Sherlock Holmes & Co - 46. Das doppelte Gesicht



Der Überfall auf ein neureiches Paar vor einem edlen Londoner Restaurant hat bereits über die örtliche Presse die Aufmerksamkeit von Pater Brown erweckt, als Inspector Johnson von Scotland Yard mit der Bitte um Rat auf ihn zukommt. Denn der Täter wurde bereits gefasst - und das gleich zweimal. Dabei konnten die Opfer des Überfalls schon zweifelsfrei den Räuber identifizieren...

„Sherlock Holmes & Co" hat einen neuen Ermittler hinzugewonnen, nun löst auch der katholische Priester Pater Brown Fälle in den in sich abgeschlossenen Folgen. „Das doppelte Gesicht“ wirkt anfangs eher unspektakulär und beginnt mit einem simplen Überfall. Die Handlung entwickelt sich zunächst auch sehr langsam, besonders als ein Täter gefasst und identifiziert wurde, scheint die Überführung nur noch Formsache. Doch dann werden im Laufe der Folge einige neue Elemente hinzugefügt, die den Reiz der Geschichte deutlich steigern. Zum einen wird ein weiterer Täter gefasst, es gibt aber später auch ein unmoralisches Angebot oder ein ungewöhnlicher Rachefeldzug, was das Interesse an dem Fall hoch hält. Die Erzählweise springt zwischen verschiedenen Charakteren hin und her, es ist eben nicht nur Pater Brown als Ermittler zu hören. Das steigert zwar die Dynamik, zum Start für Pater Brown hätte ich mir aber einen größeren Fokus auf ihn gewünscht. Der Charme des Geistlichen tritt so etwas in den Hintergrund, was auch den Ermittlungen weniger Wert verleiht. Der Hörer erfährt viele Details eben eher von Täter oder Opfer anstatt von dem detektivischen Geistlichen, der aber auch immer wieder interessante Ansätze bietet. Gute gefällt mir auch, dass die Epoche der Ermittlungen gut eingebunden ist und beispielsweise das Londoner Telefonnetz eine wichtige Rolle spielt. Eine stimmige Episode, die nach einem etwas langsamen Start noch einige interessante Wendungen nimmt.

Es ist wieder Volker Brandt, der schon in der langlebigen Hörspielserie um den Geistlichen Pater Brown seine Stimme lieh. Er setzt die Rolle immer mit einer großen Portion feinsinnigem Humor und und verteilt süffisant kleine Spitzen, bringt aber auch den Scharfsinn und das tiefe Verständnis für seine Mitmenschen gekonnt zur Geltung. Jaron Löwenberg ist in dieser Episode als Christopher Englefield zu hören, der Mann des überfallenen Paares. Er präsentiert sich dabei kämpferisch und oft wütend, was er mit glaubhafter Energie versieht. Ihm zur Seite steht Florentine Drager als Berenice Englefield, die mit hervorstechendem Charme und einer überspitzten Darstellung der jungen Frau punktet. Weitere Sprecher sind Marcel Colle, Engelbert von Nordhausen und Annina Braunmiller-Jest.

Die akustische Umsetzung der Episode ist wie immer bei der Serie sehr solide geraten. Zwar gibt es ein, zwei Melodien, die herausstechen und sich nicht recht in die Handlung einfügen wollen, die Dynamik der Geschichte wird dadurch aber gut unterstrichen. Da es reichlich Melodien gibt, treten die Geräusche etwas zurück, was dem Ausdruck der Folge aber nicht schadet.

Die bisherigen Cover waren immer eher zurückhaltend und zeigen eher Gegenstände oder Häuser, die in der Folge vorkommen – und „Das doppelte Gesicht“ macht da natürlich keine Ausnahme. Hier ist es der wertvolle Schmuck, der Berenice Englefield vor dem Restaurant gestohlen wurde, die Ohrstecker und die Kette aus hübschen Perlen geben ein passendes Motiv ab.

Fazit: „Das doppelte Gesicht“ startet recht verhalten und braucht einige Zeit, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu wecken. Dann aber werden immer wieder interessante Elemente eingebaut, die Zusammenhänge werden komplexer und vielschichtiger. Für Pater Brown gibt es dabei recht wenig zu tun, da die anderen Charaktere häufiger im Fokus stehen.

VÖ: 19. Juli 2019
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 9783864735554

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