John Sinclair - 134. Die lebende Legende



Mit knapper Not und der Hilfe eines unbekannten Retters konnte John Sinclair einem Ghoul-Angriff entkommen. Nun will er mehr von Yakup Yalcinkaya erfahren, und dieser erzählt ihm von seinem Leben in Japan, von den Göttern und Dämonen, von dem Schicksal seiner Mutter Mara Yalcinkaya - und von seinem Erzfeind Shimada...

Dem Hörer von „John Sinclair“ wurde bereits eine Vielzahl an Gegnern aus ganz unterschiedlichen Thematiken präsentiert, auch die japanische Mythologie wurde durch Shimada und Ameterasu bereits in die Serie integriert. In der 134. Episode konzentriert sich die Handlung noch mehr auf diese Götter- und Dämonenwelt, was lebendig und insgesamt recht authentisch geschehen ist. Ein großer Teil wird durch den Bericht von Yakup Yalcinkaya ausgefüllt, der die Geschichte von Mara Yalcinkaya berichtet und dabei eine Spanne von mehreren Jahrzehnten abdeckt. Ein Dialog mit John und Suko bildet eine Rahmenhandlung dazu, seine Erzähltexte und viele Dialoge sind aber das Herzstück und entführen den Hörer in diese fremde Welt. Nicht immer ist das einfach zugänglich, da mit vielen fremdartigen Namen und Sitten gespielt wird, nicht alle davon werden auch erklärt - beispielsweise die Endungen, die Namen in der direkten Ansprache angehängt werden, um die Beziehung zwischen den Personen auszudrücken. Auch bei den zahlreichen neuen Figuren der Episode ist Aufmerksamkeit gefordert, um alles erfassen zu können, die Handlung ist aber unterhaltsam erzählt und mit vielen markanten Szenen versehen. Dabei kann die Folge beides: Sowohl unheimliche, leise bedrohliche Szenen als auch Action und sehr raue Gewalt, was sehr abwechslungsreich wirkt. Eine unterhaltsame Episode, die mich jedoch nicht durchgängig überzeugen konnte.

Yakup Yalcinkaya wird von Jesse Grimm gesprochen, der nicht nur in den Dialogen mit John und Suko sowie in seiner eigenen Lebensgeschichte, sondern auch als Erzähler zu hören ist. Dabei ist er sehr überzeugend, wirkt natürlich und authentisch, setzt aber auch starke Akzente und bringt so die Dramatik der Folge sehr gut zur Geltung. Suzan Demircan ist als Mara zu hören, deren helle Stimme eine sehr interessante Figur schafft. Der Kontrast zu der oft düsteren und bedrohlichen Handlung ist dabei besonders gelungen, in den druckvolleren Szenen ist sie besonders stark. Auch Peter Weis hat mir als Shikamaru Yoshinori sehr gut gefallen, seine Sprechweise ist sehr gut an die Szenerie angepasst und überzeugt mit treffend gesetzten Facetten in der Stimme. Weitere Sprecher sind Gen Seto, Christian Gaul und Piet Rose.

Akustisch ist die Episode abwechslungsreich umgesetzt, durch passende Musik kommt viel japanisches Flair auf, aber auch die bekannten wuchtigen Klänge sind vorhanden. Auch in der Hintergrundgestaltung gibt es immer wieder Bezug zu Japan, was mit vielen treffenden Geräuschen und Effekten auch die typische Ausstrahlung der Serie erzeugt. Das ist alles gut zusammengesetzt und überzeugt mit der guten Abstimmung der Klänge auf die Handlung.

Oft sind die Titelbilder der Reihe von grausigen Dämonen oder angsterfüllten Menschen geziert, sodass das Cover zu dieser Episode im Vergleich dezent wirkt. Durch den Hintergrund der nächtlichen Stadt, die in hell lodernden Flammen steht, kommt zwar auch viel düstere Stimmung auf, der Mann mit dem finsteren Gesicht hat aber auf den ersten Blick nichts Übernatürliches an sich. Ein stimmiges Titelbild, das gut zu der Folge passt.

Fazit: Der Bericht von Yakup Yalcinkaya bietet viele interessante Aspekte, einen tieferen Einblick in eine neue Mythologie und viel Abwechslung, wirkt ab und an aber auch etwas steif. Die Rahmenhandlung mit dem Gespräch mit John und Suko macht ab und an einen aufgesetzten Eindruck, doch durch das hohe Tempo wird davon vieles wieder wett gemacht. „Die lebende Legende“ ist ein gelungener Start in den Zweiteiler mit einer sehr dichten Atmosphäre.

VÖ: 29. November 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785759349

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