Sonderberg & Co – 9. und der Fall van den Beeck



Der Tod von Inspektor van den Beeck schlägt große Wellen in Düsseldorf, wo er viele Jahre lang das örtliche Polizeirevier geleitet hat. Und währenddessen hat er sich viele Feinde gemacht, so auch Sibilla Mai, dem Kopf einer Diebesbande, die vor kurzem aus dem Gefängnis geflohen sind. Auch Dr. Friedrich Sonderberg fragt sich, ob beide Ereignisse miteinander zusammenhängen...

Es gibt Hörspielserien, die ihre neuen Folgen in sehr kurzen Abständen veröffentlichen – was vollkommen okay ist, sofern die Qualität nicht darunter leiden. „Sonderberg & Co“ stemmt sich jedoch gegen diesen Trend und bringt eine Folge erst dann auf den Markt, wenn sie vollkommen ausgereift ist, was man auch der neunten Episode anmerkt. Denn wieder in der Fall sehr gut durchdacht, die wichtigsten Figuren sind detailliert ausgearbeitet, der Erzählfluss ist sehr stimmig geraten. Dabei werden die Hintergründe der Tat und die Zusammenhänge mit dem Ausbruch von Sibilla Mai ganz langsam, fast behutsam aufgedeckt. Die Dialoge sind lang, aber nie belanglos, sondern eher gediegen, immer wieder sind mal kleine, mal große Hinweise eingebaut, die den Hörer aufhorchen lassen. Mir gefällt diese entschleunigte Art, die eine sehr eingängige Stimmung schafft, die sich dem Zeitgeist gekonnt entzieht und einen Kriminalfall nach altem Stil erzählt. Besonders gut an dieser Episode gefallen mir die Beziehungen, die Sonderberg im Laufe der Zeit mit den anderen Personen aufbaut, wie sein leicht verschrobener Charakter dabei unterstrichen wird, aber auch Minnie Cogner bekommt mit ihren ganz eigenen Problemen wieder einen eigenen Handlungsstrang verliehen, der den Zuhörer wieder in die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts versetzt. Und auch die Auflösung, die so einige Überraschungen bereithält, ist sehr gelungen und löst die miteinander verwobenen Fäden sehr geschickt auf.

Jan-Gregor Kremp ist in der Hauptrolle des Dr. Friedrich Sonderberg wieder absolut überzeugend, setzt die leicht skurrile und gerade deswegen so sympathische Figur sehr eingängig um und sorgt mit einer sehr präzisen Sprechweise für einen gelungenen Gesamteindruck. Andreas Fröhlich spricht in dieser Episode die Rolle des Gregor, er setzt gekonnt Akzente und verleiht seiner markanten Stimme sehr passende Facetten, wodurch ein präsenter Charakter entstanden ist. Eva Michaelis ist als Sibilla Mai zu hören, mit viel Energie und Sinn für das richtige Timing lenkt sie die Aufmerksamkeit auf diese vielschichtige und präsente Figur. Weitere Sprecher sind Bert Franzke, Konstantin Graudus und Dagmar Dreke.

Auch akustisch wird mit der Serie wieder sehr sorgsam umgegangen, indem eine ruhige, aber sehr eingängige Atmosphäre geschaffen wird. Die Geräusche fügen sich sehr stilvoll und präzise ein, die Musik präsentiert sich selten, dafür aber umso stimmungsvoller. Das fügt sich alles sehr stimmig zusammen und überdeckt nie die Dialoge, sondern bietet ihnen eine gekonnte Kulisse.

Das wunderschöne Design der Titelbilder wird auch hier wieder gekonnt umgesetzt, aber auch etwas variiert, indem sich ein farbiger Kreis in Blau von dem weißen Untergrund abhebt. Die beiden Hauptfiguren sind von hinten auf einem Friedhof zu sehen, nur wenige Farbkleckse durchbrechen dabei die hübsche Zeichnung. Als Bonus ist wieder eine zusätzliche Geschichte „aus Sonderbergs Notizen“ zu hören.

Fazit: Ein sehr geschickt miteinander verwobener Fall, der einiges anders erscheinen lässt als zunächst gedacht. Die Erzählweise ist langsam und bedächtig, gerade deswegen aber auch fesselnd und stimmungsvoll. Schichtweise kommt man hier dem Mord an Inspektor van der Beeck auf die Spur und kann dabei viele sehr starke Szenen belauschen. Ein sehr starker Fall der Serie!

VÖ: 7. Juni 2019
Label: Zaubermond
Bestellnummer: 9783954269099

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