi Kriegeskotte.

Auch akustisch liegt eine überzeugende Umsetzung vor, wobei auch schon mit dem Titelsong eher auf jüngere Kinder eingegangen wird – der Kinderchor setzt Melodie und Text lebendig um. Danach bestimmen vor allem die vielen passenden Geräusche die Szenerie und betonen die Handlungen der Figuren oder sorgen für einen passenden Hintergrund. Musik gibt es natürlich auch, diese ist gelungen in den Szenenübergängen eingebaut und greift die vorherrschenden Stimmungen auf.

Das Digipack, in dem die beiden CDs untergebracht sind, trägt natürlich die bekannte Zeichnung des Buches als Titelbild, sodass Kasperl, Seppl und der Räuber Hotzenplotz halb hinter einem Zaun verborgen zu sehen sind. Im Inneren ist noch ein kleines Booklet zu finden, das neben den üblichen Angaben zu den Mitwirkenden auch ein paar schwarz-weiße Fotos von den Aufnahmen und den Sprechern bereithält. Der restliche Platz wurde noch für ein paar weitere Zeichnungen aus dem Buch genutzt.

Fazit: Eine neue Umsetzung der bekannten Geschichte, die besonders für jüngere Hörer geeignet ist, da die Schärfe der Handlung und der bedrohlichen Figuren etwas genommen wurde. Dennoch entsteht ein prägnanter und lebendiger Ausdruck der Produktion, die mit ihren sehr engagierten Sprechern und einer passenden Untermalung überzeugt.

VÖ: 15. Mai 2020
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 9783745601640

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