Gruselkabinett – 154. Tropischer Schrecken



Bei der Überfahrt auf den Glen Doom von Australien nach London hat der Maat Tom Thompson gemeinsam mit seinem unerfahrenen Kollegen Joky die Nachtwache übernommen. Während anfangs alles nach einer ruhigen Nacht aussieht, bäumt sich bald eine riesige Seeschlange über das Schiff auf und lässt die Besatzung aufschrecken…

Mit „Tropischer Schrecken“ haben Stephan Bosenius und Marc Gruppe von Titania Medien wieder mal eine ungewöhnliche Geschichte gefunden, die inmitten der tropischen See spielt und damit eine ganz andere Ästhetik bietet als die meisten anderen Episoden. Dabei kommt die Folge schnell auf den Punkt, schon wenige Momente nach dem Start der Handlung taucht eine riesige Seeschlange auf, die das Schiff angreift, auf der die Hauptfigur Tom Thompson angeheuert hat. Der erste Teil der Handlung konzentriert sich darauf, eben diese Szenerie zu beschreiben, wie die Seeschlange an Deck wütet, nach und nach die Besatzung der Glen Doom angreift und das Schiff in Mitleidenschaft zieht. Das erstreckt sich über mehrere Tage und besteht im Wesentlichen aus Gesprächen zwischen Tom und seinem Matrosen Joky, die einander ihre Eindrücke schildern oder über das weitere Vorgehen beratschlagen. Das ist zwar mit den zahlreichen Geräuschen sehr atmosphärisch gelungen, entwickelt sich aber kaum weiter, sodass nur wenig Spannung aufkommt. Sicherlich gibt es einige packende Momente, die Handlung bleibt aber eher flach. Das ändert sich auch im zweiten Teil der Geschichte wenig, als die fast zerstörte Glem Doon von einem anderen Segelschiff gefunden wird. Hier schwenkt die Folge dann auch auf Kapitän William Norton um, der von seinen Entdeckungen berichtet. Dem Hörer ist ja bereits bekannt, was passiert ist, sodass auch hier zwar mit der dichten Atmosphäre, aber weniger mit einer aufregenden Handlung gepunktet wird. Die Inszenierung ist hervorragend, kann aber die etwas starre Handlung nicht gänzlich herausreißen.

Christian Stark ist in der Hauptrolle des Tom Thompson zu hören und überzeugt wie immer mit seinem markanten Ausdruck. So lässt er den Schrecken, der sich in der unruhigen Nacht aufkommt, sehr intensiv beim Hörer ankommen und verleiht seinem Charakter eine glaubhafte Wirkung. Dirk Petrick steht ihm als Joky zur Seite, die ängstliche Art des jungen Matrosen und das Durchleben der grausamen Momente wirken dank seiner ausdrucksstarken Sprechweise sehr nahbar und präsent. Thomas Balou Martin ist als Kapitän William Norton zu hören und übernimmt im zweiten Teil der Handlung auch die Erzähltexte, gerade durch seine ruhige Art kommt es umso besser zur Geltung, wenn er voller Schrecken von seinen Erlebnissen berichtet. Weitere Sprecher sind Rainer Gerlach, Helmut Zierl und Joachim Tennstedt.

Akustisch ist wieder eine sehr atmosphärische Umsetzung gelungen, wie man es von dem Label kaum anders kennt. Auffällig ist, dass die Musik meist in den Hintergrund tritt und eher auf eine lebendige Geräuschkulisse gesetzt wird, die sich sehr gut auf die Dialoge abgestimmt präsentiert. Das unheilvolle Knurren der Seeschlange, die Schreie der Matrosen und das Brechen von Knochen sorgen immer wieder für intensive Momente, während im Hintergrund Wellenrauschen und Möwengeschrei für eine passende Grundstimmung sorgen.

Das Covermotiv ist bei dieser Folge ja beinahe schon vorgegeben, wird von Ertugrul Edirne aber wieder meisterhaft in Szene gesetzt. Die riesige Seeschlange, die unruhige See, das Schiff mit einigen aufgeregten Besatzungsmitgliedern - das ist sehr stimmig komponiert und überzeugt mit seiner intensiven Farbgebung. Wie immer ist das Innere schlicht und übersichtlich aufbereitet, wobei der Überblick über die bisherigen Episoden immer noch in das kleine Booklet passt.

Fazit: Der ungewöhnliche Schauplatz der Episode bringt noch einmal eine ganz eigenständige Ästhetik in die Handlung ein, die intensiv mit vielen passenden Geräuschen umgesetzt ist. Die Handlung selbst konnte mich aber nicht so recht begeistern, es passiert insgesamt zu wenig, die Szenerie tritt in den beiden Teilen der Geschichte meist auf der Stelle. So bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck der Episode, die allerdings auch ungewohnte Elemente einbringt.

VÖ: 29. November 2019
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785780541

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