Titania Special – 15. Die Schöne und das Biest



Als ein reisender Kaufmann in einem alten Schloss Schutz vor einem Schneesturm sucht und einen reich gedeckten Tisch und ein prasselndes Feuer vorfindet, ahnt er nicht, dass der Schlossherr ein schreckliches Biest ist. Erst als er aus dem Rosengarten eine Blume abbricht, um sie seiner jüngsten Tochter zu schenken, offenbart sich das grimmige Monster - und stellt eine unglaubliche Forderung...

Nur eine Folge erscheint im Jahr von der Hörspielreihe „Titania Special“, die Vorlagen dazu werden von Marc Gruppe und Stephan Bosenius dementsprechend genau ausgewählt. Und auch wenn die Veröffentlichung von „Die Schöne und das Biest“ durch eine leichte Verzögerung in den Januar gerutscht ist, passt das Märchen sehr gut in die winterliche Zeit, die dann auch die erste Begegnung zwischen dem Kaufmann und dem Biest prägt. Zunächst wird aber die Familie der Schönen, die hier Belle genannt wird, vorgestellt, wobei die hochnäsige und aufgedrehte Art ihrer Schwestern vielleicht etwas zu stark in den Mittelpunkt gerückt wurde. Die Entwicklung der Handlung ist recht langsam geraten und konzentriert sich auf zahlreiche Details und Nebensächlichkeiten, was die Geschichte ausschmückt. Dabei sollte man schon einen Hang zur Romantik und zur alten Machart von Hörspielen haben, beides wird hier von dem Label zelebriert und in den Vordergrund gestellt. Da sich Autor Marc Gruppe eng an den Roman von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve gehalten hat, fallen unweigerlich zahlreiche Unterschiede zu anderen bekannten Versionen auf, besonders die allabendliche Frage des Biests ist dabei ein gelungenes Element. Wie sehr sich die Charaktere im Laufe der Zeit wandeln, neue Seiten an sich zeigen und entdecken, ist sehr genau umgesetzt. Interessant ist, dass erst ganz am Ende die Verwandlung des Prinzen in das Biest zu hören ist und noch einmal einen anderen Dreh beinhaltet, hat mir gut gefallen.

In der Rolle des Biestes ist Jean Paul Baeck zu hören, der die grollende und abweisende Art der Figur mit rauer Stimme und markanter Betonung Präsenz verleiht, aber später auch die zugängliche und liebevolle Seite zeigen kann. Belle wird von Reinhilt Schneider gesprochen, die erneut äußerst professionell agiert und ihre Szenen lebendig gestaltet, allerdings nicht vollkommen zu der Figur zu passen scheint, vielleicht auch, weil man sie zu häufig in ähnlichen Rollen gehört hat. Erzähler Max Schautzer gestaltet seine Texte betont und verleiht ihnen eine typische Märchenonkel-Aura, sodass die zauberhafte Szenerie noch einmal unterstrichen wird. Weitere Sprecher sind Gerhard Fehn, Dagmar von Kurmin und Claudia Urbschat-Mingues.

Weite Teile der Handlung wurden mit klassischer Musik untermalt, die sich so sehr eng um die Dialoge legt. Mal heiter und beschwingt, mal ruhig und nachdenklich, oft mit einem romantischen Anstrich. Ergänzt wird das durch klassisch wirkende Geräusche und Effekte, was die Szenerien ergänzt. Manche Stellen wirken durch die vielen Melodien etwas zu überzeichnet, auch ein wenig mehr Düsternis hätte ich mir gewünscht, um auch den negativen Aspekten der Handlung Raum zu geben.

Das Cover zu der Folge wurde natürlich wieder von Ertugrul Edirne gestaltet, der sich auf Belle und das Biest in hübschen Ballkleidern in einer vertrauten, romantischen Posen konzentriert und den Hintergrund nur andeutet. So wirkt das Bild nicht ganz so detailreich wie andere Cover und entfaltet so nicht den gleichen Reiz, passt aber gut zu der Episode und der märchenhaften Stimmung.

Fazit: Auch wenn man das Märchen und besonders die bekannte Zeichentrick-Verfilmung kennt, kann man viele neue Seiten an dem Märchen entdecken (auch, weil erstaunlich wenig gesungen wird...). Die Umsetzung ist mit der reichlich verwendeten klassischen Musik vielleicht etwas zu opulent umgesetzt. Die Geschichte ist dennoch gut umgesetzt, auch wenn sie nicht den gleichen Reiz ausüben kann wie andere Teile der Reihe.

VÖ: 31. Januar 2020
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785780176

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