Anomalia – 2. Schöne neue Welt



Die Flucht nach Anomalia wird für Scott Miller und seine Freunde abrupt beendet, als ihr Gleiter abstürzt. Nur mit knapper Not entkommen sie dem reißenden Fluss und müssen dabei eine schwere Entscheidung treffen: Lassen sie den Verräter Pete zurück, um ihr eigenes Leben zu retten? Denn immer noch ist Mortimer Gibbs ihnen auf den Fersen…

Anomalia hat sich in der ersten Episode als engagiertes Liebhaberprojekt präsentiert, das vor allem mit seiner interessanten Grundsituation um Reisen in andere Zeitlinien das Interesse des Hörers wecken konnte. Nachdem diese Grundpfeiler dort bereits abgesteckt wurden, werden in der zweiten Episode mit dem Titel „Schöne neue Welt“ noch einmal andere Schwerpunkte gesetzt. Hier wird die titelgebende Wohnstätte Anomalia und die Ankunft der Jugendlichen stärker in den Fokus gerückt, sodass man mehr von dem Leben in der gut getarnten Stadt erfährt. Die vielen eingebauten Details lassen die Welt zwar vielfältig und lebendig wirken, an einigen Stellen ist das ganze aber auch recht überfrachtet – beispielsweise kann man den vielen Beschreibungen der Gebäude und deren Lage kaum erfassen, da man nicht weiß, was für die Handlung wichtig sein könnte. Nach einem actionreichen, aber in langen Monologen recht statisch erzählten Start in die Handlung entwickelt sich die Handlung an verschiedenen Orten und aus verschiedenen Perspektiven weiter. Mir gefällt gut, dass dadurch eine gewisse Dynamik entsteht, da man eben nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch ihre Gegenspieler beobachten kann. Dem Verlauf kann man dabei meist gut folgen, da das Tempo insgesamt eher gering ist. Manchmal scheinen sich die Ereignisse aber auch zu überschlagen, und dann hat die Handlung einen Hang dazu, unübersichtlich zu werden. Die vielen guten Ideen wirken insgesamt etwas unsortiert und holprig, ebenso wie die Erzählweise mit den Kommentaren als Erzähltexten der Protagonisten etwas wuselig wirken.

Die Sprecherleistung konnte mich leider nicht durchgängig überzeugen, insgesamt geht das Niveau aber durchaus in Ordnung. Aber auch wenn eine Nebenrolle wie Melanie abgelesen und unnatürlich wirkt, kann das den Hörfluss schon stören, sodass mich Ann-Christin Blum nicht recht überzeugen konnte. Professor Elisabeth Ambrosia wird durch Nina Hecklau-Denker jedoch gut umgesetzt, da sowohl die warmherzige und vertrauenerweckende Art als auch ihre Durchsetzungskraft glaubhaft wirken und der Hörer so eine stimmige Figur präsentiert bekommen. Als Pete ist Lars Eichstaedt zu hören, der seine Rolle solide spricht, jedoch ruhig noch etwas mehr Energie in seine Stimme legen könnte, manchmal wirkt er ein wenig unbeteiligt. Weitere Sprecher sind Nico Fröscher, Rüdiger Kluck und Leo Zander.

Die akustische Gestaltung des Hörspiels ist auf einem ordentlichen Niveau und sorgt für einen passenden Hintergrund für die Szenen. So sind auch die langen Erzähltexte mit passenden Geräuschen oder Musik unterlegt, um sie dynamischer wirken zu lassen, auch die Dialoge werden durchgängig von verschiedenen Klängen begleitet. Nicht immer wirkt das abwechslungsreich und passend, sondern manchmal auch recht künstlich.

Ein ähnlicher Eindruck hinterlässt auch das Titelbild, das auf den ersten Blick sehr ansprechend wirkt und die dunkle Silhouette vor der Tür des detailreich dargestellten Zimmers gut in Szene setzt. Doch der Zeichenstil wirkt leider etwas künstlich und kühl. Das in der ersten Episode noch recht dicke Booklet ist hier zu einem einmal gefalteten Einleger geworden, der die wichtigsten Informationen zu Sprechern und Produzententeam bereithält.

Fazit: Ich bin bei „Schöne neue Welt“ noch mehr zwiegespalten als bei der ersten Episode, da die Szenerie zwar noch mehr verschiedene Facetten erhält, man neue Hintergründe erfährt, die Welt von „Anomalia“ noch einmal bunter wird und durchaus Spannung aufkommt. Die Dialoge, die Erzählweise und manche Sprecher wirken aber leider etwas holprig und lassen einen nicht völlig in die Handlung eintauchen. Trotz der gebotenen Vielfalt hätte mir eine gradlinigere Geschichte besser gefallen.

VÖ: 19. April 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 4260044592268

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