Gruselkabinett - 157. Das Auge des Panthers



Nachdem Jenner Branding bereits mehrfach nach einem Heiratsantrag von seiner Geliebten Irene Marlowe zurückgewiesen wurde, will er nun endlich die Hintergründe ihrer Ablehnung erfahren. Und so erzählt die junge Frau mit den faszinierenden blauen Augen von einem Ehepaar in einem Blockhaus nahe des Mississippi, deren Glück mit einem Baby gekrönt wurde. Doch ihre Pionierstätigkeit bringt sie nahe an den Rand der Wildnis...

Mit "Das Auge des Panthers" hat Titania Medien eine weitere Geschichte aus dem englischen Sprachrraum aufgetan, die hierzulande bisher kaum bekannt ist und den meisten Hörern somit einige Überraschungen bieten dürfte - insbesondere weil die Geschichte noch einmal andere Akzente innerhalb der Serie setzt. Der Aufbau erscheint zunächst allerdings klassisch, wie so häufig ist eine Rahmenhandlung zu hören, dieses mal um den Anwalt Jenner und seine Geliebte Irene, die allerdings einen sehr engen Bezug zu den Figuren an sich hat, sodass der zweite Teil der Rahmenhandlung sehr individuell und ungewöhnlich geraten ist. Hier gilt es, die vorher geschilderten Schrecken aufzuarbeiten und die Konstellationen zu durchschauen, eine schreckliche Vermutung zu bestätigen und ein tragisches Ende für die Figuren zu verarbeiten. Der Mittelteil um das Pionierehepaar ist geprägt von der Angst der Ehefrau vor der Einsamkeit der Nacht und ein schreckliches Ereignis, das sehr prägend für die Episode umgesetzt wurde. Mir gefällt, dass wie immer der leise Grusel im Vordergrund steht und die schrecklichen Ereignisse eher angedeutet werden, das aber sehr intensiv. Die Sprache der Episode ist meist poetisch, beispielsweise wenn über die besondere Stimmung bei Dämmerung gesprochen wird, zu jeder Zeit aber sehr geschliffen und in die Zeit des Hörspiels passend. Trotz der intensiven Atmosphäre schafft es die Handlung aber nicht, durchgängig zu fesseln. Das liegt einerseits an dem sehr langen Erzähleranteil in der Geschichte am Mississippi, die allerdings geschickt durch das Gemurmel und die angsterstickten Laute der Ehefrau sowie das Geschrei ihres neugeborenen Kindes aufgelockert wird. Doch auch der Spannungsbogen sorgt durch eingeschobene Erläuterung für einen Abfall der Stimmung. Die Idee der Geschichte und die sehr intensive Umsetzung lassen diese Episode aber dennoch hörenswert werden.

Als Irene Marlowe ist Jessica Kessler zu hören, die in der Rahmenhandlung die Faszination, die von der jungen Frau ausgeht, mit ihrer Stimme gekonnt einfangen kann und dabei einige sehr gelungene Facetten einbringt, gerade im zweiten Teil spricht sie sehr intensiv. Gertie Marlowe wird von Sigrid Burkholder gesprochen, die ihre Angst vor der Wildnis und dem Alleinsein hervorragend auch auf den Hörer überträgt und mit viel Energie umzusetzen versteht. Auch ihr späterer Irrsinn wird durch sie sehr lebendig erfasst. Erzähler der Geschichte ist der wunderbare Thomas Balou Martin, der mit ruhiger Stimme die Atmosphäre noch weiter anzuheizen versteht und präsente Akzente zu setzen versteht. Weitere Sprecher sind Patrick Stanke, Uli Krohm und Marc Gruppe.

Die akustische Umsetzung ist wie immer geprägt von der Liebe zum Detail von Titania Medien und setzt sanfte Klaviermelodien ebenso ein wie das ferne Rufen wilder Tiere oder spannungsgeladene Melodien, die besonders dramatische Momente unterstreichen. Das ist alles fein aufeinander abgestimmt und zeichnet die Dynamik der Episode gekonnt nach.

Das Cover wurde wieder sehr detailverliebt von Ertugrul Edirne geschaffen und lässt den Betrachter direkt in das Antlitz eines zähnefletschenden Panthers blicken. Die bläulich-schwarze Farbgebung lässt dennoch die so wichtigen blauen Augen des Tieres in den Fokus rücken. Das Innere ist wie immer schlicht, aber übersichtlich gestaltet und enthält natürlich wieder eine komplette Folgenübersicht der Serie.

Fazit: Das Gruselkabinett zeigt hier wieder andere Facetten des Genres und baut eine sehr dichte, bedrohliche Stimmung auf, in der eine Erzählung aus der Vergangenheit ein schreckliches Geheimnis offenbart. Die Episode konzentriert sich eher auf einzelne, prägende Momente denn auf eine durchgehende Handlung und wirkt dadurch etwas stockend, überzeugt aber mit der wie immer hervorragenden Umsetzung.

VÖ: 28. Februar 2020
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785781579

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