Caiman Club – Staffel 1



Ein Amokschütze dringt mit einer geladenen Waffe in seine Schule ein und richtet ein wahres Massaker unter Schülern und Lehrern an. Hagen von Grau wird direkt informiert und macht sich auf den Weg zum Tatort, ist jedoch keinesfalls bei der Polizei. Vielmehr ist er ein festes Mitglied des Caiman Clubs, der hinter den Kulissen von Berlin an den wichtigsten Strippen zieht. Den Fall will er nicht aufklären, sondern den Schaden von einem Videospielproduzenten abwenden, dessen T-Shirt der Schütze trägt...

Bei der Suche nach lohnenswerten Hörspielproduktionen sollte man auch immer die deutschen Radiostationen im Blick behalten, wie einmal mehr der WDR beweist. Denn mit „Caiman Club“ wurde eine ebenso lohnenswerte wie spannende Serie produziert, deren erste Staffel mit fünf Folgen nach der Ausstrahlung im Rundfunk nun auch bei Folgenreich auf einer MP3-CD erschienen ist. Das Thema der Serie mag anfangs etwas sperrig klingen, doch Lobbyismus konzentriert sich hier nicht nur auf trockene Arbeit in der Politik, sondern bezieht beispielsweise auch Wirtschaft, Medien und Gesellschaft – und das im Umfeld eines elitären Clubs, in der die oberen 10.000 aus der Hauptstadt verkehren. Im Zentrum steht dabei Hagen von Grau, der selbst seit Jahren Mitglied im Club ist und verschiedene Aufträge annimmt, um die Ereignisse für seine Auftraggeber ins rechte Licht zu rücken. Die Tricks, die er dabei anwendet, sind dreckig und unlauter, seine Sicht auf die Dinge nüchtern, kühl und berechnend, sein Charakter unloyal und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Interessanterweise wird dem kaum etwas entgegengesetzt, auch die meisten anderen Charaktere sind ähnlich gestrickt – nur häufig nicht ganz so clever wie die Hauptfigur, da sie sich trotz einiger Gegenwehr übertölpeln lassen. Von Grau manipuliert, lügt, legt zu seinen Gunsten aus und hat seine Finger an vielen Stellschrauben, wobei er es immer noch schafft, am Ende einen überraschenden Trumpf aus dem Ärmel zu ziehen. Die Episoden sind jeweils in sich abgeschlossen und auf ein einzelnes Thema bezogen, die sehr abwechslungsreich und dramatisch ausgewählt sind. Die moderne Szenerie trägt ebenfalls ihren Teil zum Reiz der Serie bei, der Verlauf der Episoden ist zudem abwechslungsreich geraten – der Verlauf ist immer wieder ein anderer, auch die daraus resultierende Spannung setzt an ganz unterschiedlichen Punkten an. „Caiman Club“ geht sehr eigene Wege und setzt gelungene Akzente, ist manchmal vielleicht etwas dräuge produziert, übt aber auch einen eindringlichen Reiz aus und geht ganz andere Wege als andere Serien.

In dieser ersten Staffel sind ziemlich viele verschiedene Sprecher zu hören, die nicht nur aus den Reihen von Schauspielern stammen – mit Linda Zervakis oder Sabine Heinrich sind beispielsweise auch zwei Moderatorinnen zu hören. Aber auch Dustin Semmelrogge, Thore Schölermann oder Matthieu Carriere haben Gastauftritte. In der Hauptrolle des Hagen von Grau ist Bernaby Metschurat zu hören, der den eher nüchternen und auf seinen Vorteil bedachten Charakter treffend umsetzt und seiner Stimme einen markanten Ausdruck verleiht. Seine Skrupellosigkeit und kühle Analysefähigkeit kommen durch ihn sehr gut zur Geltung. Maximilian Scheidt ist als Max Jung zu hören, der den jungen und noch unerfahrenen Lobbyisten vielseitig spricht und verschiedene Facetten in seiner Sprechweise anbietet. Die Entwicklung seiner Rolle wird durch ihn ebenfalls glaubhaft umgesetzt. Wilfried Hochholdinger ist als Carolus Mangold zu hören, der manchmal etwas hölzern klingt, die kühle Szenerie der Serie aber gekonnt unterstützt.

Die akustische Gestaltung der Serie ist insgesamt eher schlicht geraten, der Fokus liegt so durchgängig auf den Sprechern und den Dialogen. Sicherlich gibt es manchmal Musik, die die Szenenübergänge lebendig gestaltet, besonders spannende Szenen betont oder die Stimmung im Caiman Club erzeugt. Doch ebenso wie die Geräusche sind diese nicht sehr laut gedreht. Das wirkt in sich stimmig und unterstreicht die harte, nüchterne Ausstrahlung der Serie und lässt die Szenen lebendiger wirken.

Berlin ist nicht nur der Schauplatz der Serie, sondern auch dunkel im Hintergrund des Covers eingesetzt. Im Fokus steht jedoch das ornamentartige, quadratische Logo der Serie, das sich mit seiner hellgelben Farbe von dem dunklen Hintergrund gelungen abhebt. Die restliche Gestaltung ist sehr schlicht geraten, zusätzliche Informationen oder ähnliches sind nicht vorhanden. Im Inneren gibt es aber eine Trackübersicht, sodass man die gewünschte Episode schnell wiederfindet, aber auch eine ausführliche Auflistung der Sprecher und ihrer Rollen.

Fazit: Eine Serie mit einem Antihelden als Hauptfigur, der sich durch dreckige Tricks und einen zynischen Blick auf die Welt auszeichnet, um Lobbyarbeit zu machen und seine Gegner durch den Schmutz zu ziehen - „Caiman Club“ setzt auf eine markante Szenerie und unsympathische Charaktere, um eine ganz eigene Art von Spannung zu erzeugen. Das ist ebenso spannend wie ungewöhnlich und funktioniert ist diesen ersten fünf Folgen sehr gut.„Das perfekte Geheimnis“ ist unterhaltsames Popcorn-Kino und will auch gar nicht mehr sein. Die witzige Grundstimmung, Verwechslungen, Situationskomik, aber auch einige stille und emotionale Momente prägen den Film, der mir deswegen gut gefallen hat. Sicherlich ist einiges vorhersehbar, anderes etwas flach geraten, dem Unterhaltungswert tut das aber keinen Abbruch.

VÖ: 13. Dezember 2019
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 062508355974

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