Sherlock Holmes Chronicles – Oster-Special 2. Immer Ostern für Sherlock Holmes



Es ist ein ungewöhnlich hoch dotierter Auftrag, den Sherlock Holmes für den jüdischen Schriftsteller Israel Zangwill übernehmen, ein alter Freund von Dr. Watson. In Kiew soll er in einem Gerichtsprozess aussagen und so den letzten Beweis für die Irrtümer der Justiz erbringen. Wirklich interessiert an dem Fall ist er nicht, reist aber doch wegen des reichhaltigen kulturellen Angebots dennoch dorthin - unterschätzend, wie brisant sein Einsatz werden würde...

Der weitaus größte Teil der "Sherlock Holmes Chronicles" des Labels WinterZeit sind lupenreine Krimis oder halten zumindest ein verzwicktes Rätsel für den Meisterdetektiv bereit. Doch gerade in dem zweiten Oster-Special der Reihe, das eher zufällig denn geplant entstanden ist, wird von diesem Schema abgelassen. Vielmehr ist Holmes in Russland unterwegs und erkundet die Gesellschaft zu Zeiten der Industrialisierung, findet dabei zahlreiche Missstände und Ungerechtigkeiten, die Unterdrückung von Minderheiten, kaum vorhandene Menschenrechte. Sicherlich gibt es dabei auch etwas zu tun, ein Gerichtsprozess soll zum Guten gewendet werden, die Entwicklung der Handlung ist dennoch sehr langsam geraten. Da Holmes allein in Kiew unterwegs ist und Watson im heimischen London geblieben ist, übernimmt die Hauptfigur auch zahlreiche Erzähltexte. Dass Till Hagen auch diese lebendig und hervorragend umsetzt, steht außer Frage, dennoch sind diese reichlich lang geraten und lassen die Handlung recht statisch wirken. Zwar gibt es auch hier einige spannende Szenen, dies aber eher im letzten Drittel der Handlung. Die Auflösung des Ganzen ist dann sehr pointiert erzählt und gefällt mir gut, auch wenn diese doch sehr spezielle Episode nicht vollkommen bei mir eingeschlagen hat. Gut gefällt mir jedoch der ungewöhnliche Bezug zum christlichen Osterfest, vor allem wie dies von einem deutlich gealterten Dr. Watson aufgegriffen wird. Und auch der Bezug zu zahlreichen realen Figuren und einem historischen Bezug steigert durchaus den Reiz der Handlung.

Auch wenn Tom Jacobs als Dr. Watson bisher in jeder Episode überzeugen konnte, bietet er hier eine neue Facette seines Könnens an und klingt in der Rahmenhandlung gealterter, kraftloser, melancholischer, kann aber in den Dialogen schnell auf die übliche, äußerst charmante Sprechweise zurückgreifen. Das markante Auftreten von Klaus Lochthove als Israel Zangwill passt ebenfalls sehr gut, sein leicht aufgeblasener Ausdruck und die forsche Art passen sehr gut in die Handlung. Einen glaubhaften Akzent bietet Klaus-Peter Grap als Leonid Andrejew an, doch auch sein facettenreicher Ausdruck und sein Spaß am Spielen wirken sehr ansprechend. Weitere Sprecher sind Oliver Baumann, Helmut Gauss und Torben Liebrecht.

Wie fast immer in dieser Serie ist die akustische Umsetzung eher dezent geraten, die Dialoge und die langen Erzähltexte sind aber fast durchgängig mit leisen Melodien oder einer passenden Geräuschkulisse versehen. So entsteht eine eingängige, aber eben nicht aufdringliche Atmosphäre, die den Spannungsbogen der Geschichte gekonnt unterstreicht.

Der Blick über Kiew wird auf dem Titelbild der Folge sehr ansehnlich umgesetzt, von der untergehenden Sonne sanft beschienen und mit vielen Details versehen, gefällt mir das sehr gut - vor allem in Kombination mit dem im Schatten liegenden Konterfei des bekannten Detektivs. Natürlich gibt es auch für diese Sonderfolge ein paar einleitende Worte von Markus Winter zu den Besonderheiten dieser Episode.

Fazit: Das zweite Oster-Special der Reihe streift das christliche Fest eher am Rande, bringt aber einige interessante Aspekte zu dem Thema ein. Holmes Besuch in Kiew und die gefährlichen Situationen, die daraus entstehen, sind zwar durchaus stimmig, oft aber mit etwas langsamen Tempo umgesetzt. Die sehr gute Produktion und das sprachlich hohe Niveau ergänzen natürlich auch diese Episode.

VÖ: 27. März 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662907

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