Als die Autos rückwärts fuhren



Zu seinem elften Geburtstag entschließt sich Laßdas Pinökel, seine Memoiren aufzuzeichnen - schließlich will er keine wichtigen Details aus seiner Kindheit vergessen. Denn er ist überzeugt, dass sein ganzes Leben auf Missverständnissen beruht, da er wegen der häufigen Wiederholung der Worte „Lass das“ dies für seinen Namen hält...

Im Jahr 1977 ist beim WDR das Einzel-Hörspiel „Als die Autos rückwärts fuhren“ erschienen, ein typisches Kinderhörspiel für diese Zeit. Im Jahr 2019, 42 Jahre nach der Produktion, wurde erstmals eine CD und zusätzlich eine LP-Version vom Audio Verlag veröffentlicht, was bei vielen Kindheitserinnerungen wecken dürfte. Die Szenerie ist herrlich skurril geraten und reiht eine Vielzahl an kuriosen Gedanken aneinander. Das ist sehr bunt und abwechslungsreich geraten, enthält aber auch keinen rechten roten Faden. So kann sich an ein kleines Gespräch eine ganz andere Szenerie anschließen, nur um im Anschluss wieder das erste Gespräch zu wiederholen. Das wirkt zwar etwas wirr, da der Hörer sich immer wieder neu einstellen muss, um die chaotischen Gedankengänge zu verfolgen, man kann aber wegen der Kürze der verschiedenen Ideen auch immer wieder einsteigen, falls man kurz den Faden verloren hat. Dabei geht es von Schülerstreichen über Diskussionen mit den Eltern bis hin zu ziemlich kuriosen Ideen, die die Hauptfigur sich so einfallen lässt. Das zeichnet ein ziemlich freches Bild von dem Charakter, der schlagfertig und schlitzohrig, aber niemals respektlos wirkt. Bei der Zielgruppe der Kinder dürfte dies für einige Lacher sorgen, da Laßdas eine treffende Identifikationsfigur ist, bei Erwachsenen sorgt es zumindest für Schmunzeln. Nicht unterschätzen sollte man dabei den Nostalgiefaktor, selbst wenn man das Hörspiel nicht aus Kindertagen kennt, aber die „alte“ Machart mag. Ob Kinder von heute mit ihren anderen Hörgewohnheiten immer noch wirklich begeistert sind, ist aber wieder eine andere Frage.

Stephan Chrzescinski spricht in dem Hörspiel die Hauptrolle des Laßdas Pinökel und übernimmt dabei auch die Erzähltexte. Beides bringt er glaubhaft herüber und schafft eine schnodderige Aura um den Jungen, in manchen Szenen wirkt er allerdings etwas hölzern und „abgelesen“. Henning Venske ist als sein Vater zu hören, der einige wunderbare Klischees erfüllt, indem er das Interesse vor allem seiner Zeitung widmet, dann aber auch reichlich energisch spricht. Das passt alles gut zusammen und hinterlässt einen sehr gekonnten Eindruck. Christine Teelen ist als Laßdas' Mutter zu hören, auch die passt sich sehr gut an die Szenerie an und setzt den Skurrilitäten eine bodenständige Ausstrahlung entgegen. Weitere Sprecher sind Ursula Vogel, Rainer Schmitt und Werner Klein.

Akustisch geht es hier ebenso bunt und abwechslungsreich zu wie die Ideen eingebaut sind. Da spielt mal eine schrebbelige E-Gitarre, dann wird eine Art Werbejingle eingespielt, dann taucht plötzlich ein ungewöhnliches Kirchenlied mit Reggae-Anleihen auf. Die vielfältige Geräuschkulisse steht dem in nichts nach und ist sehr prägnant eingesetzt. Die Abmischung ist sehr deutlich mal auf dem einen, mal auf dem anderen Lautsprecher, was bei Kopfhörern in einigen Szenen recht anstrengend wirkt.

Etwas Besonderes bietet das Digipack der CD, die mal nicht farbig und mit einem schützenden Lack versehen ist. Bilder und Texte sind in schwarzer Farbe direkt auf den braunen, unbehandelten Karton gedruckt, was den nostalgischen Effekt unterstreicht und mir sehr gut gefällt. Die Zeit wird zeigen, ob das genauso haltbar ist wie eine der üblichen Digipacks. Neben dem witzigen Cover und der übersichtlichen Auflistung der Mitwirkenden ist hinter der CD auch eine kleine Trackliste zu finden.

Fazit: „Als die Autos rückwärts fuhren“ ist ein herrlich nostalgisches Hörspiel mit vielen ungewöhnlichen Einfällen und einer lebendigen Ausstrahlung, die Erzählweise ist aber recht verschachtelt und wirr, sodass der Übergang zwischen den einzelnen Episoden etwas sperrig wirkt. Aber auch wenn die Erzählweise nicht mehr heutigen Ansprüchen entspricht, macht die Produktion durchaus Spaß, wird aber wohl eher nicht zum Dauerbrenner bei mir werden.

VÖ: 20. September 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742411976

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