Die Original-Hörspiele – Rübezahl und weitere Geschichten



Der Berggeist Rübezahl hat eine Prinzessin entführt, die sich nur mit List und Tücke aus ihrer Gefangenschaft befreien kann. Robinson Crusoe strandet nach einem Schiffbruch auf einer einsamen Insel und kämpft ums Überleben. Um Menschen und Tiere vor einer großen Sintflut zu retten, baut Noah eine riesige Arche. Im Kampf gegen den mächtigen Goliath scheint der junge David keine Chance zu haben...

Der Audio Verlag hat in seiner Reihe „Die Original-Hörspiele“ bisher vor allem Märchen veröffentlicht, doch spätestens die Folge mit „Rübezahl“ als Titelgeschichte zeigt, dass eine entsprechende Benennung der Serie nicht allzu stimmig gewesen wäre. Denn neben der bekannten Sage aus dem Schwarzwald gibt es noch zwei biblische Geschichten und eine sehr stark gekürzte Fassung von Daniel Dafoes Weltroman „Robinson Crusoe“. Dieser kann in nicht einmal einer Viertelstunde natürlich nicht den gleichen Sog entfalten wie in einer längeren Version und beschränkt sich auf die absoluten Eckpfeiler der ausgefeilten Handlung, ist aber für Kinder ein leichter Einstieg in die Szenerie. Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive erzählt und sehr ruhig geraten. „Rübezahl“ gefällt mir schon besser, die unheimliche Stimmung um den Berggeist wird gekonnt aufgegriffen und in stimmigen Bildern erzählt. Auch diese Geschichte wirkt für heutige Verhältnisse etwas gedrosselt, was beim Blick auf das Produktionsjahr 1959 aber auch nicht sehr verwunderlich ist. Die beiden biblischen Geschichte um „Die Arche Noah“ und „David und Goliath“ sind stimmig erzählt, wobei zweiteres einen deutlich geringeren christlichen Anklang hat und eher wie eine moralische Fabel wirkt. Beide sind in ihrer Erzählung sehr knapp geraten und dauern nur wenige Minuten, die dafür aber stimmig umgesetzt wurden.

Unpassend ist bei dieser Folge leider auch die Bezeichnung „Hörspiel“, denn bei allen vier Geschichten handelt es sich um Lesungen mit nur einem Erzähler. Bei Rübezahl und den beiden biblischen Episoden ist dies Eduard Marks, den man auch schon in anderen Teilen der Reihe gehört hat. Er spricht mit ruhiger, authentisch wirkender Stimme und zeichnet die jeweiligen Handlungsbögen gekonnt nach, wobei er eine sehr angenehme und ruhige Ausstrahlung hat. Im direkten Vergleich wirkt Rolf Mamero etwas lebendiger, wobei er als Ich-Erzähler von Robinson Crusoe auch mehr Gefühle vermitteln kann, was ihm gut gelingt.

Alle vier Sequenzen sind auch mit Musik unterlegt, was die beiden Sprecher gut unterstützt und eine passende Atmosphäre schafft. Die klassisch anmutenden Melodien laufen dabei fast durchgängig und bringen etwas mehr Leben ein. Geräusche sind hingegen nicht zu hören, was mir aber nicht negativ aufgefallen ist, da die Musik eine vollkommen ausreichende Untermalung ist.

Der rein weiße Grundton der vorigen Episoden wurde auch für dieses Coverdesign verwendet, wobei die meisten grafischen Elemente dieses Mal passend zur Titelgeschichte einen natürlich wirkenden Grünton zeigen. Das eigentliche Motiv zeigt den grimmig dreinblickenden Naturgeist auf seinem Berg, während die Prinzessin im Hintergrund auf ihrem Pferd davon reitet. Das Innere ist hübsch gestaltet und enthält zu jeder Geschichte die üblichen Produktionsinformationen.

Fazit: Wieder hat der Audio Verlag vier lohnenswerte Kurzhörspiele (beziehungsweise in diesem Fall Lesungen) aus den Archiven geholt, die nostalgischen Charme vermitteln und kindgerecht umgesetzt sind. „Robinson Crusoe“ hat mich wegen der starken Kürzung zwar nicht sonderlich begeistert, die anderen Geschichten wurden aber stimmig umgesetzt.

VÖ: 22. März 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742409003

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