Sherlock Holmes Chronicles - 70. Der einsame Radfahrer



Violet Smith, eine junge Musiklehrerin, wird seit einigen Tagen bei ihrer täglichen Heimfahrt von einem vermummten Fahrradfahrer verfolgt. Als sie diesem eine Falle stellt und nach einer scharfen Kurve plötzlich abbremst, ist dieser spurlos verschwunden. Mit diesem Problem geht sie auf Sherlock Holmes zu, der Interesse an diesem Rätsel zeigt…

Für die 70. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ hat sich Markus Winter mal wieder einen Originalfall von Sir Arthur Conan Doyle ausgesucht. „Der einsame Radfahrer“ ist dabei mit der typischen Erzählstruktur des englischen Autors versehen, sodass zunächst ein langes Gespräch mit Holmes' neuer Klientin am knisternden Kaminfeuer zu hören ist, das bei der Überarbeitung der Geschichte zum Drehbuch - wenn möglich - durch gespielte Dialogszenen aufgelockert wurde. Doch gleich danach gibt es einen kleinen Dreh, der der Handlung noch einmal eine andere Perspektive verleiht. Die Ermittlungen werden nämlich nicht vom Meisterdetektiv selbst vorgenommen, da dieser in einen anderen Fall eingebunden ist. Vielmehr reist Watson direkt zum Ort des Geschehens, wobei seine Beobachtungen nicht den Ansprüchen von Holmes genügen - was natürlich für einige heitere Dialoge sorgt, in denen das spezielle Verhältnis der beiden Hauptcharaktere stimmig vermittelt wird. Weitere Hinweise bekommt der Hörer durch Berichte von Holmes' über eigene Ermittlungen oder Briefe von Violet Smith, sodass sich langsam ein stimmigeres Bild des Falles zusammensetzt. Die genauen Zusammenhänge ergeben sich aber erst in einer überraschend dramatischen und aufregenden Szene, in der Holmes wie immer auftrumpft und die Situation mit seinem Scharfsinn auflöst. Eine kurzweilige Geschichte, die wie immer sorgsam und nahe am Original umgesetzt wurde.

Antje von der Ahe ist in der Rolle der Violet Smith sehr gut aufgehoben und setzt die junge Frau gekonnt in Szene, insbesondere weil sie sich nicht in die Rolle des unsicheren Opfers begibt, sondern passend zu ihrem Charakter an den passenden Stellen deutlich energischer klingt. Als Woodley ist Asad Schwarz zu hören, dessen markante Stimme auch hier sehr passend eingesetzt ist, zumal sie einen eingängigen und betonten Ausdruck annimmt. Tom Jacobs ist natürlich wieder als Dr. Watson zu hören, er passt seiner Stimme gekonnt den verschiedenen Situationen an und klingt mal heiter, mal verdattert, mal ernst und zeichnet so den Spannungsbogen der Handlung nach. Weitere Sprecher sind Kaspar Eichel, Roland Hemmo und natürlich Till Hagen.

Die akustische Gestaltung der Folge überzeugt ebenfalls, die sorgsam eingebauten Geräusche setzen die Dialoge in einen sehr stimmigen Kontext, die Musik sorgt für einen stärkeren Ausdruck und betont besonders dramatische Momente. Das fügt sich alles sehr gut zusammen und wirkt wie aus einem Guss, wie man es von der Serie gewohnt sein darf.

Der titelgebende „einsame Radfahrer“ ist auch auf dem Cover abgebildet, die verschwommene Silhouette inmitten des kahlen Waldes und der schummrigen Beleuchtung ist gemeinsam mit dem hübschen Schriftzug ein gelungenes Titelbild – auch wenn man nicht unbedingt erkennen kann, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, wovon das Grußwort von Markus Winter im Inneren des Booklets unter anderem handelt.

Fazit: Von dem recht unspektakulär wirkenden Ausgangspunkt entwickelt sich eine spannende Handlung, die mit gut platzierten Feinheiten und einem dramatischen Finale überzeugt. Die lebendige und abwechslungsreiche Erzählweise und die gekonnte Grundstimmung werden durch ein eher langsames Tempo ergänzt, wobei kaum zähe Momente auftreten. Eine weitere gelungene Episode der Reihe, wobei die Rückkehr der Originalgeschichten für Abwechslung sorgt.

VÖ: 29. November 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662303

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