Sherlock Holmes Chronicles – 63. Der blutrote Edelstein



Das Hotel Kronprinz in Halle an der Saale gehört zwar wegen der ungünstigen Lage zum Eisenbahnverkehr nicht mehr zu den ersten Adressen der Gegend, zieht aber immer noch gut betuchte Klientel an. Und so ist der Diebstahl eines wertvollen Edelsteins aus dem Privatbesitz eines Gastes eine Katastrophe für den Hoteldirektor, doch die örtliche Polizei scheint schnell den Täter ausfindig gemacht zu haben. Nur ein norwegischer Gast hat hierzu eine andere Meinung...

Die „Sherlock Holmes Chronicles“ orientieren sich keineswegs an einem stringenten Handlungsablauf, sodass die Folgen zwischen verschiedenen Zeiten hin- und herspringen. Folge 63 setzt dabei an einem Punkt an, der für Fans des Meisterdetektivs viel Raum für Spekulationen bietet: In der Zeit seines Verschwindens nach dem legendären Fall von den Reichenbach-Fällen. Das hat zur Folge, dass er hier nicht von Dr. Watson begleitet wird, sondern ein junger Kriminalassistent aus Halle namens Wolter dessen Rolle einnimmt. Dabei dauert es etwas, bis Holmes auftaucht, zunächst wird recht ausführlich die Szenerie um das Hotel und den verschwundenen Edelstein aufgebaut. Wolter zeigt sich dabei als scharfsinniger und zugänglicher als sein Vorgesetzter und lässt sich dann auch schneller auf eine andere Sichtweise auf das scheinbar Offensichtliche ein. Holmes zeigt dabei sehr detailliert auf, welche Fallen der Polizei dabei gestellt wurden, welche Ungereimtheiten es gibt, was in typischer Manier für die bekannte Figur geraten ist – genauso wie seine süffisante Art, seinen engstirnigen Mitmenschen vor den Kopf zu stoßen. Der Fall ist gut konstruiert, in der Ausführung kurzweilig, aber nicht sonderlich aufregend geraten. Es gibt keine unerwarteten Wendungen, der Hörer kann sich aufgrund des Verlaufs der Handlung schon einige Dinge zusammenreimen. Der ganz große Wow-Effekt bleibt also aus, es bleibt aber eine sehr solide und hörenswerte Episode mit dem Flair der Figur, die hier auch gut ohne Watson funktioniert.

Martin Bross ist in dieser Episode als Kriminalassistent Wolter zu hören und macht seine Sache sehr gut, gibt den engagierten Gesetzeswächter einen gradlinigen und loyalen Ausdruck, kann aber auch den eher lockeren Unterton der Folge gut aufgreifen. Frank Schaff spricht seinen Vorgesetzten Inspektor Kirsch mit Nachdruck und einer polternden Art, was zu dem kurzsichtigen Mann sehr gut passt, auch seine konsternierte Art bei der Auflösung fügt sich stimmig ein. Santiago Ziesmer gibt sich als bestohlener Adeliger hochnäsig und mit blasiertem Auftreten, was einen interessanten Kontrast zu seiner sehr speziellen Klangfarbe steht. Weitere Sprecher sind Oliver Stritzel, Tobias Schmidt und Tobias Nath.

Dezent, aber durchaus immer präsent, so präsentiert sich die akustische Umsetzung der Serie und auch dieser Episode. Die Betonung liegt dabei auf vielen Hintergrundgeräuschen, die das Leben im Hotel stimmig zusammensetzen – andere Schauplätze kommen auch gar nicht in die Handlung vor. Und auch musikalisch wird wieder ruhige, aber passend eingebundene Kost geboten.

Dass auf dem Cover dieser Episode ein leuchtend roter Edelstein prangt, mag bei diesem Titel kaum überraschen. Diese eher schlichte Idee kommt mit dem Funkeln des Steines und dem daraus resultierenden Kontrast zum schwarzen Hintergrund sehr gut zur Geltung. Im Inneren ist neben den einleitenden Worten von Markus Winter auch ein kleines Porträt von Martin Bross zu finden.

Fazit: Nach der sehr eindringlichen letzten Folge wird hier eine kleine, lockere Geschichte ohne große Dramatik erzählt, die dennoch eine dichte Atmosphäre mit dem typischen Flair der Serie vermittelt. Holmes ist dabei sehr gut getroffen, die Idee hinter der Folge unterhaltsam geraten, die Dialoge kurzweilig und stimmig.

VÖ: 31. Mai 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662235

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