Sherlock Holmes - 41. Mayerling



Eine Aufführung von Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ führt Sherlock Holmes und Dr. Watson nach einem hoch dotierten Auftrag für den Meisterdetektiv nach Wien - selbst wenn Mrs. Hudson pikiert ist, da sie Watson eigentlich aus seiner trüben Stimmung aufpäppeln wollte. Doch auch in der österreichischen Hauptstadt wartet ein neuer Fall auf das Duo, da Mery Vechera, die Tochter ihrer Sitznachbarin, die Holmes bereits aus einem früheren Fall kennt, leidet unter merkwürdigen Unpässlichkeiten. Ein zufällig belauschtes Gespräch deutet jedoch auf einen anderen Hintergrund hin als ein zartes Gemüt...

Für die 41. Episode der „Sherlock Holmes“ von Titania Medien hat Marc Gruppe nach langer Zeit wieder selbst eine Geschichte für die bekannten Figuren erdacht und vertont damit erstmals nach vielen Jahren einen Fall, der weder von Sir Arthur Conan Doyle stammt noch von einem anderen zeitgenössischen Autoren, in den die beiden Hauptfiguren hineingeschrieben wurden. Tatsächlich merkt man auch deutliche Unterschiede zu den anderen Episoden, allein die deutlich längere Laufzeit von deutlich über 150 Minuten deutet auf einen ganz anderen Ansatz hin. Unnützes Füllmaterial ist dabei aber nicht vorhanden, auch wenn Marc Gruppe viel Zeit darauf verwendet, auf die Charaktere einzugehen. So ist nicht nur die anfängliche Szene in der Baker Street sehr charmant und unterhaltsam geraten, auch in späteren Momenten bekommt der Hörer Dialoge geboten, die der Ausschmückung der Szenerie dienen. Denn auch eine andere Leidenschaft von Titania Medien ist prägnant eingebaut: Der Hang zur Kultur. Die Opern Richard Wagners, das Werk von Heinrich Heine, aber beispielsweise auch das Mysterium um die weltbekannte Königin Elisabeth alias Sissi sind auf vielfältige Weise eingebaut. Die historische Einbettung hört an dieser Stelle keinesfalls auf, sondern wird mit zahlreichen Fakten und Stimmungen untermauert. Die Entwicklung der Geschichte ist recht langsam, dafür umso betonter. Auch der ungewöhnliche Aufbau der Handlung ist bemerkenswert: So machen die beiden Hauptfiguren zunächst viele Beobachtungen und belauschen aufgebrachte Gespräche, bevor klar ist, worum sich die Episode eigentlich dreht. Erst gegen Ende der ersten CD offenbart sich, welche Brisanz der Fall mit sich bringt. Hier wird mit viel Liebe zum Detail und Hingabe für das Thema erzählt, weswegen eine ähnliche Affinität zu den eingebundenen Themen vorhanden sein sollte. Auch die Vorliebe von Titania Medien zu präsenten und exzentrischen Frauenrollen konnte durch das Verfassen eines eigenen Falles wieder ausgiebig gefrönt werden. So kehrt eine alte Bekannte der Serie zurück und bringt besonders Dr. Watson in Bedrängnis, was witzig geraten ist, manchmal aber auch etwas über das Ziel hinausschießt. Der enge historische Bezug mit vielen wahren Gegebenheiten, das opulent ausgeschmückte Ambiente und der spannende Verlauf sorgen aber für eine ganz besondere und hörenswerte Episode der Serie.

Die Sprecherliste ist hervorragend besetzt und liest mit über 25 Sprechern zudem sehr üppig, wobei jede Rolle wieder sehr sorgsam besetzt wurde. Als Mery Vechera überzeugt Sigrid Burkholder mit ihrer hellen und ausdrucksstarken Stimme, sodass besonders die aufgeregte Verzweiflung der jungen Adeligen ebenso wie ihre eigene Unsicherheit bestens zur Geltung kommt. Gräfin Larisch-Wallersee wird von Kristine Walther ebenfalls äußerst engagiert und ausdrucksstark umgesetzt. Hart, eigensinnig, aber auch geheimnisvoll wird eine sehr greifbare Stimmung um diesen vielschichtigen Charakter geschaffen. Auch Jonas Minthe ist als Kronprinz Rudolf hervorragend, mit viel Raffinesse und dem Sinn für das richtige Timing sorgt er für einen markanten Ausdruck der Figur. Doch auch alle anderen Sprecher wären ebenso erwähnens- und lohnenswert, beispielsweise Anja Kruse, Peter Weis und Philine Peters-Arnolds.

Die akustische Umsetzung der Geschichte hat das Team von Titania Medien dieses Mal etwas opulenter als sonst gestaltet. Die Musik wirkt vielseitiger und präsenter, auch das anfängliche Opernthema wird sanft aufgegriffen. Doch auch die Geräusche wirken prägnanter und vielseitiger, sodass nicht nur die winterliche Grundstimmung, sondern auch das Wien zur Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts bestens zur Geltung kommt.

Ertugrul Edirne hat erneut ein äußerst ansehnliches und passendes Titelbild geschaffen, welches die Atmosphäre des Falles bestens aufgreift. Nicht nur die beiden ernsten Gesichter zweier wichtigen Figuren aus der Handlung, sondern auch das winterlich verschneite Schloss sind dabei im herrlich nostalgischen und romantischen Stil gehalten. Neben einer ausführlichen Auflistung der zahlreichen Sprecher gibt es im Inneren des Booklets zahlreiche Informationen zu realen Persönlichkeiten, wobei hier klar zwischen Realität und Fiktion getrennt wurde.

Fazit: Eine Episode, die es in sich hat: Ein enger historischer Bezug, ein opulent ausgestattetes Ambiente, ein atmosphärisch erzählter Fall mit einigen Winkelzügen und charismatischen Charakteren. Die Laufzeit von mehr als zweieinhalb Stunden fühlt sich nie langwierig an, da die langsame Erzählweise mit vielen hörenswerten Details ausgeschmückt wurde. Ein Fall wie er nur von Titania Medien kommen kann.

VÖ: 31. Januar 2020
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785781418

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