Task Force Hamm II



Ruhm erntet man nicht gerade bei der Polizei in Hamm, zu verschlafen ist die Stadt, um wirkliche Verbrecher anzuziehen und für brutale Morde ist Hamm auch nicht gerade bekannt. Latotzke will aber wenigstens eine Gehaltserhöhung und übernimmt deswegen den Fall um einen ermordeten Mann, bei dem nur ein Laptop der Hinweisfindung dient. Er erhofft sich eine gute Bewertung von Vorderbäumen, der wiederum undercover in ein Altenheim einzieht...

Der sonntägliche Tatort in der ARD hat längst Kultstatus erlangt und fesselt Millionen von Zuschauern vor dem Fernseher. Als eigens produziertes Hörspiel mit eigenen Fällen hat die Krimireihe diese Popularität noch längst nicht erreicht, was die Veröffentlichung von weiteren sechs Episoden von „Task Force Hamm“ vermutlich nicht ändern wird – ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal. Und auch wer die erste Staffel nicht kennt, wird schnell in die Szenerie hineinfinden – die Figuren sind in jeder der sechs Folgen sehr prägnant dargestellt, sodass man sofort mit ihnen warm wird. Der Tonfall ist eher heiter, die Figuren foppen sich mit Vorliebe gegenseitig, es gibt Streitereien und Hassliebe zwischen den Ermittlern, was immer treffend in Szene gesetzt wurde. Es gibt dabei in jeder Folge verschiedene Schwerpunkte, sodass jeder der Charaktere mal im Mittelpunkt steht. Das wirkt lebendig und sorgt für zahlreiche Lacher, auch wenn die Figuren ab und an etwas überzogen wirken – allein der Dialekt ist beispielsweise etwas „drübba“. Neben diesen atmosphärischen Elementen gibt es natürlich auch Kriminalfälle zu lösen, und diese punkten mit einigen sehr guten Einfällen. Seien es die vielen eingebauten Chatnachrichten in „Dead Link“, der herrlich ironische Einsatz von Vorderbäumen samt nicht ganz logischer Schlussfolgerungen oder die vielen Reminiszenzen an klassische Krimis in „Cascabel“ - jede Folge ist sehr individuell gestaltet. Auch wenn die Fälle nicht sonderlich komplex sind, die Erzählweise sehr gradlinig ist und auf solche „Kinkerlitzken“ wie falsche Fährten kaum Wert gelegt wird, haben sie immer einen kleinen eingebauten Dreh, eine treffende Wendung, die „Task Force Hamm“ sehr eigenständig macht. Ein wenig Hang zu schrägen, humorbetonten Krimis sollte man schon haben, dann sind die sechs hier vorhandenen Episoden mit einer Laufzeit von immerhin über fünf Stunden aber ziemlich unterhaltsam.

Niemand anderes als Uwe Ochsenknecht übernimmt die Rolle des Kommissar Scholz, womit das Hörspiel der prominenten Besetzung der Fernseh-Tatorte in nichts nachsteht. Mit lockerer Sprechweise und humorigem Unterton schafft er einen sehr gelungenen Charakter, der sowohl im Fokus als auch im Hintergrund bestens funktioniert. Hans-Peter Hallwachs ist in der Rolle des Vorderbäumen sehr gut aufgehoben und hat hörbaren Spaß an dem Dienststellenleiter mit dem Hang zum einfachsten Weg, was sich schnell auch auf den Hörer überträgt. Sönke Möring bringt die Figur des Latozke ebenfalls auf den Punkt und unterstreicht die unterhaltsame Ausstrahlung der Handlung mit vielen witzigen Momenten. Weitere Sprecher Matthias Leja, Jasmin Schwiers und Serdar Somuncu.

Auch akustisch heben sich die Radio-Tatorte deutlich von den kommerziellen Hörspiel-Produktionen ab und gehen gerade in den Details oft andere Wege. Die Chatnachrichten in der ersten Episode sind mit zahlreichen elektronischen Geräuschen unterlegt, die Musik wirkt unangepasst und individuell, die Szenen wirken mal kühl und werden nur wenig untermalt, dann kommen wieder viele Geräusche zusammen – aber gut auf die Handlung abgestimmt ist es eigentlich immer.

Das gezeichnete Cover zeigt einen Mann am Steuer, während im Hintergrund ein Auto dem Ortsschild Richtung Hamm folgt. Auch das wirkt eher unangepasst, was durch die dicken, gelben Lettern auf schwarzem Untergrund noch unterstrichen wird. Die MP3-CD findet sich in einem etwas höheren Digipack wieder, wobei die einzelnen Folgen im Inneren neben den jeweiligen Sprechern auch eine kurze Inhaltsangabe verpasst bekommen haben.

Fazit: Der Tatort funktioniert als Hörspiel hier deutlich anders als die Filme, witziger, lockerer und auch nicht so komplex und vielschichtig. Die Charaktere machen Spaß, die Fälle bietet interessante Ansätze, die Umsetzung ist modern und unkonventionell. Und dann kommt noch jede Menge Lokalkolorit hinzu, sodass Hamm vielleicht auch in Zukunft nicht der place to be ist, aber hier gut zur Geltung kommt.

VÖ: 20. Mai 2019
Label: Schall & Wahn
Bestellnummer: 9783837143492

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