Sherlock Holmes & Co – 44. Der Falschspieler mit dem Karo-Ass



Nur mit knapper Not und einigen Tricks kann der Meisterdieb Wayne McNair gemeinsam mit seinem Team seinen alten Freund Fips vor einer öffentlichen Hinrichtung bewahren. Der Vorwurf: Er soll die Mona Lisa aus dem Louvre entwendet haben. Natürlich kann McNair diese Ungerechtigkeit nicht auf sich beruhen lassen und setzt alle Hebel in Bewegung, Fips' Hände in Unschuld zu waschen...

Ein neuer Hauptcharakter hat es in die Reihe „Sherlock Holmes & Co“ geschafft und ersetzt damit die Lücke, die Auguste Dupin und Edgar Allan Poe hinterlassen haben, nachdem sie ihre eigene Serienumsetzung bekommen haben. Wem jedoch die Rolle des Wayne McNair nicht allzu viel sagt, ist vermutlich nicht ganz allein, denn statt mit einem klassischen Detektiv aus Roman, Kurzgeschichte oder Hörspiel hat man es hier mit einer Figur zu tun, die erstmals 2012 das Licht der (Hörspiel-) Welt erblickt hat. Darüber hinaus handelt es sich auch keinesfalls um einen privaten Ermittler, sondern um einen Meisterdetektiv – ein interessanter Perspektivwechsel, der in der ersten Episode „Der Falschspieler mit dem Karo-Ass“ auch sehr reizvoll ausgekostet wurde. Denn in dynamischen Wechseln wird zwischen McLair und seinem Team sowie der ermittelnden Polizei hin- und hergewechselt, was mit kleinen Zeitsprüngen und zunächst ausgelassenen Informationen für so einige Überraschungen sorgt. Eröffnet wird jedoch mit einem ganz großen Auftritt für den Meisterdieb, der auch gleich die Marschrichtung mit dem humoristischen Einschlag vorgibt. Die lockere und beschwingte Atmosphäre gefällt mir gut, viele der Gags zünden auch, aber dabei scheint mit der Kriminalfall etwas vernachlässigt. Die Idee hinter dem Fall ist dann doch etwas flach und zu vorhersehbar geraten, als dass es mich so richtig überzeugt hätte. Auch dass das Pariser Umfeld dieser Folge so stark in den Vordergrund gestellt wurde, sorgt zwar für Atmosphäre, kann aber eben auch nicht über den etwas schlichten Hintergrund hinwegtäuschen. „Wayne McLair“ bietet durchaus viel Potenzial, sofern man Krimis mit einer ordentlichen Portion Humor mag, ganz rund ist der erste Fall mit ihm aber noch nicht ganz gelungen.

Der Meisterdieb wird von Paul Burhardt gesprochen, der gleichsam für Skript, Produktion, Regie und Sounddesign verantwortlich ist. Seine Sprechweise ist locker, eingängig und humorvoll, wobei er auch exzentrisch genug ist, um die Wandlungsfähigkeit des Charakters zu betonen. Tom Steinbrecher ist als Fips zu hören und weckt trotz seines kriminellen Hintergrundes die Sympathien des Zuhörers, auch er spricht sehr treffend und setzt seine Figur dynamisch um. Gut gefallen hat mir auch Tanja Niehoff als Isabelle Chevalier, die mit ihrem süffisanten Unterton die Stimmung der Folge gekonnt unterstreicht. Weitere Sprecher sind Thomas Kramer, Detlef Tams und Ingo Abel.

Natürlich ist auch hier wieder die einprägsame Titelmelodie der Reihe zu hören, danach wird aber eine sehr individuelle Richtung bei der Musik eingeschlagen. Sehr beschwingt und locker fügt sich diese in die Handlung ein und setzt dabei immer wieder gekonnt Akzente. Auch die Geräusche sind stimmig eingebaut, wobei für viele Szenen ein prägnanter und passender Hintergrund gefunden wurde.

Am Coverdesign hat sich hingegen nichts geändert, sodass man auch hier den orangefarbenen Rahmen mit dem schlichten Schriftzug und der Episodennummer 44 in der Detektiv-Silhouette findet. Als Foto wurde ein opulent ausgestattetes Gebäude ausgewählt, das hübsch anzusehen ist, aber auch zu vielen anderen Folgen gepasst hätte und so nur wenig Individualität mitbringt.

Fazit: Wayne McLair bringt unüberhörbar frischen Wind in die Serie und sorgt allein mit dem Perspektivwechsel hin zum Meisterdetektiv für Abwechslung. Der humorvolle Ansatz und der deutlich gelockerte Umgangston sind gelungen und passen zu Figur und Szenerie, nehmen aber auch viel Spannung aus der Geschichte. Diese ist am Ende nicht sonderlich einfallsreich aufgelöst, auf dem Weg dorthin gibt es deutlich mehr gelungene Überraschungen.

VÖ: 29. März 2019
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-546-2

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