Sherlock Holmes Chronicles - 72. Betrifft: Vampire



Sherlock Holmes erfährt durch einen Brief von Robert Ferguson, der seine Gattin dabei ertappt hat, ihrem neugeborenen Baby das Blut ausgesaugt zu haben. Sherlock Holmes glaubt natürlich nicht an Vampirismus und untersucht den Fall... (Der Vampir von Sussex)
Jeremy Smith sucht die Hilfe vom Sherlock Holmes, da ein Vampir in seinem Heimatort sein Unwesen treiben soll. Doch nicht nur er allein, sondern auch andere Dorfbewohner wollen den Wiedergänger bei seinen Taten beobachemtet haben... (Der Vampir von Lymington)

Der ungewöhnliche Folgentitel "Betrifft: Vampire" für die 72. Episode der "Sherlock Holmes Chronicles" ist eine kleine Variation eines Zitates aus "Der Vampir von Sussex" aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle - ein Teil dieser Folge, die aus zwei Geschichten besteht. Die andere lautet "Der Vampir von Lymington" und ist neueren Datums, T. Bern hat diese für eine Anthologie mit neuen Fällen für die bekannte Figur geschrieben. Klassiker und Neuinterpretation sind hier also vereint auf einer CD, und beide Episoden sind wieder gut gelungen.
"Der Vampir von Sussex" zeichnet sich durch einen recht klassischen Aufbau aus, nach dem Bericht seines Klienten reist er vor Ort, hat den Fall aber eigentlich bereits gelöst und wartet auf den richtigen Zeitpunkt für seine Erläuterungen. Die Geschichte lässt sich Zeit, die Gespräche sind recht ruhig aufgebaut, sodass man sich langsam ein Bild von den Lebensumständen der Figuren sind natürlich von der unglaublich erscheinenden Tat selbst machen kann. Die Auflösung des Ganzen wird zwar zuvor durch Holmes Reaktionen bereits angedeutet, bietet aber dennoch gekonnt kleine Überraschungen. Die Umsetzung sehr nahe am Original ist gelungen, zumal die Stimmung der Folge sehr gut zur Geltung kommt.
"Der Vampir von Lymington" verzichtet auf Dr. Watson als Erzähler, sondern lässt einen externen Erzähler durch die Handlung führen. Interessant, wie sehr dieser kleine Kniff die Stimmung der Geschichte beeinflusst. Diese setzt dann auch noch deutlicher auf einen Gruseleffekt, ist brutaler und blutiger in der Erzählweise. Es spielt aber auch mehr ein Hauch des Übernatürlichen über diese Episode, mehr noch als im Original von Doyle. Die Spannung, die sich dadurch aufbaut, ist gekonnt umgesetzt und bringt noch einmal ganz andere Facetten mit ein. Eine überraschende Episode, die vielleicht etwas sperrig wirkt, aber dennoch hörenswert ist und ein ungewöhnliches Finale präsentiert.

In der ersten Episode wird Robert Ferguson von Olaf Reichmann gesprochen, der eine sehr gradlinige und solide Sprechweise darbietet, sich aber angenehm zurücknimmt und den markanteren Figuren der Episode die Bühne überlässt. Beispielsweise Elke Appelt als seine Gattin, die die aufwallenden Gefühle wie Wut und Angst, aber auch Resignation sehr lebendig spricht und so eine vielschichtige Figur schafft. Sie wirkt in ihren Szenen sehr präsent und prägt dabei die Wirkung der Episode. In der zweiten Geschichte überzeugt Leonard Mahlich in der Rolle des Jeremy Smith, indem er sehr lebendig spricht und viel Energie mit einbringt, er spricht ausdrucksstark und markant. Weitere Sprecher sind Frank Felicetti, Margot Rothweiler und Christian Zeiger.

Auch die akustische Gestaltung der Episode überzeugt und bringt auch etwas Abwechslung in die Serie, beispielsweise wenn zu Beginn ein Spinnett erklingt. Doch auch die ruhige Musikuntermalung der Dialoge oder Erzähltexte sowie die stimmige Geräuschkulisse sind sehr passend umgesetzt und unterstützen das Thema der beiden Episoden mit einem leichten Gruselfaktor.

Das Titelbild der Episode ist von Marc Freier wieder sehr ansehnlich umgesetzt worden. Die Frau mit dem halb erschrockenen, halb verführerischen Gesichtsausdruck und mit der roten Farbgebung passt zudem wunderbar zu der ersten Episode dieser Folge. Im Inneren gibt es natürlich wieder einen lesenswerten Einleitungstext von Markus Winter sowie erfreulicherweise nun auch einen Folgenindex mit allen bisher erschienenen Titeln der Reihe.

Fazit: Zwei Episoden, die sich zunächst auf gleiche Weise dem Thema Vampirismus wirken, die aber dennoch ganz andere Ansätze finden und auf unterschiedliche Weise enden. Und so hat man einen klassischen Fall von Doyle ebenso wie eine neue Geschichte, die etwas sperrig wirkt, aber auch gekonnt neue Akzente setzt. Schön, wie das Krimigenre hier immer wieder neu abgesteckt wird.

VÖ: 7. Februar 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662327

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