Phantastische Geschichten - 4. Die Farbe aus dem All



In dem abgelegenen Ort Arkham stürzt ein kleiner Meteorit ab, was von Anwohnern, Wissenschaftlern und der Presse zunächst nur wenig beachtet wird. Doch das Material aus dem All nimmt an Gewicht ab, hat einige erstaunliche Eigenschaften und sorgt auch bei den Menschen der Umgebung für einige Wandlungen. Die junge Wissenschaftlerin Eve wird einige Jahre später in die Gegend geschickt, um einige Nachforschungen anzustellen...

Oliver Döring präsentiert in der nach ihm benannte Gruselserie „Phantastische Geschichten“ sowohl selbst geschriebene Geschichten als auch Klassiker der Gruselliteratur. Nach dem Freiwerden der Lizenzen für die Geschichten von H.P. Lovecraft ist nun auch „Die Farbe aus dem All„ in die Reihe aufgenommen worden, und wieder hat Döring seine ganz eigene Handschrift hinterlassen und die bekannte Geschichte um eine zweite Ebene ergänze. So verbindet er die Ereignisse aus der Vergangenheit, die recht nahe am Original durch einen Zeitzeugen erzählt werden, durch Ereignisse aus Gegenwart. Darin wirken die neuen Elemente, interessante und facettenreiche neue Charaktere sorgen für Spannung und einige Überraschungsmomente, schließlich kennen auch passionierte Lovecraft-Fans diese Rahmenhandlung noch nicht. Mir gefällt, wie sich die beiden Ebenen gekonnt abwechseln und mit vielen prägnanten Momenten umgesetzt sind, wobei besonders die Originalgeschichte mit ihrer sehr düsteren und unheimlichen Ästhetik für die richtige Stimmung sorgt. Mysteriöse Vorgänge, unerklärliche Ereignisse, ein sich immer weiter ausbreitender Schrecken - das ist packend umgesetzt und bekommt durch die neue Ebene zusätzlichen Reiz mit vielen Überraschungen und einem anderen Ende, das den Hörer sprachlos zurücklässt. Das ist sehr gelungen, wird aber durch eine weitete Kurzgeschichte des Autors als Bonus ergänzt.

Marieke Offinger ist in „Die Farbe aus dem All“ als Eve zu hören, spricht kraftvoll und facettenreich, ist in aufregenden ebenso wie in persönlichen und emotionalen Momenten authentisch, nimmt sich an den richtigen Stellen aber auch zurück und lässt der Handlung oder anderen Charakteren den Vortritt. Die Rolle des Ammi wird von Douglas Welbat gesprochen, dessen sonore Stimme für einige sehr eindringliche Momente sorgt. Gerade durch seine ruhige Art kommen seine Passagen sehr präsent zur Geltung und unterstreichen die unheimlichen Aspekte der Episode, seine Erzählpassagen sind besonders gelungen. Daniel Welbat übernimmt ebenfalls diese Rolle in der jüngeren Version, spricht eingängig und lebendig, arbeitet die düstere Atmosphäre der Handlung heraus und überzeugt mit seinem großen Engagement. In „Der schreckliche alte Mann“ sind Martin Max, Gerrit Schmidt-Foß und Till Hagen zu hören.

Bei der akustischen Gestaltung der Geschichte gibt es zwar die typischen lauten und überraschenden Elemente, die typisch für die Produktionen von Oliver Döring sind. Doch der Grundtenor ist ein anderer, deutlich ruhiger und dezenter, aber eben auch sehr düster und dräuend, wie es auch in der Vorlage vermittelt wird. Geräusche und Musik greifen dabei eng ineinander und sorgen für einen sehr dichten Klangteppich.

Das Cover der Folge ist mit seiner dunkelvioletten Farbgebung ausdrucksstark geraten, zumal man erst auf den zweiten Blick die gut eingebauten Details entdeckt. Lobenswert ist, dass für die Bonusgeschichte ein Wendecover mit individuellem Bild und sogar einem eigenen Backcover geschaffen wurde, wobei die Mitwirkenden beider Geschichten übersichtlich aufgelistet sind.

Fazit: Oliver Döring verbindet hier die bekannte Geschichte von Lovecraft mit einer weiteren Erzählebene, was nicht nur für jede Menge Dynamik sorgt, sondern auch Kennern der ursprünglichen Geschichte einige Überraschungen bietet und dem Hörspiel einen modernen Anstrich verleiht. Die starken Charaktere und die wie immer sehr überzeugende Umsetzung sorgen für ein sehr hörenswertes Hörspiel, welches mich mitgerissen hat.

VÖ: 13. Dezember 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207580

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