Midnight Tales - 5. Die Box



Eine neue Fernsehshow sorgt für Aufsehen: Der Gewinner einer Telefonabstimmung wird in eine Box gesperrt und wird dort mit Stromschlägen gefoltert, auch andere Erniedrigungen müssen sie über sich ergehen lassen. Die Wut auf die Macher steigt unter den Kandidaten immer weiter, doch die Verlockung von Geld und Ruhm lassen sie bleiben...

Die fünfte Episode der neuen Hörspielserie "Midnight Tales", die bei Contendo Media in digitaler Form erscheint, ist ebenfalls zum Start der Serie erschienen und geht mal wieder in eine ganz andere Richtung - sowohl was das Thema, als auch die Umsetzung und das Setting angeht. Die aktuellen Realityshows werden darin auf die Spitze getrieben, in dem die freiwilligen Teilnehmer durch die Macher der Show gefoltert und erniedrigt werden - gesteuert durch die Votings der Zuschauer, die das Leid der Kandidaten damit steuern können. Einen wirklichen Erzählstrang gibt es nicht, der Zuhörer verfolgt kleine Ausschnitte der Show, die sehr authentisch wirken und beispielsweise mit den vielen Votings und Verzögerungen durch Werbepausen den Stil anderer Produktionen nachahmen. Doch gleichzeitig wird auch immer wieder zu den Zuschauern der Sendung geschaltet - einer normalen Familie, Kneipenbesuchern, zwei befreundeten Studentinnen, dem Regieteam - die ihre Gedanken zu der Show mitteilen, aber auch die Wirkung der Sendung, den Suchtfaktor, die aufgebaute Spannung miterleben lassen. Darin sind manche Details eingebaut, die fast noch erschreckender als die Show selbst wirken. Die Schnitte sind schnell und hektisch, dennoch setzt sich schnell ein stimmiges Ganzes zusammen. Dem Hörer wird hier der Spiegel vorgehalten, man wird gezwungen zu hinterfragen, ob und wie weit man dieser Art von Show selbst erliegen könnte - und ist vielleicht selbst überrascht, welch interessante Wirkung das ungewöhnliche Ende des Hörspiels auf einen hat.

Als Moderator der Reality-Sendung ist Constantin von Westphalen zu hören und wirkt dabei sehr authentisch, der schmierige und kalte Ausdruck in seiner Stimme verstärkt nicht nur den gut erdachten Hintergrund der Show, sondern ist auch sehr eng an den Stil tatsächlicher Moderatoren angelegt. In der Rolle der Alison ist Rieke Werner zu hören, die die Kandidatin der Show mit viel Energie umsetzt und auch den langsamen Verfall der jungen Frau gekonnt umsetzt. Auch Steffen Groth hinterlässt als Bart einen sehr guten Eindruck, seine dunkle Stimme und die Wut darin wirken ebenso präsent wie glaubwürdig. Weitere Sprecher sind Sandra Schwittau, Konrad Bösherz und Gabrielle Pietermann.

Die akustische Gestaltung ist stark durch die hektischen Klänge der Sendung geprägt, die mit viel Wucht, lauten Sirenen und schnellen Trommeln erschreckend lebendig geraten sind. Doch auch die Geräuschkulisse ist prägnant - einerseits natürlich durch den Klang der Elektroschocks, aber auch durch einen passenden Hintergrund für die verschiedenen Zuschauer, sodass man diese Szenen gut voneinander unterscheiden kann.

Die computergenerierte Optik des Covers entspricht zwar nicht meinem persönlichen Geschmack und wirkt etwas billig, die weiße Box, aus der eine Blutlache sickert und von vier Silhouetten umgeben ist, passt aber sehr gut zu der Handlung und bekommt durch die verwendeten Rottöne einen aggressiven Ausdruck. Auch hier ist der verästelte Schriftzug der Serie wieder gut eingebunden.

Fazit: Sozialkritik und eine gelungene Betrachtung der Nutzung von modernen Medien werden in einem ebenso ungewöhnlichen wie interessanten Hörspiel zusammengefasst. Das Medium wird hier auf ganz andere Weise genutzt, der Unterhaltungswert ist aber sehr hoch - ebenso wie dem Hörer unweigerlich ein Spiegel vorgehalten wird. Nichts zum Einschlafen!

VÖ: 6. März 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967620962

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