Die schwarze Serie – 12. Die Raupen



Es sollen ein paar ruhige und entspannte Tage an der italienischen Riviera für das Ehepaar Birch sein – selbst wenn besonders Richard bereits am ersten Abend genervt von dem Künstler Arthur Inglis ist, der in der gleichen Pension eingekehrt ist. Ansonsten entpuppt sich die Villa Cascana als idealer Urlaubsort, besonders Anne fühlt sich sofort wohl. Doch in der Nacht dringen unheimliche Geräusche durch das Haus...

Die zwölfte Episode von „Die schwarze Serie“ mit in sich abgeschlossenen Gruselgeschichten widmet sich einer Vorlage von E.F. Benson. „Die Raupen“ spielt wieder in der heutigen Zeit und erzählt zunächst ausführlich von der Ankunft des Ehepaares Birch in der kleinen Pension und stellt die dort anwesenden Personen in einigen unterhaltsamen Szenen vor. Mir gefällt die Gruppendynamik, die dabei entsteht, auch der aufdringliche und ziemlich eigensinnige Arthur bringt Würze in diesen Teil der Geschichte – inklusive eines in Hörspielkreisen ziemlich bekannten Zitates. Unheimlich geht es dabei aber lange nicht zu, lediglich eine kleine Prise einer unheilvollen Ankündigung ist hier eingebaut. Hier hätte man vielleicht schneller auf die unheimlichen Geräusche in der Nacht kommen können, um die Szenerie zeitnaher aufzubauen, so wirkt das Ganze etwas verzögert. Doch bereits die Schreckensvision in der ersten Nacht zündet und sorgt für eine eingängige Stimmung. Viel Handlung gibt es dabei nicht, eher ausführliche Gespräche, die sich um die Ereignisse im Haus drehen. Die Kombination von Krankheit und Leid mit übernatürlichen Vorkommnissen ist reizvoll und rätselhaft, ebenso wie mir die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart gut gefällt. Das Ende ist sehr offen gehalten und folgt keinesfalls dem üblichen Schema des Genres, alles bis ins Detail aufzuklären, sondern lässt bewusst viel offen – sehr viel, denn das Ende kommt sehr überraschend und ohne einen größeren Höhepunkt als Finale. Insgesamt hinterlässt „Die Raupen“ bei mir zwiespältige Gefühle, viele Ideen gefallen mir sehr gut, insgesamt passiert aber einfach recht wenig, um über die ganze Laufzeit packen zu können.

Die Sprecher sind allesamt sehr engagiert bei der Sache, besonders Daniel Zillmann hat mir als Richard Birch sehr gut gefallen. Er setzt Akzente an den richtigen Stellen und sorgt mit viel Energie für eine intensive Atmosphäre. Robin Brosch tritt als Arthur Inglis herrlich exaltiert auf, wodurch er einige Lacher auf seiner Seite hat, aber auch die Brisanz einiger Szenen erhöht. Katja Brüggers unverkennbare raue und dunkle Stimme kommt als Pensionsbetreiberin Lydia Stanley sehr gut zur Geltung, resolut und warmherzig prägt sie die Folge auf ihre eigene Weise. Weitere Sprecher sind Douglas Welbat, Manja Doering und Timo Kinzel.

Die akustische Gestaltung der Folge ist recht reduziert geraten, nur wenige Geräusche sind während der Dialoge eingebaut. Auch Musik ist nur streckenweise eingebaut, ist dann aber stimmig ausgesucht und verschärft die Atmosphäre auf gekonnte Weise. Dennoch wirken die Sprecher hier manchmal etwas verloren und hätten mehr Unterstützung gebrauchen können.

Der dezente Schriftzug der Serie und der Folgentitel in an Sütterlin erinnernden Lettern ergänzt den schwarzen Rahmen auf dem Titelbild. Das eigentliche Motiv zeigt in rötlichen Farben passend zum Folgentitel einige Insekten – schlicht und doch wirkungsvoll. Im Inneren sind die üblichen Produktionsangaben zu finden, weiteren Bonus gibt es dabei nicht.

Fazit: Die Entwicklung der Geschichte ist langsam und eher auf eine passende Stimmung bedacht, lässt sich am Anfang aber vielleicht eine Spur zu viel Zeit. Die Verbindung von weltlichen und übernatürlichen Plagen ist sehr gelungen und sorgt für einige Gänsehautschauer, das Ende ist dabei sehr offen geraten und überlässt vieles der Fantasie des Hörers.

VÖ: 30. November 2018
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960661665

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