Das schwarze Auge - 10. Das Geisterschiff



Den gerade erst gehobenen Goldschatz haben die Helden um Thorwaler Hothar schnell wieder an ein geisterhaftes Schiff verloren. Doch ihnen ist klar, dass dieser benötigt wird, den mächtigen Namenlosen zu erwecken. Den Kult um ihn wollen sie unbedingt aufhalten, sodass sie sich auf den Weg zu einem berüchtigten Seefahrer machen...

Das erste kleine Jubiläum mit der zehnten Folge ist unlängst von der abenteuerlichen Fantasy-Serie "Das schwarze Auge" nach dem gleichnamigen Rollenspiel erschienen. Gefeiert wird das nicht, schließlich steckt die Serie mitten in der Handlung um den piratenähnlichen Thorwaler Hothar und den zweiten Handlungsstrang um den Kampf gegen den unheimlichen Namenlosen, der die ganze Welt von Aventurien bedroht. Hier ist man etwa in der Mitte des Handlungsstranges angekommen, was der Episode auch deutlich anzumerken ist: Nach dem aufregenden Start, um das Interesse des Hörers zu wecken, und einem spannenden Schluss mit dem finalen Kampf müssen natürlich noch zahlreiche weitere Hintergrundinformationen geliefert werden, was hier in einigen recht langen Szenen mit vielen Dialogen und vergleichsweise wenig Action und Abenteuer umgesetzt wurde. Die gelungene Zusammenstellung der Charaktere funktioniert dabei ebenso gut wie sonst, auch die gesetzten Spannungsmomente funktionieren tadellos. Doch die Handlung entwickelt sich für meinen Geschmack zu langsam, es werden auch in den Gesprächen zu wenige neue Informationen geboten, um wirklich fesseln zu können. Sicherlich sind dabei einige interessante Details eingebaut, im Vergleich zu den Vorgängern wird aber deutlich weniger geboten, weniger Spannung, weniger Abwechslung, weniger Entwicklungen. Gegen Ende zieht die Handlung noch einmal merklich an, im Gefüge der Serie nimmt "Das Geisterschiff" natürlich auch einen wichtigen Platz ein - ein wenig mehr Tempo hätte der Episode dennoch gutgetan.

Den Hauptteil der Handlung bestreiten natürlich wieder die bekannten Hauptsprecher, die ihre Rollen ausdrucksstark darbieten. So ist Marcus Off als Auelf Filoen wieder auf den Punkt gebracht, bringt die Veränderungen des Charakters gut zur Geltung und hinterlässt dabei einen lebendigen Eindruck. Marie Bierstedt ist als Ragna Sigridsdottir wieder bestechend, da sie mal eine raubeinige und wilde Seite von sich zeigen kann - wobei auch der Humor der Figur nicht zu kurz kommt. Mit Wilmund ist ein weiterer überzeugender Charakter in die Handlung eingebunden, der von Santiogo Ziesmer mit eher leiser Stimme und detailreich gesprochen wird, was für einige markante Momente sorgt. Weitere Sprecher sind Axel Ludwig als Erzähler, Erich Räuker und Rene Dawn-Claude.

Akustisch macht die Episode einen gelungenen Eindruck, sodass die abenteuerliche Wirkung der Handlung gekonnt unterstrichen wird. Dafür sorgt einerseits die recht wuchtige Musik, die oft von Blechbläsern umgesetzt ist und sowohl die Szenenübergänge als auch besonders betonenswerte Momente gelungen gestaltet. Andererseits sind die vielen Geräusche zu einer lebendigen Kulisse arrangiert, was gekonnt aufeinander abgestimmt wurde.

Das titelgebende "Geisterschiff" ist auf dem Cover effektvoll in Szene gesetzt worden. Der Ozean ist düster, unruhig und wird von geisterhaften Lichtern erstrahlt, die auch das Segelschiff mit dem Totenkopf grünlich beleuchtet. Das ist sehr unheimlich geraten und passt natürlich bestens zur Episode. Das Innere des kleinen Booklets enthält wieder einige Informationen zum "Schwarzen Auge", besonders interessant sind aber die Infos zur Entstehung der Cover in Form eines Interviews, einem Kurzportrait von Flavio Bolla und einem ersten Coverentwurf.

Fazit: In "Das Geisterschiff" wird die Handlung um den verfluchten Goldschatz und den Kampf gegen den Namenlosen mit mehr Informationen gefüttert, was die Szenerie gelungen vertieft. Die Handlung entwickelt sich hingegen recht langsam weiter, die Dialoge sind nicht ganz so schnell gesetzt wie zuvor. Einige gelungene Actionszenen und eine unheimliche Stimmung sind jedoch gut eingebaut, sodass insgesamt eine hörenswerte Episode entstanden ist, aus der man jedoch mehr hätte herausholen können.

VÖ: 14. Februar 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662716

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