Sherlock Holmes: Die neuen Fälle – 39. Der Tod des Henkers



Bei einer Lesung lernen Sherlock Holmes und Dr. Watson den bekannten Schriftsteller H.G. Wells kennen. Doch das freundliche Beisammensein wird schnell durch den Literaturkritiker William Hasseltine gestört, der Wells hart angeht und ihm erneut jegliches schriftstellerisches Talent abspricht. Die beiden gehen eine Wette ein, dass Wells eben doch ein Werk verfassen kann, das Hasseltines hohen Ansprüchen genügt. Doch zu einem finalen Schlagabtausch zwischen den beiden wird es nie kommen...

Die Romantruhe-Hörspielserie um Sherlock Holmes fällt immer wieder mit kreativen Ideen auf, die bereits durch das Lesen des Klappentextes neugierig machen. Ein Paradebeispiel hierfür ist auch die 39. Episode mit dem Titel „Der Tod des Henkers“, in der die reale Figur des H.G. Wells eine wichtige Rolle spielt (und der hat ja 2018 auch bei anderen Hörspiellabel Hochkonjunktur). Das ist schon einmal ein reizvoller Ansatz und wird hier auch gelungen aufgegriffen. Doch hätte die Folge auch ohne das bekannte Zugpferd mit einem namenlosen Autoren funktioniert? Die erfreuliche Antwort lautet: Ja. Zunächst gefällt mir sehr gut, dass das bekannte Duo aus Holmes und Watson nicht nur im Nachgang von dem Verbrechen erfährt, sondern schon im Vorfeld eingebunden ist und erste wichtige Beobachtungen machen kann. Und auch die vielen markanten Figuren, allen voran der ziemlich arrogante und herablassende Hasseltine, sorgen für einen lebendigen Ausdruck ein eingängiges Gesamtbild. Nicht zuletzt ist aber auch der Fall an sich gut durchdacht, mit vielen spannenden Details versehen und richtig gut erzählt. Die Situation in dem Hotel, in dem die beiden Streithähne Wells und Hasseltine untergebracht sind, wird von Holmes und Watson sehr genau beleuchtet, man lernt ganz unterschiedliche Menschen kennen und hegt den Verdacht mal in die eine, mal in die andere Richtung. Die kurzweilige Erzählweise wird durch einige gelungene Elemente verziert, die die Handlung vielleicht nicht viel voranbringt, aber eben gute Ideen einbringt – beispielhaft sei hier zu nennen, dass die englische Wett- und Buchhalterkultur aufgegriffen wird. Alles richtig gemacht, so macht diese Serie erneut richtig Spaß.

Lothar Blumhagen schlüpft für diese Episode in die Rolle des H.G. Wells und hinterlässt einen sehr positiven Eindruck, indem er ihn sympathisch, aber durchaus auch kämpferisch und entschlossen klingt, die verschiedenen Szenen gestaltet er so sehr treffend. Manfred Lehmann ist mit seiner markanten Stimme als William Hasseltine eine sehr gute Besetzung, er setzt viel Druck in seine Stimme und lässt ihn hart und äußerst unangenehm klingen. Gerald Paradies ist als Rufus Peel zu hören, auch er setzt gekonnt Akzente und gestaltet seine Szenen sehr lebendig. Weitere Sprecher sind Vera Bunk, Georg Tryphon und Jürgen Thormann.

Die Sprecher und ihre Dialoge stehen hier komplett im Vordergrund, und das ist auch gut so. Die eingebauten akustischen Elemente sind eher dezent eingebaut und drängen sich die in den Vordergrund, sondern beeinflussen die Stimmung etwas subtiler. Die Geräusche sind dabei klar und passend eingebaut, die Musik stimmig und zur jeweiligen Szenerie passend.

Das Hotel, in dem die Folge fast ausschließlich spielt, ist im typischen Stil der Serie als Ölgemälde auf dem Cover zu sehen. Geschäftiges Treiben, edel gekleidete Menschen, opulenter Blumenschmuck und eine angedeutete, sehenswerte Architektur ergeben eine passende Szenerie, die gut zu der Handlung passt und dennoch nicht allzu viel von der Geschichte verrät.

Fazit: Die Figur des H.G. Wells sorgt für Aufmerksamkeit, Hasseltine für einen markanten Aufhänger, das gelungen gestaltete Ambiente und das wunderbare Duo aus Holmes und Watson für einen unterhaltsamen Verlauf. Die Hinweise sind mal versteckt, mal etwas offensichtlicher, aber so gut aufbereitet, dass die Spannung stetig sehr hoch ist. Eine weitere sehr starke Episode dieser Serie.

VÖ: 30. November 2018
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-224-9

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