Sherlock Holmes Chronicles – 62. Der Artillerist im Ruhestand



In einem Wald wird ein menschlicher Schädel aufgefunden, in den zahlreiche Nägel eingeschlagen wurden. Sherlock Holmes ist natürlich sofort alarmiert ob der Grausamkeit der Tat und versucht gemeinsam mit dem medizinischen Wissen von Dr. Watson, mehr über den Fall herauszufinden. Erste Hinweise bekommt er bereits durch die Umgebung, in der der Schädel gefunden wurde und wo früher Kohle abgetragen wurde...

Klaus-Peter Walter ist seit Beginn der „Sherlock Holmes Chronicles“ und steuert höchst unterschiedliche Geschichten um den bekannten Meisterdetektiv bei. Die 62. Episode mit dem Titel „Der Artillerist im Ruhestand“ startet beispielsweise gleich mit einer eindrucksvollen Szene, die die Brutalität der Folge gleich andeutet. Natürlich sind hier keine heftigen Splatterszenen zu erwarten – das würde auch kaum zu der gediegenen Szenerie der Holmes-Geschichten passen – doch der grausame Tod des Opfers wird recht explizit beschrieben, die Leiden vor dem Tod sorgen schon für ein mulmiges Gefühl. Das ist eine recht neue Zutat für die Serie, die bestens funktioniert und ihr eben eine prickelnde Note verleiht. Der Aufbau ist ansonsten eher klassisch und kommt ohne um Aufmerksamkeit heischende Szenen aus, die Ermittlungen verlaufen ruhig und sind so spannend, weil die Hintergründe der Tat häppchenweise ausgeführt werden. Hier spielen weitere sehr gelungene Elemente mit ein, beispielsweise wird mit dem psychischen Zustand eines der Charaktere gespielt. Wie sich die verschiedenen Hinweise zusammensetzen bleibt bis zum Schluss in einer großen Überführungsszene offen, was sehr aufregend inszeniert wurde und die bisherigen Hinweise gekonnt kombiniert. Eine sehr starke Episode der Serie, die mich von Anfang an gefesselt hat.

Marios Gavrillis ist in dieser Episode als Finley Lampard zu hören, der seine Szene mit einer sehr präsenten Sprechweise bereichert. Er passt sich sehr gut den vorherrschenden Atmosphären an und bringt die Gefühlslage des Mannes gekonnt herüber. Freimut Götsch spricht die Rolle des Colonello Gaviale ebenfalls sehr intensiv und zeichnet die Dynamik der Geschichte nach, wobei er die jeweilige Situation immer sehr treffend erfasst. Torsten Münchow ist in einem kurzen Gastspiel als Mycroft Holmes zu hören, sein Auftreten ist präsent und markant, wobei er die bekannte Figur auf seine eigene Art interpretiert. Weitere Sprecher sind Markus Pfeiffer, Herbert Schäfer und Bernd Vollbrecht.

Auch in der akustischen Umsetzung merkt man die etwas härtere Gangart der Folge an, besonders die musikalische Untermalung wirkt dabei etwas präsenter als sonst. Während der spannenderen Szenen werden immer wieder kleine Melodien eingebaut, die gekonnt Akzente setzen. Dennoch wird von dem Grundkonzept auch hier nicht zu sehr abgewichen, sodass es auch ruhigere Momente am prasselnden Kamin gibt.

Der Schädel mit den vielen Metallnägeln ist als zentrales Motiv der Episode auch auf dem Cover gelandet, in erdigen Tönen gehalten und wirkt etwas verwaschen, um der grausigen Darstellung etwas Schärfe zu nehmen. Das gefällt mir sehr gut und passt auch wunderbar zu dem ausladenden Schriftzug und dem wie immer rein schwarzen Hintergrund.

Fazit: Sherlock Holmes wird hier mit einigen Facetten angereichert, die eher ungewöhnlich sind und fast schon Anleihen an Psychothriller haben, was aber sehr gut zu der Serie passt und für eine aufregende Episode sorgt. Starke Charaktere, eine packende Auflösung und dennoch der eher ruhige Grundtenor der Chronicles – eine sehr hörenswerte Episode, die mich schnell gepackt hat.

VÖ: 26. April 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662228

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