Der Ring des Nibelungen für kleine Hörer – 2. Die Walküre



Seit ihrer erzwungenen Hochzeit lebt Sieglinde unglücklich an der Seite ihres grobschlächtigen Mannes Hunding, hat aber nie den Glauben an die Götter und die Hoffnung auf ein besseres Leben aufgegeben. Dieses scheint sich anzubahnen, als der mutige Siegmund in einer dunklen Nacht Zuflucht in ihrem Haus sucht. Was beide allerdings nicht wissen: Der Göttervater Wotan schaut auf das Schicksal der beiden und verfolgt seine ganz eigenen Pläne...

Richard Wagners Opernzyklus um den „Ring des Nibelungen“ ist nicht nur musikalisch höchst anspruchsvoll und epochal, sondern erzählt auch eine sehr lebendige Geschichte aus der nordischen Mythologie. Der Amor Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, beides für Kinder leichter zugänglich zu machen und hat somit natürlich auch den zweiten Abschnitt „Die Walküre“ als Hörspiel umgesetzt. Die kleinen Zuhörer könnten am Anfang etwas irritiert sein, dass die Geschichte aus dem ersten Teil „Das Rheingold“ nicht gleich fortgesetzt wird. Vielmehr wird diese erste Oper nur am Rande geschnitten, die wichtigsten Ereignisse daraus werden zwar aufgegriffen und noch einmal kurz wiederholt, an sich ist „Die Walküre“ recht eigenständig. Zunächst wird die aktuelle Situation von Sieglinde und Siegmund vorgestellt, bis sich in einer Szene mit den bereits aus dem ersten Teil bekannten Göttern der Hintergrund der beiden klar wird. Das sich anbahnende Drama weckt dabei schnell das Interesse, wird aber später noch um eine weitere Ebene erweitert: Die titelgebende Walküre Brunhilde wird in die Szenerie eingebunden und trifft einige folgenschwere Entscheidungen. Ganz schön viel unterschiedliche Informationen und Ebenen für ein Kinderhörspiel, die kleinen Zuhörer müssen schon einiges an Interesse und Aufmerksamkeit mitbringen, wobei der Einstieg durch eine kindgerechte Sprache, einen fein eingeflochtenen Witz und eine sehr konkrete Darstellung der Geschichte sehr erleichtert wird. Ich mag es sehr, wie kleine Stolpersteine durch sinnige Erläuterungen beseitigt werden und die Handlung sehr flüssig und doch mit dem Sinn für das Detail erzählt wird. Ein mutiges Projekt, das aber auch in dieser zweiten Folge überzeugen konnte.

Das Hörspiel wurde mit Sprechern umgesetzt, die bisher noch nicht sonderlich bekannt sind. Einige von ihnen haben mich dabei nicht sonderlich überzeugt, andere machen ihre Sache richtig gut – wie beispielsweise Jana Rahma als Brunhilde. Sie spricht die Walküre mit fester, betonter Stimme und schafft dabei den Spagat zwischen dem anspruchsvollen Stoff und den Ansprüchen der zuhörenden Kinder. Sieglinde wird von Natalja Joselewitsch gesprochen, die die leidenschaftliche Frau manchmal mit mehr Energie hätte sprechen können, insgesamt aber einen durchaus positiven Eindruck hinterlässt. Martin Valdeig spricht Siegmund mit einer guten Portion Heldentum und Pathos, sodass seine Szenen im Gedächtnis haften bleiben. Weitere Sprecher sind Antje Hamer, Lola Höller und Christian Bergmann.

Die Musik für diese Umsetzung war natürlich schon vorgegeben, Wagners Oper wird in einer Aufnahme der Stuttgarter Staatsoper verwendet. Die meisten Dialoge sind mit den entsprechenden Melodien unterlegt, wobei deren schmetternder und dominanter Ausdruck durch eine eher geringe Lautstärke ausgeglichen wird. Das hat dennoch noch genügend Strahlkraft, um die Stimmung gekonnt zu vermitteln. In den Momenten, wenn nur die Oper zu hören ist, hätte die Lautstärke aber ruhig noch etwas mehr aufgedreht werden können.

Das Cover ist wieder in dem Comicstil gezeichnet, der auch schon den ersten Teil geziert hat. Auch hier gefällt er mir persönlich nicht sonderlich gut, zeigt aber die wichtigsten Merkmale der Walküre und ihres Pferdes. Noch eine zweite Gemeinsamkeit lässt sich zum ersten Cover herstellen: Auch hier ist im Hintergrund ein goldener Kreis zu sehen, sodass „Der Ring des Nibelungen“ auch hier wieder in Erscheinung tritt.

Fazit: „Die Walküre“ setzt noch einmal an einer ganz anderen Stelle an als der direkte Vorgänger, ist aber nicht minder spannend oder unterhaltsam. Ich mag es sehr, wie die Handlung immer wieder mit packenden oder dramatischen Höhepunkte für Kurzweil sorgt – zumal alles durch die kindgerechte Aufarbeitung recht locker wirkt. Besonders gefällt mir die musikalische Einbindung der Oper, die mit ihren sehr präsenten Melodien überzeugt.

VÖ: 11. März 2019
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 9783947161249

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