Jules Verne: Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg - 22. Die Gasse der flüsternden Schatten



Bei einem Einbruch in ein Lagerhaus treffen die Täter auf ein junges Mädchen, doch dann läuft ihr Plan aus dem Ruder. Einer der Männer wird brutal getötet, als sein Rückgrat zerschmettert wird. Als Phileas Fogg von dem Vorgang erfährt, wittert er eine neue Intrige seiner Feinde und arbeitet mit dem hiesigen Inspector Matisse zusammen. Doch bei dem Besitzer des Lagerhauses stoßen sie auf ersten Widerstand...

Die Serie um Phileas Fogg, der ursprünglich aus Jule Vernes Roman "In 80 Tagen um die Welt" stammt, hat in den bisherigen Episoden eine große Bandbreite an verschiedenen Stimmungen präsentiert - und in der 22. Episode kommt eine weitere hinzu. Während in der vorigen Folge mit dem Start einer neuen Staffel die Parameter um den ägyptischen Totengott Anubis abgesteckt wurden, kommen hier nicht nur gänzlich neue Charaktere hinzu, sondern auch eine sehr besondere Stimmung. Sicherlich gibt es in der oben angedeuteten Introszene die typische packende und abenteuerliche Szenerie, danach wird es aber erst einmal deutlich ruhiger. Besonders die Szenen, in denen Auda undercover einige Beobachtungen anstellt und in einem finsteren Haus umherstreift, sind sehr markant geraten. Diese Abwechslung gefällt mir, ebenso wie die Folge sich stark auf die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander konzentriert, statt eine abenteuerliche Reise zu beschreiben. Die Episode nimmt gegen Ende noch einmal an Fahrt auf und präsentiert ein packendes Finale mit einigen spannenden Reizpunkten. Hier wird der Verlauf der Serie noch einmal vorangetrieben und mit vielen neuen Details gespickt, sodass eine hörenswerte Episode entstanden ist. Der Ausflug in eine altertümliche Mythologie tut der Serie dann auch hörbar gut, die so von den vielen neuzeitlichen Figuren abweicht und so neue Facetten bieten. Das packende Finale hätte zwar etwas schneller kommen können, ist aber sehr pointiert erzählt und bringt das abenteuerliche Flair der Serie zurück. Die anfangs eher ruhige Ausstrahlung mag zwar nicht jedem gefallen, ich mag die Abwechslung innerhalb der Serie aber gerne.

Luc Matisse wird in dieser Episode von Rainer Fritzsche gesprochen, der eine gradlinige und energische Sprechweise präsentiert und dem Inspector so eine markante Aura verleiht. Dabei wechselt er gekonnt zwischen seiner zugänglichen Art und einem härteren Gang gegenüber den Verdächtigen, was sehr glaubhaft klingt. Als Elodie Delpierre ist Florentine Draeger zu hören, die die geistig labile junge Frau sehr überzeugend und expressiv spricht, was ihren Szenen einen fesselnden Ausdruck verleiht. Einige gelungene Überraschungen der Handlung werden von ihr gekonnt präsentiert. Auch der wunderbare Lutz Mackensy macht als Henri Delpierre einen überzeugenden Eindruck, sein abweisendes Verhalten mit der gleichzeitig verbindlichen Art ist ein interessanter Kontrast, den er gekonnt umsetzt. Weitere Sprecher sind Michael Pan, Julian Deuster und Boris Tessmann.

Die akustische Umsetzung der Episode ist wie immer recht wuchtig und abwechslungsreich geraten, sodass die verschiedenen Szenen lebendig umgesetzt sind. Die besonders spannenden Szenen sind mit ausdrucksstarker Musik oder lauten Geräuschen untermalt, was gut gelungen ist. Aber vor allem die titelgebende "Gasse der flüsternden Schatten" ist mit den geheimnisvollen Geräuschen sehr treffend untermalt und bringt eine unheimliche Note mit ein.

Das Cover zu dieser Episode spielt mit Licht und Schatten, sodass die titelgebende Gasse in düstere Farben getaucht ist und viele Details nur andeutet - beispielsweise die Tentakel, die sich von dem Mondlicht abheben. Der ausladende Schriftzug in goldenen Farben passt gut dazu. Das Booklet ist erneut recht knapp geraten und enthält neben den üblichen Angaben der Mitwirkenden keine weiteren Informationen.

Fazit: Die Stimmungen, die diese Episode bietet, sind abwechslungsreich und vielseitig geraten, wobei sie eher unheimlich und rätselhaft als abenteuerlich geraten sind. Mir gefällt diese Abwechslung, die dadurch entsteht, zumal auch die Rahmenhandlung der Serie vorangetrieben wird. Schön, dass die markanten Charaktere dabei im Mittelpunkt stehen und gleichwohl eine eigenständige Szenerie geschaffen wurde.

VÖ:7. Februar 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662624

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