Die schwarze Serie - 13. Der Friedhofswärter



Jean Fournier nimmt eine Stelle als Friedhofswärter an, wobei strenge Bestimmungen für ihn gelten. Denn da eine verstorbene Fürstin der Stadtverwaltung viel Geld für die Bewachung ihres Grabes gezahlt hat, darf Fournier das Gelände für ein Jahr nicht verlassen. Nur in Gesellschaft der beiden Leibwächter der Adeligen bekommt er es jedoch bald mit der Angst zu tun...

„Die schwarze Serie“, in der klassische Gruselgeschichten als Hörspiel adaptiert werden, ist zwar schon einige Jahre alt, mit „Der Friedhofswärter“ ist nun aber erst die 13. Episode erschienen. Jean Ray lieferte die Vorlage, die recht klassisch aufgebaut ist und mit Jean Fourniers Ankunft auf dem alten Friedhof beginnt, seiner neuen Wirkungsstätte. Ein paar unheilvolle Andeutungen, ein leichtes Zögern seines Auftraggebers, die merkwürdigen Umstände seiner neuen Aufgabe, später das merkwürdige Verhalten seiner Kollegen Ossip und Welitscho - das ist sehr atmosphärisch geraten und flüssig und eindringlich erzählt. Zugegeben ist es für den halbwegs geübten Hörer nicht allzu überraschend, was hinter den seltsamen Vorgängen steckt, was sich dann auch bald immer mehr bestätigt. Hier liegt glücklicherweise auch nicht der Knackpunkt der Geschichte, nach einem dramatischen und aufregend umgesetzten Höhepunkt schwenkt die Handlung auf eine ganz andere Szenerie um. Jean Fournier wird dann noch einmal in einen ganz anderen Kontext gesetzt, die Grundlagen der Handlung ändern die Vorzeichen, was überraschend und ohne festgeschriebenen Weg erzählt wird. Mir gefällt sehr gut, dass hier noch einmal eine ganz andere Art von Spannung erzeugt wird, was durch die sehr gelungene Erzählweise ohne zusätzlichen Erzähler, aber einigen Anmerkungen der Hauptfigur zu den Ereignissen gekonnt unterstützt wird. Das Finale ist dann spannend und packend umgesetzt, was die starke Folge gekonnt abrundet.

Jean Fournier wird von dem wunderbaren Sascha Rotermund gesprochen, der der Handlung mit seiner betonten Sprechweise viel Ausdruck verleiht und den Spannungsbogen der Geschichte sehr gekonnt nachzeichnet. Besonders in den eher leisen Momenten wirkt er dabei sehr eindringlich und schildert die Eindrücke der Hauptfigur lebendig. Till Hagen übernimmt die Rolle des Welitscho und trägt mit seinem dunklen Klang und der immer leicht bedrohlichen Sprechweise ebenfalls zum Gelingen des Hörspiels bei, die Figur bekommt durch ihn ein sehr markantes Auftreten verliehen. Als Ossip ist Tbias Lelle zu hören, seine leicht kratzige Stimme und die glaubhafte Betonung passen sehr gut in die Handlung. Weitere Sprecher sind Lutz Riedel, Mia Diekow und Ulrike Möckel.

Die akustische Umsetzung der Episode ist gut gelungen und betont die unheimliche Atmosphäre, schöpft dabei insbesondere mit der Musik ais dem vollen. Hier wird manchmal etwas zu dick aufgetragen, die Stimmung künstlich aufgeladen, wo die Handlung einen kleinen Ruhepunkt hat. Die Geräusche sind sehr treffend eingebaut und sorgen für passende Kulissennfür die Dialoge.

Hervorragend ist das Cover der Episode geraten, das mit seinen hellen Brauntönen einen alten Friedhof mit vielen hoch aufragenden Grabmälern zeigt. Die dadurch entstehende Stimmung passt sehr gut zu dem unheimlichen Ausdruck der Episode. Das Innere des kleinen Booklets ist schlicht aufgebaut und hält für den Hörer neben den üblichen Angaben keine weiteren Informationen parat.

Fazit: Von Anfang an wird eine sehr unheimliche, beklemmende Stimmung aufgebaut und mit einigen unheimlichen Momenten versehen, bis die Geschichte nach einem klassischen Höhepunkt noch einmal umschwenkt und die Handlung auf eine andere Art zu Ende führt. Das ist durchgängig atmosphärisch und packend umgesetzt, was einen sehr gelungenen Eindruck hinterlässt.

VÖ: 8. November 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662792

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