Insel-Krimi – 9. Pekunien und Sylter Spitze



Marga Neumann und Hedwig Steenfatt betreiben gemeinsam eine kleine Pension eher aus Zeitvertreib denn aus finanziellen Hintergründen, weswegen der technische Fortschritt bei den beiden Rentnerinnen noch keinen rechten Einzug gehalten hat. Doch mit der verschlafenen Idylle auf Sylt ist es bald vorbei, als ein Mann für einige Tage einzieht, der gerade seinen Hafturlaub angetreten hat...

In der momentan sehr aktiven Krimireihe Insel-Krimi von Contendo Media sind meist Ermittler Arne Brekewoldt und Kinderärztin Nele Röwenkamp bei ihren zu lösenden Mordfällen auf diversen deutschen Inseln zu hören, aber nicht alle Folgen handeln von den beiden Figuren. Die neunte Geschichte kehrt dafür zu zwei anderen Figuren zurück, die der Hörer bereits aus einer vorigen Episode kennt: Die beiden rüstigen Rentnerinnen Marga und Hedwig, die gemeinsam eine Pension betreiben und dem Hörer seit „Eisenhut und Sylter Spitze“ bekannt sind. In „Pekunien und Sylter Spitze“ wird die Beziehung zwischen den beiden charmanten Damen noch weiter vertieft, was sehr charmant und unterhaltsam geraten ist. Auch das Eintreffen der neuen Gäste weckt das Interesse des Hörers, doch für meinen Geschmack ist deutlich zu lange unklar, was hier überhaupt für ein Verbrechen aufgeklärt werden muss. Die Handlung der Serie entwickelt sich ja auch ansonsten nur sehr langsam, was ja ein Stilmittel der Serie ist und das Lokalkolorit unterstreicht. Nur hier ist das für meinen Geschmack einfach zu lang geraten, sodass die sehr dezent eingestreuten Hinweise und Kommentare das Interesse nicht durchgängig aufrechterhalten können. Erst im letzten Drittel setzen sich die Hinweise etwas deutlicher zusammen, werden dem Hörer dann aber einfach präsentiert, während Marga und Hedwig die Auflösung komplett aufarbeiten. Die eingebaute Wendung am Ende konnte man sich wegen zu deutlicher Hinweise dann auch schon denken. Warum Marga einerseits auf ein Hörgerät angewiesen ist, die Stimmen im Nebenraum aber glasklar hören kann, erschließt sich mir auch nicht so ganz. Schade, dass die Handlung nicht allzu spannend geraten ist, die beiden wunderbaren Hauptfiguren bieten nämlich einiges Potenzial für bessere Folgen.

Katja Brügger ist in der Rolle der Marga Neumann zu hören und gestaltet diese sehr charmant und unterhaltsam, zumal sie ihrer Stimme sehr einen authentischen Klang verleiht. Ihr trockener Humor und ihre Engstirnigkeit kommen dabei besonders gut zur Geltung. Hedwig wird von Liane Rudolph nicht minder präsent und glaubwürdig gesprochen, beide ergänzen sich einander sehr gut und sorgen für eine positive Grundstimmung. Auch Sandra Schwittau steuert ihre unverkennbar raue Stimme bei, die der Episode eine besondere Note verleiht und mit viel Nachdruck umgesetzt wird. Weitere Sprecher sind Steffen Groth, Michael Pan und Rüdiger Schulski.

Die technische Umsetzung der Episode gestaltet sich treffend und lebendig, sodass man für die verschiedenen Szenen eine passende Kulisse präsentiert bekommt. Kleine Melodien als Szenentrenner, Geräusche oder Stimmgewirr im Hintergrund sorgen für einen passenden Ausdruck der Episode, wobei alles gut zusammenpasst. Nur die Stimmen sind manchmal etwas zu leise geraten, wenn Figuren um Nebenraum miteinander sprechen.

Einer der bekannten rot-weißen Leuchttürme streckt sich auf dem Cover in einer hübschen Fotografie dem Himmel entgegen, der wolkenverhangen ist. Ein hübsches, für die Serie aber auch recht beliebiges Motiv – ein Leuchtturm kommt in der Handlung nicht vor. Ergänzt durch den schlichten, roten Schriftzug und die Folgenzahl in einem stilisierten Leuchtturm ist aber ein hübsches Titelbild geraten.

Fazit: Mir gefällt sehr gut, dass zu dem wundervollen Duo aus Marga und Hedwig zurückgekehrt wird – die beiden alten Damen bringen wieder ihren ganzen Charme mit ein. Man kann aber auch ohne Vorkenntnisse problemlos einsteigen, da sich die Szenerie schnell erschließt und mit vielen Details weiter ausgeschmückt wird. Das mindert aber das Tempo und die Spannung deutlich, sodass die Folge trotz ihrer gelungenen Grundstimmung etwas zäh wirkt.

VÖ: 11. Oktober 2019
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967620009

Datenschutzerklärung