Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 24. Der Knochenhändler



Als Professor Benjamin Short in einer Anatomie-Stunde seinen Studenten menschliche Köpfe zur Sezierung zur Verfügung stellt, erkennt er einen der Köpfe wieder. Da er sich nicht vorstellen kann, warum die junge Frau ihren Körper der Medizin zur Verfügung gestellt haben sollte. Und so wendet er sich vertrauensvoll an Mycroft Holmes, der gleich alle Hebel in Bewegung setzt - und auch Oscar Wilde einen neuen Auftrag gibt. Die Reise nach York wird für ihn aber härter, als er es zunächst gedacht hätte...

Die Krimi-Serie mit Elementen aus Mystery, die sich um Sherlock Holmes Bruder Mycroft und den Schriftsteller Oscar Wilde dreht, überzeugt mit starken Charakteren - nicht nur bei den beiden sehr individuell gestalteten Hauptfiguren, sondern immer wieder auch in den Nebenrollen. In der 24. Episode der Serie trifft dies insbesondere auf die forsche Tilda zu, die Schwester der ermordeten jungen Frau. Mit ihrer ebenso bestimmten wie direkten Art hält sie ihre Mitmenschen ganz schön auf Trab - und bringt eine sehr eigenständige Stimmung in die Folge mit ein. Die Handlung von "Der Knochenhändler" ist ebenfalls spannend geraten, von der prägnanten Ausgangsszene und den nachfolgenden Nachforschungen entwickelt sich eine kurzweilige Geschichte, die allerdings auch einen etwas abrupten Umschwung hat und plötzlich auf ein anderes Thema als erwartet umschwenkt. Das hätte man durch eine geschicktere Entwicklung vielleicht organischer wirken lassen können, die düstere Szenerie wird dadurch aber nicht gestört. Der Bezug zu einem düsteren modernen Mythos ist gelungen, auch viele spannende und gefährliche Momente sorgen für gute Unterhaltung. Es holpert ab und an, einige Entwicklungen lassen sich vorausahnen, dann handeln die Charaktere wieder irrational und wenig durchdacht, laufen gar offenen Auges in ihr Verderben. Wen diese kleinen Logiklücken nicht stören, wird aber auch bei dieser Episode, die eher für sich selber steht und die Serienhandlung nur nebenbei berührt, gute Unterhaltung vorfinden.

Professor Benjamin Short wird von Volker Brandt gesprochen, der die ersten Szenen des Hörspiels mit seiner markanten Stimme prägt. Dabei überzeugt er mit seinem Hang zu feinen Details, die er auch hier präzise einbringt. Christina Ann Zalamea hat mir als aufgedrehte und energische Tilds äußerst gut gefallen, sie bringt jede Menge Druck in ihre Stimme und bringt die aufgekratzte Art der jungen Frau sehr präzise zur Geltung, ihre Szenen machen durchgängig viel Spaß. Auch Udo Schenk ist als Dr. James Morland überzeugend, mit seiner tiefen und ausdrucksstarken Stimme gestaltet er die nachdrücklich und sehr präsent. Weitere Sprecher sind Markus Pfeiffer, Jaron Löwenberg und Michael Pan.

Die musikalische Gestaltung der Episode zeichnet den Spannungsbogen gekonnt nach, die fröhlichen und energiegeladenen Momente kommen durch dräuende Musik im Hintergrund gut zur Geltung, ebenso wie die fröhliche und energiegeladene andere Seite der Folge mit den vielen Geräuschen und schwungvollen Melodien gekonnt umgesetzt wurde. Manches Stück in den Szenenwechseln wirkt zwar etwas lang, insgesamt ist aber alles sehr stimmig umgesetzt.

Das Cover zu der Episode ist mit seiner dunklen Farbgebung stimmungsvoll geraten, wobei auch die weinroten Absetzungen ansehnlich wirken. Das Motiv ist in Sepia-Tönen gehalten, das einsame Metallbett vor dem Fenster mit den blinden Scheiben ist ansehnlich, wobei sich der Bezug auf die Handlung erst später erkennen lässt. Die restlichen Informationen sind schlicht aufbereitet, wobei die Sprecher wieder auf die Rückseite der Hülle gedruckt wurde.

Fazit: "Der Knochenhändler" wird im Laufe der Zeit immer düsterer gefärbt, überzeugt aber auch mit prägnanten Charakteren und einem dichten Stimmungsaufbau. Viele spannende Szenen, aber auch ein paar Logiklücken prägen die Handlung, die insgesamt sehr unterhaltsam wirkt.

VÖ: 29. November 2019
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783785759967

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