Midnight Tales - 4. Spurlos



Mitten am helllichten Tag verschwindet Daniel, der Sohn von Bradley und Jennifer, urplötzlich von der elterlichen Farm. Sogar ein Stück des Zaunes ist mit ihm verschwunden. Die Suche nach dem Jungen ist zunächst vergeblich, sodass sich die besorgten Eltern immer fieberhafter auf die Suche machen. Doch immer mehr Menschen sind bald nicht mehr aufzufinden...

"Spurlos" ist bereits der vierte Titel, der von der neuen Reihe "Midnight Tales" zum Start erschienen ist. Die Serie einem Genre zuzuordnen fällt indes schwer, da die Folgen höchst unterschiedliche Ansätze haben, wobei auch innerhalb einer Geschichte die Grenzen verwischen. Hier ließe sich als Oberthema noch am ehesten "Mystery" ausmachen, den von der alltäglichen Szene auf der Farm mit dem aufgeweckten Daniel und seinen liebevollen Eltern und seinem Verschwinden ausgehend, bekommen die Hörer ein paar spärliche Hinweise zu den Hintergründen präsentiert. Die fieberhafte Suche nach Daniel steht im Vordergrund, was vor der Kulisse des ländlichen Utah in den 50er Jahren stimmig geraten ist und viel Atmosphäre ausstrahlt. Die Szenerie wird bedrohlicher, geheimnisvoller, doch dann folgt ein sehr harter Break für die Handlung und eine zweite Erzählebene wird eingeführt und läutet das Finale ein. Hier wird wirklich alles auf den Kopf gestellt und für meinen Geschmack allzu lapidar erklärt. Ein paar Sätze, nur ein Bruchteil der Laufzeit, die zudem auch nicht auf sonderlich viele Feinheiten eingehen. Das hat zumindest bei mir nicht den wahrscheinlich erwünschten Aha-Effekt ergeben, sondern ist für mich zu platt geraten. Die Idee dahinter ist eigentlich eine gute, die Szenerie hätte man aber umfassender aufbauen können.

Matthias Keller spricht die Rolle des Bradley Ellerbee flüssig und authentisch, seine Stimme klingt markant und präsentiert die Gefühlslage des Ranchbesitzers sehr treffend, wobei die Sorge um seinen Sohn natürlich im Mittelpunkt steht. Auch Christina Puciata macht ihre Sache als seine Frau Jenniger ebenfalls sehr gut und passt sich den verschiedenen Situationen gekonnt an. Dass Justus Jonas Ellerkamp mal in einem Hörspiel mitsprechen würde, hatten seine Eltern wahrscheinlich gehofft. Hier ist er als Daniel zu hören und setzt den Jungen energiegeladen und fröhlich um, wobei er für sein junges Alter eine glaubhafte Leistung abliefert und nur bei wenigen Textpassagen etwas hölzern wirkt. Weitere Sprecher sind Roman Wolko, Dirk Hardegen und Bert Stevens.

Die akustische Umsetzung konzentriert sich vor allem auf eine stetige Geräuschkulisse im Hintergrund, den Dialogen wird nur selten die Gelegenheit gegeben, für sich allein zu wirken. Das wirkt auf die Dauer etwas anstrengend und ist stellenweise auch zu laut gedreht, beispielsweise im örtlichen Cafe. Das sorgt aber natürlich auch für einen recht lebendigen Eindruck, es ist nur etwas zu viel des Guten. Die Musik für die Szenentrennung ist düster und melancholisch, was die Atmosphäre der Handlung unterstreicht.

Bei dieser Episode gefällt mir das Titelbild nicht allzu gut, die sehr künstlich wirkende Optik passt nicht so gut wie bei anderen Folgen der Reihe. Die Farm von Bradley und Jennifer im Hintergrund, dazu die thematisierten Zäune und Daniels Schuh im Zentrum - die Auswahl des Motivs ist stimmig geraten. Und auch die scheinbar zerbrechende Glasscheibe, die auf dem Himmel angedeutet wird, ist gut umgesetzt und gibt einen kleinen Hinweis auf die Auflösung.

Fazit: Die Auflösung dieser Episode dominiert die Geschichte und drückt ihr auch rückblickend stark ihren Stempel auf. Und da die Idee dahinter zwar gut ist, aber für meinen Geschmack allzu simpel aufgebaut ist, konnte mich die Handlung trotz einiger stimmungsvoller Momente zuvor nicht so recht überzeugen. Schade, da hätte man mehr draus machen können.

VÖ: 6. März 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967620955

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