Phantastische Geschichten – Der Unsichtbare -1-



Theodor Griffin, ein Forscher an einer Universität, hat eine Formel entdeckt, sich selbst unsichtbar zu machen. Eine verheerende Explosion gibt ihm dabei die Gelegenheit, zu entfliehen und sich fortan zu verstecken und sich seine eigene Welt im Untergrund einzurichten. Doch schon bald verhärten sich die Indizien, dass er überlebt hat...

Dass Oliver Döring ein großer Fan von H.G. Wells ist, hat er bereits in einigen seiner früheren Hörspiele bewiesen. Nun hat er auch Der Unsichtbare als Zweiteiler umgesetzt und in seiner Reihe „Phantastische Geschichten“ veröffentlicht, nicht ohne der Geschichte seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. So hat er die Handlung einerseits in die heutige Zeit versetzt und so einen modernen Anstrich verliehen. Es ist erstaunlich, was dieser kleine Kniff für eine deutliche Änderung der Stimmung bewirkt, viele wissenschaftliche Ansätze sind eingebunden. Auch die Handlung wurde von Döring deutlich angepasst, wobei das Grundkonstrukt durchaus erhalten geblieben sind. Die veränderten Details liegen aber besonders in den dunklen Absichten der Hauptfigur, seine Machtansprüche sorgen für eine noch düsterere Atmosphäre als es im Original der Fall ist. Neben dem Hauptcharakter wird die Handlung auch auf anderen Ebenen weitererzählt, sowohl die Ermittlungen der Polizei als auch die Dialoge der Pensionsbetreiber sorgen für eine abwechslungsreiche Dynamik und zusätzliche Spannung. So ist eine sehr unterhaltsame und eindringliche Folge entstanden, die der Vorlage reichlich Respekt zollt und durch die vielen kleinen Anpassungen und ein eigenständiges Dialogbuch dennoch eine sehr eigene Art erhält. Da es sich hier um nur den ersten Teil handelt, ist das Ende der Folge natürlich sehr offen, macht aber auch sehr neugierig auf den zweiten Teil der Geschichte.

In der Hauptrolle des Theodor Griffin ist Asad Schwarz zu hören, der eine sehr lebendige und harte Sprechweise wählt - mal ruhig und bedrohlich, mal ausdrucksstark und extrovertiert, sodass er die Dramatik der Geschichte sehr treffsicher und intensiv umsetzt. Susanna Bonasewicz ist in der Rolle der Pensionsbetreiberin zu hören und verleiht ihr mit ihrer sehr präzisen Aussprache eine gutmütige und naive Aura, wobei sie auch für einigen sanften Witz in der ansonsten leise bedrohlichen Szenerie einbringt. Torsten Michaelis ist als Adye zu hören, die in ihren Szenen eine sehr glaubhafte Sprechweise abliefert und die Stimmung der Handlung so sehr gekonnt beeinflusst. Weitere Sprecher sind Florian Clyde, Bodo Wolf und Bernd Vollbrecht.

Die Umsetzung der Geschichte betont den modernen Ansatz, den die Bearbeitung verfolgt. Besonders bei den Geräuschen wird beispielsweise auf moderne Technologien angespielt. Besonders in der Hintergrundgestaltung ist die Folge sehr stark und präsentiert viele Sounds oder Stimmgewirr, was alles am richtigen Platz ist und so gemeinsam mit der Musik für eine eindrucksvolle Szenerie sorgt.

Der ausladende, schlichte Schriftzug der Reihe prangt natürlich auch hier wieder in weißen Lettern über dem eigentlichen Motiv, das in ziemlich kühler Optik das verbundene Gesicht von Theodor Griffin samt großem Hut und dunkler Sonnenbrille. Der computeranimierte Look mag modern wirken, sagt mir hier aber nicht sonderlich zu.

Fazit: Die Neuinterpretation von „Der Unsichtbare“ ist in diesem ersten Teil gelungen. Ziemlich schnell wird auf den Kern der Handlung – die Jagd auf Theodor und seine Machtfantasien – eingegangen, was wegen der vielen Szenenwechsel für einen dynamischen und spannenden Eindruck sorgt. Der Transport in die heutige Zeit und die Anpassungen der Handlung sind sehr gelungen und lassen dieses Hörspiel sehr hörenswert wirken.

VÖ: 23. August 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207535

Datenschutzerklärung