Gruselkabinett - 152. Das Ding



Die Expedition durch die Weiten Kanadas in der Nähe des Hudson Rivers wird für die Forschergruppe um Professor Thorburn schnell zu einem Alptraum, als die ortsansässigen Führer durch seltsame Fußabdrücke in Panik versetzt werden, fliehen und wild um sich schießen. Dennoch setzen sie ihre Reise durch die winterliche Landschaft fort und stoßen dabei auf erstaunliche Entdeckungen...

Dem „Gruselkabinett“ von Titania Medien haftet ja ein wenig der Ruf an, dass die Geschichten sich eher langsam entwickelt, bei einigen Episoden kommt der Schrecken der Folge erst ganz am Ende zur Geltung – was natürlich den Vorlagen der Geschichten geschuldet ist und durchaus die gewünschte Ästhetik von Titania Medien widerspiegelt. „Das Ding“ geht jedoch eine andere Richtung, setzt direkt mitten in der Szenerie an und dreht den Grusel-Pegel gleich zu Beginn ganz nach oben. Die Berichte um die überstürzte Flucht der Führer der Expeditionsgruppe setzt einen sehr gelungenen Startpunkt, und selbst wenn danach ein wenig mehr Ruhe einkehrt und die Figuren nebst ihren Beziehungen untereinander vorgestellt werden, ist die Stimmung dicht und unheilvoll – auch wegen den Vermutungen, was in der kanadischen Wildnis um sich geht. Sogar ein langes Gespräch am nächtlichen Lagerfeuer wirkt genau deswegen sehr intensiv und aufregend, die Handlung hat kurz darauf auch wieder genügend Zeit, um sich schnell und aufregend weiterzuentwickeln. Die unheimlichen Momente verstärken sich dabei immer mehr, aber auch die Beziehungen der Charaktere untereinander werden zur Triebfeder der Handlung. Hinweise auf die Hintergründe der Episode gibt es reichlich, aber erst ganz am Ende offenbart sich der ganze Schrecken dieser Szenerie mit einigen unerwarteten Einschlägen. Und obwohl die Folge sich ganz auf die fünf Mitglieder der Gruppe konzentriert, kommt reichlich Dynamik auf, Dialoge, Gespräche in der großen Gruppe, kleine Berichte aus der Vergangenheit oder auch die Sinneswahrnehmungen eines einzelnen Gruppenmitglieds sorgen für Abwechslung und sind hervorragend zusammengesetzt. Toll auch, dass in entscheidenden Szenen viel der Fantasie des Hörers überlassen wird.

Die Sprecherliste ist auf gerade einmal sechs Sprecher reduziert, wobei den einzelnen Expeditionsteilnehmern nebst Erzähler natürlich eine große Bedeutung zukommt – und allesamt tragen ihren Teil zum Gelingen bei. Vivian wird von Julia DeLuise gesprochen, die die unheimliche Stimmung der Handlung ungefiltert auf den Hörer überträgt und leise Furcht ebenso wie offene Panik sehr treffend und glaubhaft vertont. Gerhard Fehn setzt den Professor Thorburn mit markanter und präzise eingesetzter Stimme um und gefällt mir mit seiner starken Aura sehr gut. Auch Helmut Zierl spricht die Rolle des Wallace Jandrom sehr lobenswert und unterstreicht die düstere Atmosphäre der Episode mit feinen Facetten in der Stimme. Weitere Sprecher sind Cecile Kott, Valentin Stroh und Erzähler Peter Weis.

Wieder ist die Folge perfekt in Szene gesetzt, wobei insbesondere auf eine ausdrucksstarke Geräuschkulisse gesetzt wird. Das leise Knistern eines Lagerfeuers (das übrigens ganz anders klingt als ein Kaminfeuer in der Londoner Baker Street), der ferne Ruf einer Eule, aber auch der peitschende Knall einer Pistole oder andere, lautere Effekte erzielen eine intensive Wirkung, was durch kleine, atmosphärische und düstere Melodien sehr geschickt ergänzt wird.

Ertugrul Edirne hat es auf dem Cover geschafft, den Schrecken dieser Episode zu erfassen und dem Hörer zu Gesicht zu bringen, ohne zu viel von der Auflösung zu verraten. Die verwendeten Farben wirken eisig und abweisend, was die Stimmung der Episode hervorragend transportiert und für eine weitere kreative Facette der bisherigen Covergalerie sorgt.

Fazit: Die Weiten Kanadas bringen geografisch eine neue Richtung mit sich, aber auch die Erzählweise mit den gleich zu Anfang eingebrachten unheimlichen Elementen und die Bedrohung, dem sich die Expedition stellen muss, sind sehr individuell und eindringlich geraten. Mir gefällt sehr, wie auch die Charaktere ihren festen Platz im Gefüge der Handlung haben und für viel Ausdruck sorgen. Eine sehr intensive Episode, die mir äußerst gut gefallen hat.

VÖ: 1. November 2019
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785757246

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