Edgar Allan Poe und Auguste Dupin - 9. Das gestohlene Blut



In Paris geht ein Mörder um, der die Leichen seiner Opfer das Blut entnimmt und so an den Tatorten zurücklässt. In der Bevölkerung gehen Gerüchte um, die von Vampiren, geöffneten Gräbern und einer rätselhaften Künstlerkommune handeln. Auguste Dupin hat die Fälle bisher ausführlich in den Zeitungen verfolgt, will nun aber selbst die Ermittlungen übernehmen - was wie immer nicht ungefährlich für ihn endet...

Die Anfänge der Hörspielreihe um das Duo aus dem französischen Detektiv Auguste Dupin und Edgar Allen Poe, dem düstere Schriftsteller, der diese Figur ursprünglich erdacht hat, lagen noch in "Sherlock Holmes & Co", wobei sich die Fälle dort noch mehr von der Düsternis und dem Charakter von Poe beeinflussen ließen. Dieser Aspekt wird in der neunten Episode "Das gestohlene Blut" zu Beginn wieder etwas mehr aufgegriffen. Auch später stehen markante und teilweise exzentrische Figuren im Mittelpunkt, sei es eine sanftmütige Blumenhändlerin, ein expressiver Künstler oder ein grimmiger Totengräber - an interessanten Figuren mangelt es hier nicht. Auch die Taten, die aufgeklärt werden müssen, üben schnell ihren Reiz aus, die Idee des gestohlenen Blutes bringt gleich eine unheimliche Grundstimmung mit ein. Befeuert wird dies durch Berichte der Taten aus der Sicht der Opfer, die bedrohliche Gewalt erleben. Jede dieser Taten fügt ein neues Puzzlestück hinzu, ebenso wie der Hauptteil mit den Befragungen der verschiedenen Personen das Rätsel immer reichhaltiger wirken lassen. Die Spannung ist dabei eher gediegen und nimmt nur sehr punktuell an Fahrt auf, die Stimmung ist dennoch dicht und der Ablauf unterhaltsam. Das Finale hätte zwar etwas mehr Wucht vertragen, führt aber die ausgelegten Fäden gut zusammen.

Manfred Lehmanns Stimme ist zwar deutlich gereift, hat aber nichts von ihrer Intensität verloren, sodass er auch hier in der Hauptrolle des Auguste Dupin mit seinem sehr präsenten und volltönenden Klang überzeugt. Auch in der Interaktion mit Uve Teschner als Edgar Allan Poe ist er überzeugend, beide Stimmen ergänzen einander sehr gut, zumal jeder seine eigene Aura in die Handlung einbringt. Victoria Sturm ist in der Rolle der Belle Martine ebenfalls sehr gelungen und verleiht der Blumenhändlerin mit facettenreichem Klang und einem Gespür für das richtige Timing einen ausdrucksvollen Klang, was eine weitere interessante Figur schafft. Weitere Sprecher sind Ilona Otto, Arianne Borbach und Thomas Nero Wolff.

Die akustische Umsetzung der Episode ist wie auch schon in den früheren Folgen der Serie stimmig geraten, wobei mehr Musik als Geräusche eingesetzt wurden. Und obwohl dadurch eine recht dichte und spannende Atmosphäre entsteht, wirkt das Ganze auch manchmal etwas oberflächlich und hätte manchmal durchaus mehr Stille vertragen, was die Spannung ebenso steigern kann. Insgesamt ist die Handlung aber stimmig umgesetzt.

Das Cover der Episode zeigt einen Friedhof, der auch in der Handlung eine wichtige Rolle spielt. Die im Hintergrund eingebrachten schwarzen Grabmale heben sich nicht nur geschickt von dem düster-gelben Nachthimmel ab, sondern bilden auch eine gelungene Kulisse für den steinernen Engel im Vordergrund, der mit dunkelrotem Blut vollgespritzt scheint. Ansehnlich und gut zur Handlung passend, auch wenn die restliche Gestaltung wieder sehr schlicht geraten ist.

Fazit: In dieser Episode stehen einige interessante Figuren im Fokus, was anfangs auch für die beiden Hauptfiguren und ihre Beziehung zueinander gilt. Die düstere Szenerie und die langsame Entwicklung der Handlung prägen die dichte Stimmung der Episode, auch wenn das Finale etwas aufregender hätte erzählt werden können.

VÖ: 3. April 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662969

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