Sinclair Dead Zone – 3. Zorn



John Sinclairs Tod hat eine große Lücke bei seinen Ermittlungen hinterlassen. Sadako Shao, die bislang in Drogen- und Gangkriminalität ermittelt und sich dabei bei ihren Vorgesetzten nicht sonderlich beliebt gemacht hat, wird deswegen strafversetzt und als neue Partnerin von Suko bestimmt. Nicht nur, weil die beiden sich erst aneinander gewöhnen müssen, ermittelt Sadako schon bald im Alleingang...

„Sinclair Dead Zone“ ist weder Fortsetzung noch Prequel der bekannten Serie um den Geisterjäger, der seit Jahrzehnten vor allem als Heftroman und Hörspiel große Erfolge feiert. Vielmehr ist es eine Alternativversion, in der die bekannten Charaktere völlig neu angeordnet wurden und teilweise nur ihren Namen gemeinsam haben. Die dritte Episode „Zorn“ widmet sich einem weiteren dieser Charaktere und zeichnet von Shao ein sehr düsteres Bild, inmitten von Gangkriminalität aufgewachsen und in ihrer Arbeit oft enttäuschend und eigensinnig. Ein Großteil der Handlung wird aus ihrer Sicht erzählt, sodass der Charakter wehr nahe an den Zuhörer rückt. Interessant aufbereitet und mit vielen Facetten versehen, ist sie ein gelungener Mittelpunkt der Handlung, die anfangs allerdings recht schwer ist Fahrt kommt. Es werden noch einmal andere Ansatzpunkte gewählt, die recht ausführlich ausgebreitet werden. Zwar läuft auch hier alles auf die seltsamen Vorgänge um das Verschwinden von Sinclair hinaus, die neuen Aspekte und das Kennenlernen von Suko und Sadako wirken aber etwas in die Länge gezogen. Das ändert sich auf der zweiten CD dieses Hörspiels, wenn deutlich mehr übernatürliche Elemente eingebunden werden und die zu einem sehr düsteren und packenden Finale samt heftigen Beschreibungen und Cliffhanger führen. Mehr Tempo hätte die Folge vertragen, ansonsten ist ein stimmiges und unterhaltsames Hörspiel entstanden.

Die Rolle der Sadako Shao wird von Stephanie Keller sehr gekonnt und präsent umgesetzt, sie zeichnet ein sehr feines Bild ihres Charakters, passt Tempo und Stimmfarbe gekonnt an die jeweilige Situation an und überzeugt auch in den Erzähltexten eine passende Stimmung, die sie gern mit einer Portion Ironie würzt. Johannes Steck wird von Vincent Costigan gesprochen, der mit seiner markanten Stimme positiv auffällt und seine Rolle lebendig gestaltet und dabei gekonnt an die Stimmung seiner Szenen anpasst. Auch Lotta Doll gefällt mir als Glenda Perkins sehr gut, sie spricht geerdet und bodenständig, bringt aber auch den recht aufgedrehten Charakter gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Dirk Petrick, Bianca Krahl und Maria Koschny.

Der Sound des Hörspiels gefällt mir auch in dieser Episode sehr gut, der düstere Klang passt sehr gut zu der Handlung und setzt gekonnte Akzente. Dabei wirkt die akustische Gestaltung deutlich moderner als die eigentliche Serie, deutlich dreckiger und nahbarer. Da die Lautstärke von Musik und Geräuschen sehr dynamisch eingesetzt ist, wird der Spannungsbogen der Handlung gut nachgezeichnet.

Bis auf die Episodennummer und den Folgentitel ist das Cover absolut identisch mit den Vorgängerfolgen: John Sinclair mit dem Rücken zum Betrachter, halb seitlich eingedreht, auf seinem Rücken die düstere Silhouette Londons - der ungewöhnliche Zeichenstil und die düstere Ausstrahlung passen wunderbar zu dem Hörspiel, durch die fehlende Individualität wirkt die Covergestaltung aber auch etwas beliebig.

Fazit: Der dritte Teil der neuen Sinclair-Reihe nutzt die längere Laufzeit leider nicht optimal aus, sondern ist gerade zu Beginn recht langsam erzählt. Der neue Kontext für die bekannten Figuren wird hier gekonnt fortgeführt und an vielen Stellen unterhaltsam weitererzählt. Es fehlt aber doch noch eine Prise mehr Pfeffer, um mich wirklich überzeugen zu können, so wirkt die Handlung zu sehr in die Länge gezogen.

VÖ: 31. Juli 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785755730

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