Insel-Krimi – 5. Langeooger Dünenblut



Besorgte Nachbarn verschaffen sich Zutritt zum Haus einer alteingesessenen Inselbewohnerin von Langeoog, können aber nur noch ihren Tod feststellen. Wegen des Alters der betagten Dame sorgt dies erst einmal nicht für Aufsehen, bringt aber mit dem Banker Steffen Wiesner und seiner Frau Lena neue Bewohner auf die Insel. Doch schon bald mehren sich die Anzeichen, dass die beiden nicht allzu willkommen sind...

Krimis mit Lokalkolorit haben in den letzten Jahren deutlich an Popularität hinzugewonnen, mit dem Insel Krimi von Contendo Media ist dieser Trend auch auf die Hörspielszene übergeschwappt. Mit „Langeooger Dünenblut“ ist nun die fünfte Episode der Reihe erschienen, der wieder eine von den anderen Folgen unabhängige Geschichte erzählt. Und genau wie das Vorurteil über die nordfriesischen Inseln ist auch die Handlung eher gemächlich geraten. So dauert es einige Zeit, bis der Hörer erfährt, worum es in der Folge eigentlich dreht, welches Verbrechen aufgeklärt werden muss. Dafür werden die Charaktere und die aktuelle Situation ausführlich geschildert und mit vielen Details und Schlenkern versehen. Hier lässt sich die Folge vielleicht etwas zu viel Zeit, so unterhaltsam die Szenerie auch sein mag, zerfranst die Handlung etwas. Später gilt es dann sogar, hinter zwei Verbrechen zu kommen, der Zusammenhang bleibt unklar - selbst wenn ein Teil der Auflösung nicht allzu schwer zu erraten ist, der andere eine Spur zu leicht aufgelöst wird, der Täter etwas zu freimütig von dem Verbrechen und seinen Umständen. Die Stimmung der Episode ist jedoch recht dicht geraten, sodass auch die langsameren Szenen noch einen großen Unterhaltungswert besitzen. Die Charaktere sind gut gestaltet und besitzen ihren eigenen Charme, wobei gar nicht so sehr auf den Kontrast zwischen Land- und Stadtmenschen eingegangen wird – was ja auch oft einen platten und eindimensionalen Eindruck hinterlässt. Diese Klippe wurde zwar gut umschifft, insgesamt hätte diese fünfte Episode einfach ein wenig mehr Schwung vertragen und hat dabei eher Anklänge eines Dramas.

Matthias Keller spricht in dieser Episode die Rolle des neuen Inselbewohners Steffen Wiesner und punktet dabei mit einer glaubhaften und eingängigen Sprechweise, wobei er gerade im späteren Verlauf der Handlung mehr Druck in seine Stimme legt. Seine Frau Lena wird von Dana Friedrich, die viel Emotionen in ihre Stimme legt und die junge Frau so präsent und lebendig klingen lässt. Pat Murphy hat mir hier äußerst gut gefallen, sein authentischer norddeutscher Dialekt und das gekonnt darauf abgestimmte Auftreten können in der gesamten Folge überzeugen. Weitere Sprecher sind Gerrit Schmidt-Foß, Julia Kaufmann und Roman Wolko.

Auch im ersten Teil, als noch gar nicht so recht klar ist, worum es eigentlich geht, wird immer wieder spannungsgeladene Musik eingebaut, was etwas zu überdramatisch wirkt. Ansonsten gibt es viel Möwengeschrei, was auf die Dauer etwas eintönig wirkt, aber auch zahlreiche passende und gut aufeinander abgestimmte Geräusche.

Auf den ersten Blick ist auf dem Cover eine idyllische Bühnenlandschaft zu sehen, der feine Sand mit den Grasgewächsen und ein Leuchtturm im Hintergrund sind ansehnlich geraten, wobei die rote Schrift einen deutlichen Kontrast zur blauen Grundstimmung bildet. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich die fahle Hand am unteren Rand und deutet damit auf das Thema der Episode hin.

Fazit: Der Hörer mag beim Titel „Insel-Krimi“ eine spannungsgeladene Handlung erwarten, die hier leider erst gegen Ende geboten wird und auch dann mit einigen Stolpersteinen behaftet ist. Dennoch ist der Verlauf der Handlung durchaus unterhaltsam, die Charaktere und deren Beziehungen stimmig konzipiert, die Atmosphäre auf der Insel samt realer Gegebenheiten gut eingebracht.

VÖ: 17. Mai 2019
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783945757956

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