Der Butler – 3. surft von Föhr nach Sylt



Kurz nach ihrem Besuch in einem Feriencamp bemerkt das junge Mädchen Claire eine erstaunliche Eigenschaft an sich, ist sich aber sehr bewusst, dass sie diese vor ihren Mitmenschen verborgen halten sollte. Und tatsächlich nimmt ihr Leben eine unschöne Wendung, als sie von der amerikanischen Regierung für ihre Zwecke eingespannt wird. Bis eine gewisse Lady Amanda Marbely auf sie aufmerksam wird und aus ihrer unfreiwilligen Gefangenschaft befreit...

Es ist immer gut, einer Serie mit der Zeit neue Impulse zu verleihen, um Abwechslung hereinzubringen und den Hörer bei Laune zu halten. „Der Butler“ hat damit schon äußerst früh angefangen, die dritte Episode mit dem interessanten Titel „Der Butler surft von Föhr nach Sylt“ hat mit ihren Vorgängern nur noch wenig gemeinsam. Zunächst wird eine ganz neue Szenerie geschaffen, in der die beiden bekannten und charmanten Hauptfigur keinen Platz haben. Claire rückt völlig in den Mittelpunkt, ihre einzigartige Gabe und deren Folgen werden sehr ausführlich beleuchtet. Das geschieht zu großen Teilen auch von Helmut Winkelmann als Erzähler, die Dichte an Dialogen ist dabei sehr gering. An sich ist das ja nicht unbedingt verkehrt, aber gerade dadurch kommen die vielfältigen inneren Konflikte von Claire nicht so recht zur Geltung. Das Ganze geht dann auch recht lang und ist nicht uninteressant erzählt, aber eben auch etwas eintönig geraten. Das ändert sich leider auch nicht so recht mit dem Auftauchen des Butlers und der Lady Marbely, die zwar die eigentliche Handlung in Gang bringen, deren besondere Beziehung mit den speziellen Eigenheiten aber hier ziemlich untergehen. Und auch die Spannung kann so nicht gesteigert werden, da sowohl Identität als auch Motiv des Täters sofort klar sind. Und da der Hörer auch immer wieder Szenen von ihm zu hören bekommt, ist auch die Bedrohung durch ihn immer gut abzuschätzen. Auch das Finale mit der titelgebenden Surftour des Butlers verpasst die Chance auf einen spannenden Abschluss. So richtig überzeugen konnte mich die Folge nicht, der flüssige Verlauf, die ungewöhnliche Grundidee und die Bezüge zu einer anderen, sehr beliebten Hörspielserie sorgen aber für einen insgesamt gelungenen Eindruck.

Helmut Winkelmann hat als Erzähler hier deutlich mehr zu tun als bei den beiden Vorgängern, er spricht seine Texte eingängig und mit angenehmer Stimme, zumal er die kleinen Spannungsbögen gekonnt nachzeichnet. Claire hat gleich zwei Sprecherinnen: Luisa Wietzorek als Kind sowie Tanya Kahana als junge Frau. Beide hauchen der zentralen Figur dieses Hörspiels Leben ein und lassen ihre Lebensfreude erlebbar werden. Wolfgang Rüter ist in der Rolle des Peter Robbins zu hören, der mit viel Ausdruck und glaubhaften Auftreten in den verschiedenen Szenen überzeugt. Weitere Sprecher sind Peter Gröger, Tom Jacobs und Dirk Hardegen.

Die Konzentration liegt hier mehr auf den Sprechern und ihren Dialogen als in den beiden Vorgängern, die akustische Gestaltung hält sich so mehr zurück. Auch hier sind immer mal wieder passende Geräusche eingestreut und auch als Hintergrundgestaltung werden diese eingesetzt, die langen Erzähltexte stehen allerdings eher für sich allein.

In voller Montur mit Anzug, Melone und Regenschirm steht der Butler auf dem Cover auf dem Surfbrett, sein Gesicht wird im Profil wieder lediglich angedeutet, sodass hier viel der Fantasie des Hörers überlassen wird. Die stürmische See und das große Schiff ergänzen das Cover zu dieser Folge sehr gut. Ein Vorwort des Autors im Inneren und ein lobenswert offener Hinweis auf mögliches Knacksen während des Abspielens ergänzen den positiven Eindruck.

Fazit: „Der Butler surft von Föhr nach Sylt“ hat mit den beiden Vorgängern nicht mehr viel gemeinsam. Im Zentrum steht eine ganz neue Figur, Butler und Lady laufen hier eher nebenher. Die erzählte Geschichte wird recht lang ausgebreitet, bietet dadurch aber auch einige langwierige Passagen, so recht in Schwung kommt die Handlung allerdings auch am Ende nicht. Überraschend, wie sehr sich die Episoden einer Serie doch voneinander unterscheiden können!

VÖ: 11. September 2015
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2422-7

Datenschutzerklärung