Das Lächeln der Fortuna – Robin Teil 2 – Die Wende



Nicht ganz freiwillig zieht Robin Waringham mehrfach in den Hundertjährigen Krieg nach Spanien und Frankreich, wo er wegen seines Gerechtigkeitssinns mehrfach mit dem Schwarzen Prinzen aneinandergerät und in ihm einen neuen, mächtigen Feind findet. Doch auch die Seite seiner Unterstützer steigt, doch noch vermeidet Robin es, den Konflikt offen ausbrechen zu lassen…

Eine wahre Mammut-Aufgabe hat sich in der Hörspielvertonung von Rebecca Gablés Roman „Das Lächeln der Fortuna“ aus dem Jahr 1997 ergeben, nicht nur wegen des großen Umfangs der Geschichte, sondern auch, weil sie zahlreiche Jahre umspannt und so eine sehr komplexe Geschichte erzählt wird. Der zweite Teil mit dem Titel „Die Wende“ läuft mit über 16 Stunden noch einmal ein deutliches Stück länger als der direkte Vorgänger, die Geschichte verdichtet sich dabei aber auch immer weiter und setzt die Protagonisten noch mehr unter Druck – und das nicht nur, weil der Hundertjährige Krieg in all seinen Grausamkeiten und Entbehrungen geschildert wird. Auch die persönliche Geschichte um Robin wird noch einmal komplexer, erwachsener und härter dargestellt. Mir gefällt dabei, dass durch Robins seherisch begabte Tochter Anne eine leichte, aber nicht zu dominante übernatürliche Komponente erweitert wird, aber auch dass dadurch der Konflikt mit Robins Frau weiter aufbricht und für einige sehr intensive Szenen sorgt. Es ist diese Kombination aus persönlichem Schicksal und Einordnung in den Verlauf der realen Geschichte, die den Reiz der Geschichte ausmacht, die mit ihren vielen Stationen sehr komplex geraten ist. Es erfordert natürlich viel Aufmerksamkeit, allem zu folgen, dafür bekommt man aber auch das Gefühl, sehr nahe an die Charaktere heranzurücken und vollkommen in Robins Welt einzutauchen. Die Umsetzung als Hörspiel ist dabei – wie auch schon im ersten Teil- gut gelungen. Dass man dabei auf eine Bearbeitung des Textes verzichtet hat, ist Fluch und Segen zugleich. So bleibt man zwar so nahe am Original wie es nur irgend möglich ist, allerdings ziehen sich manche Erzählpassagen auch etwas in die Länge und wirken für ein Hörspiel einfach zu starr. Der Anteil an Dialogen ist in diesem zweiten Teil allerdings gefühlt etwas höher, was diesen Aspekt etwas ausgleicht. Die komplexere Erzählstruktur mit den härteren Themen entwickelt zudem die Stimmung des zweiten Teils deutlich weiter, was „Die Wende“ noch intensiver wirken lässt.

Auch hier beeindruckt die Sprecherliste wieder nicht nur mit der Vielzahl an Namen, sondern auch mit vielen bekannten oder starken Stimmen. So ist Wolfgang Wagner als John of Gaunt zu hören, der seinen markanten und volltönenden Klang geschickt einsetzt, um seiner Figur zahlreiche Facetten zu verleihen und ihn sehr präsent wirken zu lassen, er nimmt sich an den richtigen Stellen aber auch zurück und lässt anderen Protagonisten die Bühne. Julia Lowack ist als Julia ebenfalls sehr gut besetzt, sie setzt gekonnt Akzente und lässt ihre Figur damit sehr lebendig wirken, zumal sie viele verschiedene Auren um sich entstehen lässt. Lina Isabell Sturm bringt als Robins Tochter Anne noch einmal eine ganz andere Stimmung mit, ihre junge Stimme nimmt eine präsente Farbe an und bringt besonders die leicht mystische Aura des Kindes sehr gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Marie Bierstedt, Richard Barenberg und Rainer Fritzsche.

Auch die akustische Umsetzung ist in diesem zweiten Teil etwas intensiver geraten, was besonders an den eingesetzten Geräuschen von Jörg Klinkenberg liegt. Sie sind sehr treffend auf die Handlung abgestimmt und lassen die vielen verschiedenen Szenarien lebendiger wirken, konzentrieren sich aber eher auf die Handlungen der Figuren als auf Hintergrundkulisse. Die Musik wirkt authentisch auf das mittelalterliche Ambiente abgestimmt und ist mit seiner Vielschichtigkeit sehr opulent, drängt sich aber ebenso wenig in den Vordergrund.

Für die fast 1.000 Minuten Laufzeit waren ganze drei MP3-CDs notwendig, die gemeinsam in einem Digipack untergebracht sind. Die schier endlos wirkende Zahl an Sprechern konnte aus Platzgründen dabei nicht komplett ihren Rollen zugeordnet werden – dies ist nur bei den wichtigsten Figuren der Fall. Dennoch wurde neben den vielen Mitwirkenden auch noch an eine kurze Biographie der Autorin gedacht.

Fazit: In „Die Wende“ geht es für Robin noch intensiver, bedrohlicher, kämpferischer und spannender weiter, wobei der Fokus noch einmal auf andere Themen gelegt wird und besonders der Hundertjährige Krieg lebendig und erschreckend umgesetzt wurde. Das ist sehr ergreifend und erzählerisch auf den Punkt umgesetzt, auch wenn die Umsetzung stellenweise etwas starr wirkt. Doch die sehr treffende und opulente Geräusch- und Musikkulisse sorgt auch für viele imposante Szenen.

VÖ: 28. Februar 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785781845

Datenschutzerklärung