Sherlock Holmes – 37. Der verschwundene Kutscher



Der Duke of Dorset ist nicht nur gerade zufällig in London, sondern auch ein alter Schulfreund von Sherlock Holmes. Genau diesen sucht er dann auch auf, als sein sonst zu zuverlässiger Kutscher zufällig verschwindet – gerade zu der Zeit, als der Duke hohen Besuch aus Russland erwartet und auf seinen Angestellten angewiesen ist. Natürlich nimmt sich Holmes des Falles an und entdeckt einige ungewöhnliche Zusammenhänge...

Auch wenn der Vorrat an Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle für die Serie um Sherlock Holmes von Titania Medien noch lange nicht aufgebraucht sind, sorgt das Label mit einer sehr gelungenen Idee für Nachschub. In die Geschichten anderer Autoren der damaligen Zeit wird das bekannte Gespann aus Holmes und Watson herein geschrieben, was in den vergangenen beiden Fällen schon einmal gut funktioniert hat. Die 37. Episode „Der verschwundene Kutscher“ stammt ursprünglich aus der Feder von Herman Cyril McNeile und passt ebenfalls bestens in die Reihe, bringt aber auch einige eher ungewöhnliche Momente mit ein. Der Aufbau ist hingegen sehr klassisch, zunächst berichtet der Auftraggeber von dem seltsamen Vorfall, wonach sich eine ganze Kette von Ermittlungen anschließt, die logisch aufeinander aufbaut und dem Gesamtbild immer mehr Elemente hinzufügt. Doch es gibt eben schon in der Introszene etwas Ungewöhnliches zu erleben: Der ungezwungene Umgang samt Spitznamen aus der Jugendzeit lässt den Hörer Holmes von einer ganz anderen Seite erleben. Er wirkt bei weitem nicht mehr so reserviert wie sonst. Für meinen Geschmack weicht dies eine Spur zu sehr von der ursprünglichen Figur von Sir Arthur Conan Doyle ab. Das andere Novum hat mir da deutlich besser gefallen: Die Folge endet in einem actionreichen und dramatischen Finale, welches sehr viel Tempo einbringt. Und auch einige anzügliche Anspielungen mit fatalem Ausgang sind vorhanden, allerdings so stilvoll und nur gerade angedeutet, dass es immer noch sehr gut zu den Figuren und der Ausstrahlung der Serie passt. Eine weitere starke Episode, die mit ihren Neuerungen meinen Geschmack getroffen hat.

Jacques Breuer ist in der Rolle des Duke of Dorset zu hören und hinterlässt einen sehr positiven Eindruck, indem er sowohl die zurückhaltende Art seines Standes, die jugendlichen Kabbeleien mit seinem alten Schulfreund als auch die dramatischen Momente gleichermaßen glaubhaft spricht. Bert Stevens ist mit seiner eingängigen Stimme als Mr. Cheadale zu hören, den er lebendig und treffend umsetzt und dabei die Stimmung der Episode unterstreicht. Das Duo aus Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt in den Hauptrollen ist ebenfalls wieder in sehr guter Form und überzeugt mit dem gelungenen Zusammenspiel. Weitere Sprecher sind Daniela Bette, Matthias Lühn und Marc Gruppe.

Auch diese Folge der Serie ist atmosphärisch und eingängig geraten, Musik und Geräusche verbinden sich zu einem sehr gekonnten Klangteppich für die Szenen. In den späteren Momenten mit mehr Action und einer rasanten Jagd durch London wurden die Regler am Mischpult auch noch einmal hochgedreht, was die Szenen noch intensiver wirken lässt, doch auch hier liegt der Fokus immer auf den Sprechern und ihren Dialogen, wie es bei dieser Serie auch sein muss.

Ertugrul Edirne hat auch dieses Cover wieder sehr atmosphärisch und ansehnlich gezeichnet. Ein nebelverhangener Londoner Tag wird samt den typischen Droschken des ausgehenden 19. Jahrhunderts gezeigt, die von Holmes und Watson beobachtet werden, beide sind nur im Profil zu sehen, sind mit ihren typischen Merkmalen aber dennoch sofort zu identifizieren.

Fazit: Wieder wurden Sherlock Holmes und Dr. Watson sehr stimmig in eine andere Geschichte integriert und fügen sich fast nahtlos ein, nur manchmal etwas zu flapsige Ton von Holmes fällt anfangs ein wenig aus dem Rahmen. Doch die spannenden und unterhaltsamen Ermittlungen und das rasant erzählte Ende passen bestens zusammen und sorgen für einen sehr guten Gesamteindruck.

VÖ: 29. März 2019
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5727-7

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