Sinclair Dead Zone – 2. Strafe



Die heftige Explosion zur Weihnachtszeit in London hat zahlreiche Opfer gefordert und ist ein gefundenes Fressen für die Presse. Auch Bill Conolly, der zuletzt als Reporter nicht gerade überzeugt hat, nimmt sich des Themas an, muss aber auf einen Vlog als Medium umsteigen. Währenddessen bringt die Obduktion einiger Opfer erstaunliches zutage...

Mit „Sinclair Dead Zone“ wurde ein weiterer Ableger des bekannten Geisterjägers gestartet, der jedoch an einem ganz anderen Punkt ansetzt und die Figuren in einen ganz anderen Kontext setzt. Die zweite Episode „Strafe“ setzt direkt an die Handlung der ersten Folge an, ohne Vorkenntnisse dieser wird man hier viele wichtige Details nicht verstehen könnte. Das Tempo ist dadurch aber auch gleich zu Beginn recht hoch, der Druck auf die Charaktere ebenso. Die Folgen der heftigen Explosion ist in seinen Nachwirkungen zentrales Thema und spielt in fast jeder Szene auf die eine oder andere Weise eine Rolle. Dabei werden noch mehr unterschiedliche Figuren betrachtet, neue ebenso wie aus der ersten Episode bekannte. Die Komplexität wird so noch einmal deutlich gesteigert, die schnellen Wechsel zwischen den Szenerien fordern vom Hörer dann auch dementsprechend mehr Aufmerksamkeit, um alle Elemente richtig einordnen zu können - von der lockeren Atmosphäre der eigentlichen Serie ist nichts mehr vorhanden. Düster und bedrückend kommt die Atmosphäre auch mit überraschend wenigen übernatürlichen Elementen aus, der härtere und modernere Ansatz wird noch schärfer umrissen. Die Handlung entwickelt sich durch die vielen Szenenwechsel eher langsam, einige Szenen wirken zunächst auch eher belanglos und bekommen erst später Bedeutung verliehen, doch gerade dadurch besteht auch ein Teil des Reizes. Vieles muss erarbeitet und vom Hörer zusammengesetzt werden, die geheimnisvolle Komponente weiß zu überzeugen.

Superintendent James Powell wird von Peter Kaempfe gesprochen, dessen Stimme hier mal leise und fast zaghaft wirkt, mal aber auch ganz andere Facetten von sich zeigt. Seine Betonung ist dabei immer sehr glaubhaft und lebendig. Sven Plate ist in der Rolle des Wladimir zu hören, der wie immer sehr professionell agiert und mit seiner auffälligen Stimme auch hier gekonnt Akzente setzt, indem er eine eher locker und spontan wirkende Figur schafft. Bill Conolly bekommt seine Stimme von Robert Kotulla, der seinen Szenen viel Substanz verleiht und mit einer sehr energiegeladenen und ernsten Art agiert, zwischendurch aber auch einen trockenen Witz durchscheinen lässt. Weitere Sprecher sind Patrick Bach, Bert Franzke und Julian Greis.

Die Härte der Geschichte wird auch durch die akustische Gestaltung unterstrichen, die sehr realistisch und kühl wirkt. Harte Schnitte zwischen den Szenen, viele Geräusche der modernen Welt, glaubhafte Stimmfilter (beispielsweise bei in der Handlung integrierten Videoaufnahmen), laute und heftige Sounds und dezente, aber düstere Musik - das macht einen frischen und unverbrauchten Eindruck und hat mir sehr gefallen.

Das Cover zu der Episode ist nahezu identisch zur ersten und den noch kommenden Folgen der Serie, zu sehen ist John Sinclair vor rein weißem Hintergrund mit der collagenhaft eingebauten Londoner Skyline zu sehen. Der andere Ansatz zur eigentlichen Serie gefällt mir gut, die fehlende Individualität sorgt aber für einen recht beliebigen Eindruck. Das Innere des kleinen Booklets ist ansprechend aufbereitet und enthält viele stimmungsvolle Fotos zu einigen Zitaten aus dem Hörspiel.

Fazit: Die komplexe Szenerie des ersten Teils wird hier noch weiter ausgebaut und mit vielen neuen Elementen ergänzt, was dem Hörer einiges an Aufmerksamkeit und Konzentration abverlangt. Doch die harte und moderne Atmosphäre ist sehr reizvoll und markant umgesetzt, die schnellen Schnitte und die düsteren Themen sorgen für reizvolle Unterhaltung. Die Wirkung ist eher wie in einem Thriller oder Krimi als wie in einem Mystery-Hörspiel, was mir sehr gefallen hat.

VÖ: 28. Juni 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785755723

Datenschutzerklärung