Edgar Allan Poe und Auguste Dupin - 8. Im Schatten der Guillotine



Die Einladung seiner Freunde Edgar Allan Poe und Auguste Dupin in eine Privatloge der Pariser Oper hat sich Monsieur G anders vorgestellt. Nicht nur, dass der bekannte Detektiv gedanklich einem alten Fall hinterherhängt, mitten in der Aufführung erreicht ihn auch die Nachricht eines Mordfalls. Nahe dem Gebäude wird ein enthaupteter Mann aufgefunden - nicht der erste Tote, der scheinbar mit einer Guillotine hingerichtet wurde. Will ein Mörder tatsächlich zu einem Ende führen, was bei der Französischen Revolution begonnen wurde...?

Frankreich ist in der mysteriös gehaltenen Krimiserie um den Autor "Edgar Allan Poe und Auguste Dupin", eigentlich eine von ihm erdachte Figur, nicht nur der Schauplatz der Handlung, der vielleicht mal ein paar Impulse für die Stimmung der Folgen gibt. Besonders zu bemerken ist dies in der achten Episode, die in keinem anderen Land spielen könnte und eng mit der Historie unseres westlichen Nachbarlandes verbunden ist. Auch Kultur und Lebensgefühl werden in "Im Schatten der Guillotine" aufgegriffen, was einen sehr runden und stimmigen Eindruck hinterlässt. Glücklicherweise kann auch die Handlung durchaus mithalten und präsentiert einen verzwickten Fall mit zahlreichen verschiedenen Ideen, die gut zusammengefügt sind. Das ist nicht nur recht komplex, sondern bringt auch jede Menge unterschiedlicher Stimmungen mit sich - von der anfänglichen Szene in der Oper über ruhige Gespräche und eine verdeckte Landpartie mit einigen komödiantischen, aber auch vielen spannenden Einlagen geht es bis zu einem packenden Finale, das alle Fäden gut zusammenführt. Dupin geht dabei oft genug anders an den Fall heran als andere seiner Kollegen, geht eher auf die Emotionen seiner Mitmenschen ein und zieht daraus logische Schlüsse. Mit etwa 70 Minuten Laufzeit erlaubt sich die Folge zwar die eine oder andere Szene, die nicht allzu spannend oder interessant geraten ist, der clever durchdachte Fall sorgt insgesamt aber für gute Unterhaltung und einen spannenden Verlauf mit einigen überraschenden Wendungen. Die Rollen der beiden Hauptfiguren sind dabei gut eingebunden, sie bringen eine sehr eigenständige Aura mit sich und prägen so die Wirkung der Geschichte.

Der wunderbare Helmut Krauss ist in der Rolle des Monsieur G zu hören, seine volltönende Stimme mit dem markanten Klang setzt er auch hier gekonnt ein, um eine Figur mit starker Ausstrahlung und vielen Facetten zu schaffen - zumal ich dem leider verstorbenen Schauspieler äußerst gern zuhöre. Auch Ulrike Möckel hat mir als Marquise Silvie Landry, die Witwe des Ermordeten, gut gefallen, indem sie die Trauer, aber auch den Willen der Frau, bei der Enttarnung der Mörder mitzuhelfen, glaubhaft umsetzt und dabei viel Energie einbringt- vielleicht manchmal allerdings eine Spur zu viel Energie. Douglas Welbat ist als Erzähler lobenswert, indem er eine sehr gelungene Mischung wählt: Zwar bringt er die passende Neutralität mit, schafft aber dennoch eine geheimnisvolle und leicht mysteriöse Grundstimmung. Weitere Sprecher sind Volker Brandt, Tobias Lelle und Matti Klemm.

Ruhig, aber sehr treffend ist die Umsetzung der Episode geraten. So erhält jede Szene eine passende, aber dezente Geräuschkulisse, mal mit Operngesang, mal aber auch nur mit dem monotonen Ticken einer Uhr, sodass die jeweilige Szenerie glaubhaft wirkt. Die Musik ist durchaus atmosphärisch und steigert sich im Laufe der Episode immer weiter. Zunächst wird nur in den Szenenübergängen düstere Orchestermusik eingesetzt, später betont sie aber auch besonders dramatische oder packende Szenen, was den Spannungsbogen der Episode gekonnt unterstreicht.

Beeindruckend ist das Cover zu dieser Episode geraten, das in der untergehenden Abendsonne eine blutige Guillotine zeigt. Die düstere Optik der Seriengestaltung funktioniert dabei besonders gut, der rötliche Schimmer verleiht dem Bild genau die richtige Ausstrahlung. Wie immer ist auf der Rückseite des Covers direkt die Sprecherliste zu finden, während das beiliegende Booklet nur wenige neue Informationen bietet.

Fazit: "Im Schatten der Guillotine" ist fest mit Frankreich und seiner Geschichte verwurzelt, bietet spannende Szenen und markante Charaktere, dazu einen gut durchdachten Fall mit einem ungewöhnlichen, hörenswerten Finale, sodass man den einen oder anderen Durchhänger in der Spannung verzeihen kann.

VÖ: 14. Februar 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662891

Datenschutzerklärung