Edgar Allan Poe und Auguste Dupin - 2. Im Bann der Angst



Gerard Deville, der Sohn einer wohlhabenden Comtesse, hat sich von seiner Familie abgewendet und sucht Erfüllung in einer Sekte. Da alles freiwillig geschieht und er nicht festgehalten wird, kann die Polizei nicht eingreifen, sodass sich die Adelige an Auguste Dupin wendet. Dieser will sich undercover ein Bild von dem Sektenführer machen, doch seine Tarnung ist schon beim ersten Besuch hinfällig...

Die neu bei Maritim gestartete Reihe um „Edgar Allen Poe und Auguste Dupin“ lässt den französischen Detektiv mit seinem Schöpfer und Autor gemeinsam Fälle lösen – ein interessanter Ansatz, der aus der „Sherlock Holmes & Co“-Reihe herausgelöst wurde und hier nun in engerer Taktung erscheint, als dies zuvor möglich war. Die zweite Episode spielt wieder mit Themen, die auch schon bei Poe vorkamen und verpackt diese in einen Krimi, der zunächst klassisch aufgebaut wurde und unterhaltsam erzählt wird. Der anfängliche Bericht der Comtesse Deville führt in die Handlung ein, die ersten Ermittlungen sind noch recht konventionell geraten. Doch eine seltsame Wandlung von Auguste Dupin lenkt die Folge dann in einer ganz andere Richtung, setzt damit interessante Akzente und bringt wieder einen gelungenen psychologischen Aspekt mit ein. Auch wenn der Druck hinter der Folge am Ende etwas nachlässt, ist die Handlung dennoch gut aufgebaut und punktet mit vielen packenden Momenten. Action steht dabei nicht im Vordergrund, sondern wieder eine leise gruselige Atmosphäre. Schade nur, dass Edgar Allan Poe hier ein wenig von seinem Profil verliert und nicht mehr so scharf umrissen wird wie zuvor, der Bezug zum echten Leben des Schriftstellers hätte prägnanter sein können. Auch die zweite Folge zeigt, wie viel Potenzial in der Serie steckt, entfaltet dieses aber noch nicht komplett. Das Thema ist gut und stimmig gewählt, hätte aber noch eine kleine Schippe mehr vertragen.

Der wunderbare Helmut Krauss ist in dieser Episode als Monsieur G. zu hören, seine unverwechselbare Stimme setzt er sehr geschickt und variantenreich ein, sodass eine sehr prägnante Figur entstanden ist. Annina Braunmiller-Jest ist als Yolande ebenfalls sehr überzeugend und passt sich sehr gekonnt der düsteren Szenerie an, auch die wirkt im Umfeld der Sekte sehr eingängig. Anke Reitzenstein punktet als Comtesse Deville mit viel Energie, sodass der Einstieg in die Handlung sehr gelungen ist. Weitere Sprecher sind Christian Zeiger, Torsten Michaelis und Sven Plate.

Auch hier wird die düstere Seite der Handlung mit Musik und Geräuschen betont, sodass der Kriminalfall auch akustisch um einige unheimliche Aspekte ergänzt wird. So sind die eingesetzten Melodien oft düster und melodisch mit klassischen Instrumenten umgesetzt, während die Geräusche sanft im Hintergrund erklingen und so die Atmosphäre lebendig wirken lassen.

Toll, wie gut das Thema der Folge auf dem Cover umgesetzt wurde. Ein riesiges Auge ist darauf zu sehen, das die Szenerie dominiert und einen Mann, der darauf zuzulaufen scheint, in seinen Bann zieht. Die gedeckten Farben treffen die Grundstimmung der Folge, die vielen verschnörkelten Elemente und sehr hübsch verzierte Schriftzug lassen das Zeitalter gut auferstehen.

Fazit: Schnell wird hier eine düstere Stimmung aufgebaut, die sich mit Dupins versuchten Undercover-Einsatz bei der Sekte noch verschärft. Die Konzentration auf den Detektiv ist gelungen, führt aber dazu, dass die zweite Hauptfigur etwas untergeht. Der Verlauf ist flüssig und spannend, lässt aber gegen Ende aber leider etwas nach. Eine solide Produktion, die wieder voller düsterer Stimmung ist.

VÖ: 21. September 2018
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960661-71-9

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