Sherlock Holmes Chronicles – 73. Die Kombinationsmaschine



Als ein erfahrener Lokomotivführer an einem einsam gelegenen Bahnübergang eine junge Frau in einem Auto beobachtet, ist er alarmiert. Denn flankiert von zwei grimmig aussehenden Männern formt sie mit den Lippen das Wort „Hilfe“. Er sieht nur einen Weg und wendet sich zurück in London direkt an Sherlock Holmes, der noch nicht ahnt, wohin in die Recherchen mit diesen spärlichen Hinweisen führen würde...

Gleich doppelte Laufzeit bietet die 73. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“, die mal wieder aus der Feder von K.P. Walter stammt und – wie Markus Winter im Booklet verrät – eigentlich als einfache Episode gedacht war. Dass nun satte 127 Minuten gefüllt wurden, liegt vor allem an der Komplexität des Falles. Von der recht einfachen Ausgangssituation entwickelt sich ein komplexer und vielschichtiger Fall, der immer wieder in andere Richtungen führt, als man denkt. Es gibt immer wieder neue Elemente und Wendungen, unerwartete Hinweise und eine Vielzahl von Bausteinen, die sich jedoch nahtlos ineinander fügen. So ist das der Aufklärung des eigentlichen Falles über die Entführung der jungen Frau noch ein weiterer Teil vorhanden, der schwierige Ermittlung in einem weiteren Mordfall thematisiert und auch einige moralische Fragen stellt – und immer noch war es das nicht. Diese Folge ist wirklich prall gefüllt und kann genau deswegen so sehr überzeugen. Doch auch die starken Charaktere, die dabei ihren Einfluss auf die Handlung haben, sind sehr gelungen dargestellt und bringen verschiedenste Noten mit ein, was die Atmosphäre zudem sehr dicht wirken lässt. Die geheimnisvolle „Kombinationsmaschine“, die dem Fall seinen Namen gegeben hat, taucht übrigens nicht wirklich auf, ist aber ein reizvolles Gedankenspiel, dem sich die Folge immer mal wieder hingibt und eine gelungene Facette des Zusammenspiels der Charaktere gibt. Dass dabei Watson in größte Gefahr gerät, die damalige Zeit mit ihren gesellschaftlichen Ansichten lebendig dargestellt ist, wieder eine Vielzahl höchst englischer Namen samt der entsprechend hochgestochenen Betonung vorkommen oder der Humor der Figuren immer wieder hervorblitzt: „Die Kombinationsmaschine“ ist ein sehr starker Fall der Serie und ist sehr unkonventionell erzählt. Äußerst hörenswert und erfrischend!

Die Sprecherliste ist lang, die engagierten Schauspieler nicht nur gut gewählt, sondern auch mit der entsprechenden Leidenschaft dabei – allen voran Marius Clarén, der den Richter Vandemeere wunderbar arrogant, bösartig und eigensinnig vertont. Sein sehr markantes und betontes Auftreten schafft eine sehr präsente Figur, die an den richtigen Stellen in den Mittelpunkt rückt. Frank Otto Schenk sorgt als Murless ebenfalls für einige starke Momente und verstärkt die Stimmung der Handlung mit seiner nuancierten Sprechweise, wobei er die Emotionen der interessanten Figur gekonnt umsetzt. Auch Antje von der Ahe ist als Bettina Morrison sehr überzeugend und liefert eine stimmungsvolle und präsente Art, die mir sehr gefallen hat. Weitere Sprecher sind Manja Doering, Oliver Siebeck und Christin Marquitan.

Wie man es von dem Label nicht anders gewohnt ist, ist die Produktion des Falles sehr gut gelungen und überzeugt besonders mit seiner musikalischen Untermalung, die sich dynamisch an die verschiedenen Szenerien anpasst. So kommen die unterschiedlichen Stimmungen sehr gut zur Geltung, zeichnen große und kleine Spannungsbögen nach, verstummen aber auch einmal, um den Charakteren den Vortritt zu lassen. Ergänzt wird dies mit einer glaubhaften und lebendigen Geräuschkulisse, die die Szenen ausdrucksstark umsetzt und besonders gegen Ende noch einmal an Energie hinzugewinnt.

Dass Markus Winter mit dem Titel der Folge hadert und welche Probleme er mit der Umsetzung der Geschichte als Doppel-CD hat, ist (unter anderem) in dem lesenswerten Einleitungstext des Booklets nachzulesen, ebenso wie wieder eine Übersicht der bereits erschienenen Folgen zu sehen ist. Mit dem Titelbild selbst hat der Produzent hoffentlich nicht allzu große Schwierigkeiten – der mysteriöse und von elektrischen Blitzen umzuckte Maschine mag zwar nicht optimal zur eigentlichen Handlung passen, ist aber sehr markant und ungewöhnlich gewählt.

Fazit: Nur einige wenige Hinweise, aber ein sehr komplexer Fall – die 73. Episode der Reihe ist äußerst gelungen. Und das liegt nicht nur an dem kleinen erzählerischen Kniff am Anfang, der die Spannung direkt hochtreibt und über den sich Watson sehr charmant lustig macht. Denn der Fall ist äußerst komplex und vielschichtig geraten, spielt mit mehreren ineinander verschachtelten Fällen und bieten sehr viele Reizpunkte und spannende Szenen, sodass ein rundum gelungenes Hörspiel entstanden ist. Von den über zwei Stunden Laufzeit ist jedenfalls keine einzige verschwendete Zeit.

VÖ: 6. März 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662334

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