Gruselkabinett – 147. Die Höllenfahrt des Schörgen-Toni



Colin Hargreaves und seine Gattin Alwyne sollen einen Vortrag über ihre Arbeit vor anderen Geisterjäger halten. Doch nicht nur, dass Colins Tante Marilyn sich aufdrängt, das Ehepaar samt Tochter Pamela dorthin zu fahren, sie bleiben in einer dunklen Nacht auch noch in Lungau stecken. Einzig ein altes Schloss steht ihnen als Unterschlupf für die Übernachtung zur Verfügung – und dabei geht es mal wieder nicht mit rechten Dingen zu...

Das Ehepaar Hargreaves steht nun bereits zum vierten Mal im Mittelpunkt beim Gruselkabinett von Titania Medien. Und da der ursprüngliche Autor Allen Upward eben nur eine Geschichte für die charismatischen Geisterjäger verfasst hat, hat Marc Gruppe alias Per McGraup wieder zum Stift gegriffen und sich eine neue Handlung ausgedacht – und auch gleich neue wichtige Figuren eingebunden. Zum einen ist es Pamela, die Tochter der beiden, die zwar bereits bekannt ist, hier aber mit ihrer kessen Art positiv auffällt. Zum anderen und noch einmal markanter inszeniert sticht Tante Marilyn immer wieder hervor. Ihre frische, aufdringliche, teilweise herablassende Art sorgt für einige Lacher und lockert die Handlung immer wieder auf – vielleicht sogar eine Spur zu sehr. Denn die an sich ziemlich unheimliche Handlung rund um zahlreiche Geistererscheinungen wird so immer wieder abgemildert und verliert so an Kraft. Toll ist jedoch, wie sich die einzelnen Fetzen der Geschichte langsam zu einem kompletten Gesamtbild zusammensetzt, wie man die Hintergründe der übernatürlichen Wesen erkunden kann, wie sich verschiedene Schicksale vereinen und zu einer sehr intensiven Handlung verschmelzen. Dabei wird es dann öfter ziemlich unheimlich und später für die Protagonisten ziemlich gefährlich, was für ein sehr intensives Finale sorgt. Sicherlich ist der humoristische Einschlag der Folge nicht jedermanns Sache, die sehr lebendige und dynamische Geschichte hat bei mir jedoch für gute und kurzweilige Unterhaltung gesorgt.

Mehr als 15 Sprecher sind hier zu hören und schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen, alle wurden gut ausgewählt und unterstützen die Wirkung ihrer Szenen. Ursula Sieg ist als Tante Marilyn sicherlich einer der auffälligsten Charaktere und sorgt mit ihrer kratzigen, aufgedreht klingenden Stimme für eine sehr charmante Figur, deren Gags dank ihrer Präsenz gut funktionieren. Jean-Paul Baeck ist in der titelgebenden Rolle als Schörgen-Toni zu hören, den er mit finsterer, geheimnisumwitterten Stimme spricht und die gruseligen Aspekte der Folge gekonnt betont. Stephanie Keller und Benedikt Weber funktionieren als Ehepaar Hargreaves wieder hervorragend, ihre Stimmen harmonieren sehr gut miteinander, sie spielen sich gegenseitig die Bälle zu und betonen die Dynamik der Handlung. Weitere Sprecher sind Clara Fischer, Jacques Breuer und Dagmar von Kurmin.

Sehr gelungen ist auch in dieser Episode die akustische Umsetzung, die Marc Gruppe wieder sehr fein an die Handlung angepasst hat. Dabei werden natürlich besonders die unheimlichen Szenen betont, die mit vielen kleinen Melodien und treffenden Geräuschen untermalt sind. Die Stimmung wird durchgängig sehr gut betont, sodass eine atmosphärische Folge entstanden ist.

Das Cover ist wie bei den vorigen Episoden um die Hargreaves in kühlen Blautönen gehalten, wobei ein unheimliches Teufelsgesicht über der Szenerie schwebt. Der höllische Kutscher und die hoch aufragende Burg sorgen für eine stimmungsvolle Optik, die von Ertugrul Edirne sehr detailreich umgesetzt wurde. Natürlich darf die hübsche Säulen-Optik dabei nicht fehlen.

Fazit: Einige Zutaten dieser Handlung sind recht klassisch geraten, dennoch werden sie mit ungewöhnlichen und sehr hörenswerten Elementen kombiniert. Die vielen Geistererscheinungen sorgen für eine unheimliche Stimmung, die Charaktere für Witz und Charme. Beides nimmt sich gelegentlich einander den Wind aus den Segeln, dennoch ist eine hörenswerte Episode des Gruselkabinetts entstanden.

VÖ: 29. April 2019
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785759479

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