Gruselkabinett – 151. Die Topharbraut



Dr. Gunther Lutzke ist dringend auf der Suche nach einer neuen Unterkunft im Berlin der 1910er Jahre. Nach einem langen, erfolglosen Tag findet er bei der Zimmerwirtin Frau Paulsen genau die richtigen Räumlichkeiten für sich und seine Arbeit als Schriftsteller - wenn da nicht der Umstand wäre, dass es sich um Durchgangsräume handelt und der geheimnisvolle Fritz Beckers ein fester Teil seines Lebens wird...

Hanns Heinz Ewers hat mit seinen Geschichten bereits zweimal Einzug in das Gruselkabinett von Titania Medien gehalten. Mit "Die Topharbraut" wurde in der 151. Episode der langlebigen Reihe nun eine weitere seiner Ideen umgesetzt, wobei wieder eine besondere Folge entstanden ist. Die Szenerie baut sich recht langsam auf, da zu Beginn das Kennenlernen von der Hauptfigur Dr. Lutzke, seiner Vermieterin und seinem neuen Mitbewohner Fritz Beckers im Vordergrund steht. Das ist jedoch mit einer ganz besonderen Stimmung versehen und mit - wie immer - sehr eleganten und geschliffenen Dialogen erzählt, dass der Unterhaltungswert schon hier sehr hoch ist. Der Aufbau der Geschichte macht von Anfang an klar, dass es um Fritz Beckers ein düsteres Geheimnis gibt, doch in welche Richtung sich dies entwickelt, ist kaum vorauszuahnen. Dazu sind die Hinweise zu rar gesät, wobei man die vielen kleinen Andeutungen, insbesondere zu dem winzigen Nebenraum, kaum übereinander gelegt bekommt. Im Laufe des Hörspiels mehren sich in einigen prägnanten und eindringlichen Szenen die Hinweise auf ein übernatürliches Geschehen, bis der Hörer aber wirklich an die Hintergründe herandringt, dauert es noch bis zum furios umgesetzten Finale. Toll, wie sich hier alles geschickt zusammenfügt und zu einem packenden Szenario aufbaut. Durch die sehr individuelle Erzählweise mit dem so geheimnisvollen Hintergrund ist eine sehr hörenswerte und gelungene Episode entstanden, die mich vollkommen überzeugt hat.

Als Dr. Lutzke überzeugt Matthias Lühn mit einer sehr ausdrucksstarken Stimme, der in jeder Szene sehr glaubhaft wirkt und die ansteigende Dramatik der Handlung gekonnt in Szene setzt. Fritz Beckers wird von Michael Pan gesprochen, dessen markante und unverkennbare Stimme für viel Aufmerksamkeit für die Figur sorgt und sehr präzise und vielseitig spricht, wobei er viele hintergründige Feinheiten einbringt und gerade in den späteren Szenen für viel Eindringlichkeit sorgt. Die wundervolle Claudia Urbschat-Minues spricht die Rolle der Aenny mit einer sehr präsenten Aura und viel Ausdruck in der Stimme, was die verschiedenen Szenerien für die Figur sehr treffend umsetzt. Weitere Sprecher sind Beate Gerlach, Eckart Dux und Horst Naumann.

Durch den ruhigen Einstieg in die Handlung entsteht anfangs die Möglichkeit, die Stimmung Berlins aufzugreifen und beschwingte Musik im Hintergrund zu präsentieren. Später wird die gekonnte Mixtur aus atmosphärischer Musik und treffend eingebauten Geräuschen geboten, die auch diese Geschichte wieder gekonnt untermalt und in vielen Facetten erstrahlen lässt.

Bei der Covergestaltung hat sich Illustrator Ertugrul Edirne wieder selbst übertroffen und ein faszinierendes Bild geschaffen, welches im Stil eines Filmplakates verschiedene Motive des Hörspiels aufgreift. Sehr gut gefällt mir, dass die ägyptischen Anleihen des Hörspiels hier bereits aufgegriffen werden und eine besondere Stimmung verbreitet.

Fazit: Mit „Die Topharbraut“ ist eine sehr ungewöhnliche, aber gerade deswegen so überzeugende Episode entstanden, die mit ihrem langsamen, rätselhaften Aufbau zu faszinieren versteht. Die präsente Stimmung Berlins und die ganz am Ende eingebauten Elemente der ägyptischen Kultur sind in der sich langsam entwickenden Handlung sehr gekonnt untergebracht. Eine hörenswerrte Episode mit einer besonderen Stimmung.

VÖ: 4. Oktober 2019
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785759998

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