Inspector Lestrade – 6. Vier Schläge am Mittag



Als sich der Glockenschlag von Big Ben um einige Sekunden verzögert, ist Inspector Lestrade eher amüsiert denn besorgt. Was sich spätestens ändert, als er die Leiche des Mannes sieht, der diese Verzögerung hervorgerufen hat. Denn der Wissenschaftler Westbrook wurde von den Schlägel vollkommen zerquetscht. Sein Forschungsgebiet war ausgerechnet die Zeit...

Ganz ohne Anspielung auf Sherlock Holmes und Dr. Watson kommt auch die sechste Episode von Inspector Lestrade nicht aus, schließlich hat es die Hauptfigur wegen der aktuellen Popularität des Meisterdetektivs zu einer eigenen Serie geschafft. Wie auch schon die Vorgängerfolgen ist auch „Vier Schläge am Mittag“ von feinem Humor durchzogen, der immer wieder auch an unerwarteten Stellen hervorblitzt und die Szenerie dadurch auflockert. Der Fall um den umstrittenen Zeitforscher ist gradlinig erzählt und klassisch aufgebaut, wobei der Fluss an neuen Informationen stetig ist. So gibt es kaum langwierige Passagen, alles hat seinen festen Platz und bringt die Handlung weiter voran. Als Aufhänger dient dabei immer wieder das Forschungsfeld des Wissenschaftlers, der Beweise für Zeitreisen gefunden haben will und deswegen den Zorn seiner Kollegen sowie der Kirche auf sich zieht. Motive für den Mord gibt es also viele, der Fall ist aber deswegen auch nicht leicht zu durchschauen. So klären sich die wichtigsten Indizien erst ganz am Ende, was das Interesse durchgängig hochhält. Der symbolträchtige erste Mord bleibt zudem nicht der einzige, was für weitere Dramatik sorgt. Die Spannung ist dabei recht gleichmäßig und kommt ohne hochtrabende Szenen aus, was den bisherigen Stil der Serie unterstreicht. Hier passt alles gut zusammen und wurde mit einem ausdrucksstarken Finale versehen, sodass eine weitere starke Episode entstanden ist.

Die Besetzung der Folge kann mit der sehr guten Geschichte mithalten und präsentiert viele starke Stimmen. Jürgen Thormann ist beispielsweise als Bischof zu hören, seine kratzige Stimme nimmt hier einen machtvollen Klang an, der sehr gut zu der Rolle passt und viel zusätzliche Stimmung mit einbringt. Mr. Coleman wird von Douglas Welbat gesprochen, auch er setzt viel Energie ein und schafft so einen markanten Charakter, der die Aufmerksamkeit an den richtigen Stellen auf sich zieht. Auch Eckart Dux hinterlässt als Mr. Williams einen sehr positiven Eindruck, mit seiner gelungenen Betonung schafft er einen individuellen und markanten Charakter. Weitere Sprecher sind Heiko Akrap, Stefan Gossler und Achim Buch.

Auch die akustische Umsetzung der Folge ist eher ruhig geraten und passt sich so der Stimmung der Folge gut an. Einige Hintergrundgeräusche sorgen für passende Szenerien und lassen die Dialoge lebendiger wirken, während die Musik recht leise im Hintergrund gehalten wurde, die vorherrschende Atmosphäre aber gekonnt aufgreift und weiter verstärkt.

Der Glockenturm von Big Ben ragt nicht nur in der Realität über dem Westminster Palace auf, sondern auch auf dem Cover. Der Look im Stil eines alten Gemäldes wird hier etwas mehr aufgebrochen und zeigt großflächigere Farben als bei den vorigen Episoden und ist zudem auch einer ungewöhnlichen Perspektive gezeigt. Im Inneren wird die bereits bekannte Gestaltung gezeigt.

Fazit: „Vier Schläge am Mittag“ ist ein weiterer sehr gradlinig und stimmig erzählter Krimi der Reihe mit einem reizvollen Verbrechen und vielen Verknüpfungen, die es zu ermitteln gilt. Der Fluss an neuen Informationen ist stetig, die Figuren einprägsam, die Szenerie sehr stimmig umgesetzt. Und auch der feine Humor der Serie kommt hier mit kleinen Kommentaren sehr gut zur Geltung, was die gelungene Folge noch abrundet.

VÖ: 26. Juli 2019
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864734021

Datenschutzerklärung