Die schwarze Serie - 14. Memento



Ein Besuch bei seinem alten Schulfreund Douglas McLeod, der gerade aufwendig ein altes Landgut renoviert, weckt bei dem Londoner Rechtsanwalt Philip Aitken nicht nur positive Erinnerungen. Ein alter Brunnen auf dem weitläufigen Gelände erinnert die beiden an einen Vorfall, den die beiden lieber vergessen hätten - und das sich auf unheilvolle Weise noch heute auswirkt...

"Die schwarze Serie" präsentiert jetzt schon seit einigen Jahren in sich abgeschlossenen Gruselgeschichten, wobei immer wieder auf recht unbekannte Gruselklassiker gesetzt wird. In der 14. Episode wird beispielsweise M.R. James' "A school story" als "Memento" umgesetzt. Die Handlung entwickelt sich gerade zu Anfang sehr langsam, das Aufeinandertreffen der beiden alten Schulfreunde, die verschiedenen Rollen, die sie in ihrem Erwachsenenleben eingenommen haben, die Partnerschaften zu ihren Frauen - das alles wird hier ausführlich beschrieben, bevor es überhaupt zu den ersten übernatürlichen oder unheimlichen Elementen kommt. Unterhaltsam und kurzweilig sind diese Szenen zwar, Spannung kommt dabei aber kaum auf. Das Auffinden des alten Brunnens und der nachfolgende Bericht der beiden Freunde über ein prägnantes Erlebnis ihrer Jugend stellen dann einen Wendepunkt dar. Mir gefällt, wie gelungen diese Geschichte erzählt wurde, einige Spielszenen mit Rückblicken in die Vergangenheit lockern diese auf, im Kern berichten Douglas und Philip aber ihren Gattinnen davon. Auch hier entwickelt sich die Handlung langsam und gediegen weiter, bald wird es jedoch rätselhaft und noch ein wenig später auch unheimlich. Die Atmosphäre verdichtet sich dann immer mehr und lässt bis zum Ende der Folge dann auch nicht mehr nach. Es ist überraschend umgesetzt, wie dann alles zusammenhängt, wobei der schauerromantische Ausdruck und die altertümliche Stimmung gut zur Geltung kommen, das Tempo hätte aber auch im letzten Drittel etwas höher sein können, um die Spannung durchgängig zu halten.

Die Sprecher der Episode haben mir sehr gut gefallen, wobei das Wiederhören mit vielen bekannten Stimmen aus der Hörspielwelt Spaß macht, beispielsweise mit Dagmar Dreke, Uve Teschner und Gordon Piedesack. Als Douglas McLeod ist Hans-Jürgen Dittberner zu hören, der sowohl ruhigere als auch aufregendere Momente sehr gekonnt vertont und so eine lebendige Szenerie erschafft. Hans-Georg Panczak ist als Philip Aitken zu hören, der eine sehr lebendige und prägnante Aura um seine Figur schafft, mit viel Energie und seiner einprägsamen Stimme schafft er eine sehr präsente Figur. Seine Frau Anabelle wird von Arianne Borbach gesprochen, sie verstärkt mit ihrer Stimme die geheimnisvolle Ausstrahlung der Episode und wirkt in jeder Szene sehr authentisch.

Auch diese Geschichte ist treffend inszeniert worden und stimmig abgemischt, sodass trotz dichter atmosphärischer Gestaltung die Dialoge immer im Vordergrund stehen. Dabei sind die einzelnen Szenen insbesondere durch eine passende Hintergrundgestaltung untermalt, die diese lebendig wirken lassen. Die Übergänge sind mit klassisch instrumentalisierten Melodien untermalt, die die vorherrschende Stimmung aufgreifen und den Spannungsbogen gekonnt nachzeichnen.

Der Brunnen, der die Geschichte ins Rollen bringt, ist auf dem Titelbild gekonnt inszeniert. Ein Schwarm von Raben kreist über das gemauerte Rund, einige kahle Baumäste recken sich über ihn - das passt mit seiner düsteren Farbgebung und dem rötlichen Schimmer wunderbar zur Stimmung der Folge. Das Innere enthält zwar die üblichen Angaben zu den Mitwirkenden, daneben aber auch nur viel Werbung für andere Hörspiele.

Fazit: "Memento" nimmt sich Zeit, um Charaktere, Schauplätze und Handlung zu entwickeln. Das ist zwar durchgängig unterhaltsam umgesetzt, die Spannung wäre durch eine Straffung um einige Minuten sicherlich noch besser zur Geltung gekommen. Mir gefällt jedoch der schauerromanatische Ausdruck der Geschichte mit der gelungenen Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.

VÖ: 10. April 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662754

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